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    Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz: So viel Netz war im Wahlkampf noch nie

    Binden und Einbinden mit Bits und Bytes, Breitseiten in Blogs, Frontalangriffe in Videos - und vielleicht sogar Informieren: Die Parteien im Land machen vielen der Möglichkeiten im Internet Gebrauch.

    Rheinland-Pfalz - Binden und Einbinden mit Bits und Bytes, Breitseiten in Blogs, Frontalangriffe in Videos - und vielleicht sogar Informieren übers Internet: Die Parteien im Land machen unterschiedlich von den Möglichkeiten im Netz Gebrauch.

    Die Idee der CDU schien erfrischend im Oktober 2009: Kurt Beck als Ideenklauer entlarven und ihn auf spickmichrlp.de benoten lassen. Das Ergebnis: Kurt Beck kam auf Bestnoten, die CDU versuchte die Blamage mit Beschwerden über "Abstimmungsmanipulation" zu lindern. Inzwischen stellt die CDU Zeugnisse lieber selbst aus - auf einer eigenen "Unterrichtsausfall"-Seite. Und die SPD setzt dem Wahlvolk mit einem CDU-Wahrheitsbarometer vor, was an ausgewählten Aussagen dran sein soll. 

    Von den Parteien ist inzwischen weit mehr zu finden als Homepage, Facebook und WKW-Gruppe, sie haben ihre Aktivitäten im Netz ausgeweitet - aus der Lektion dürften sie aber gelernt haben: Einladungen an den Gegner, Umfragen zu drehen, finden sich keine mehr. Die kontrollierten Mitmachmöglichkeiten sehen jetzt anders aus: Wer auf der SPD-Seite "Ich und Kurt Beck" angemeldet ist und eine "gute Tat" vollbringt - zehn weitere Unterstützer für die Seite findet, ein Bekenntnis von sich online stellt oder "Persbecktive"-Aufkleber anbringt - bekommt 100 Punkte. Damit kann er sich in einer "Galerie der Guten Taten" nach vorne arbeiten. Einen Genossen aus Wackernheim bei Mainz  brachte das gar auf die Idee, sein Auto nicht nur entsprechend zu bekleben, sondern dem "Kurt-Unterstützer-Auto" dann auch noch eine eigene Facebook-Seite zu spendieren.

    Auf dem Gegenstück der CDU zur Beckseite, Camp2011.de ("Wir für Julia") wird nicht so einfach klar, wie welcher Einsatz mit Punkten belohnt wird.  Fotos und Videos mit Unterstützerbotschaften können aber auch dort hochgeladen werden.

    Zur Information der Wähler dienen diese Seiten nicht - hier werden die Überzeugten noch zusätzlich motiviert, die eigenen Leute nach Vorbild des US-Wahlkampfs die enger gebunden. Und Hinweise, Spenden zu können, finden sich dort auch.

    Bei der Linken sieht das Bekenntnis dann so aus, dass an eine Wahlkampf-Mailadresse geschickte Fotos von Menschen mit Paketen gesammelt werden - Motto: "Sparpaket - Annahme verweigert."

    Einige Einfälle fürs Netz heben die Strategen sich auch noch auf, um das Pulver nicht zu früh zu verschießen. Die Grünen starten am Montag ihre Seite "Meine Kampagne". Wer sich hier anmeldet, soll sich nicht nur selbst wieder löschen können ohne Spuren zu hinterlassen, die Angemeldeten sollen auch auf ihre vorher eingetragenen Interessen abgestimmte Angebote zum Mitmachen erhalten. Damit wollen die Grünen stärker Menschen erreichen, denen ein Thema am Herzen liegt - aber nicht eine Partei. Noch weiter geht ihre Idee einer Internet-Landkarte, in die unter dem Motto "Hier hilft nur Grün" Probleme eingetragen werden können. Die fünf Anliegen, die die meisten Stimmen sammeln, erfahren besondere Betrrung. Prominente Grüne schauen sie sich an Ort und Stelle an. So erreichen die Grünen, dass andere für ihre Seite werben.

    Für die Abteilung Attacke unterhalten die Parteien eigene, zum Teil flache, zum Teil aber durchaus unterhaltsame Seiten. Die Grünen setzen in ihrem Blog Walpoden5 noch am meisten auf Zwischentöne und nicht nur auf Angriffe, können aber dabei durchaus auch bitterböse sein. 

    Die Junge Union widmet Justizminister Bamberger einen eigenen Auftritt unter rechtsbruch-rlp.de, legt aber ihre größten Energien in König Kurts Blog. Auf der satirischen Seite wird der Langzeitministerpräsident als vor sich hin regierender Monarchen vorgeführt - mitsamt eines Videos vom viel beachteten Flashmob "Huldigt dem König" und einer verfilmten Bastelanleitung. Die hatte allerdings für Ärger gesorgt, weil die JU die Geschehnisse in Ägypten mit dem Landtagswahlkampf in Verbindung gebracht hatten.

    Die Jungen Liberalen haben das Klöckner-Wort "Rheinland-Filz" zur Adresse einer noch jungen Seite gemacht. Der rote Gegenwind zu den CDU-Attacken ist der Blog der Schwarzen Schafe von den Jusos, der auf die CDU-Affären anspielt. Dass dort unter der Rubrik "Gern gelesen" am Freitag "No results available" stand, dürfte eher ein technischer Fehler sein. Auf der - nicht ganz so aktuellen - Seite landen auch unter "Eifelkrimi" die Folgen des "Billen-Podcasts", in denen der SPD-Landtagabgeordneter Martin Haller den umstrittenen CDU-Kollegen Michael Billen als Kartoffel mit Julia Klöckner auftreten lässt.

    Die echte Julia Klöckner dagegen ist 20-fach auf Videos bei CDUrlpTV auf YouTube zu sehen. Die Grünen sind dort ebenso wie die FDP-Fraktion. Dort sind auch die Freien Wähler, auf deren  Internsetseite sich aber nicht viel mehr als das Wahlprogramm findet. Die internetaffinen Piraten waren - bei Twitter nachzulesen - bis vor einigen Tagen noch stark mit dem Sammeln von Unterstützerunterschriften beschäftigt, auf ihrer Seite zur Wahl warten Informationen, Statements der Kandidaten und das Wahlprogramm in verschiedenen Varianten.

    Die meisten Videos bietet der Kanal SPDrlpVision. Die SPD will zudem jetzt auch mobil Botschaften von Kurt Beck frisch aus dem Wahlkampf über Twitter und Facebook verschicken. Anders als Julia Klöckner, die selbst twittert, kam der von Spiegel online "Twitter-Kurt" genannte Beck nicht authentisch rüber. Jetzt ist Beck, dem eine Abneigung gegen SMS nachgesagt wird, im Mittelpunkt des vom Agenturpartner so genannten "Mobile Social Campaignings".

    Denn Inhalte zu haben und die Wähler damit zu erreichen, sind zweierlei Dinge: So tauschten sich angestellte Wahlkämpfer von Grünen und FDP bei Twitter belustigt über die "Geheimkampagne" der FDP aus. Sehr weit hatte sich deren mit einem durchaus pfiffigen Film versehene Seite "Gymansien garantieren" nicht herumgesprochen, das Video lässt sich aber auch hier nicht einbinden.

    Eingebunden an vermeintlich fremdem Ort war dafür SPD-Information - und löste damit eine kleine Netz-Posse aus: Wer bei Google "Julia Klöckner" suchte, bekam auch bezahlte Treffer der SPD angezeigt. Die CDU wunderte sich öffentlich und ging dann zum Angriff über: Die eigenen Reihen wurden aufgefordert, die Anzeige zu klicken, damit die SPD zahlen muss. Teuer wurde es für die SPD nicht.

    Die messbare Resonanz kann aber manchmal auch durchaus enttäuschend für die Parteien sein: Als die Grünen jüngst einen Abend zur Netzpolitik ins Internet übertrugen - voll zugeschnitten auf die Internetgemeinde - klinkten sich in der Spitze keine 20 Zuschauer ein...

    Lars Wienand

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