Mainz (dpa/lrs) – Um auf die Situation pflegebedürftiger Menschen und pflegender Angehöriger in Rheinland-Pfalz aufmerksam zu machen, sind in Mainz etliche Menschen auf die Straße gegangen. «Ich möchte den vulnerabelsten Personen in unserer Gesellschaft eine Stimme geben», sagte Organisatorin Sandra Schulz, deren Sohn seit seiner Geburt an einem chronischen Herzfehler erkrankt ist. Sie kritisierte die gesundheitspolitischen Sparvorhaben der Bundesregierung und fordert eine verlässliche und solidarische Gesundheitsversorgung.
Im Fokus der von ihr organisierten Demonstration stehen für Schulz die Menschen, die sich oft nicht selbst Gehör verschaffen können. «Dazu zählen Kinder, aber auch Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung aller Altersgruppen», erklärte die dreifache Mutter. Insbesondere mit Blick auf die geplante Pflegereform möchte sie als Betroffene, aber auch auf die Belastung für pflegende Angehörige aufmerksam machen.
Während der Demonstration habe es für sie deshalb unter anderem einen besonders emotionalen Moment gegeben: Einer ihrer Redegäste schilderte seine Erfahrungen als ein selbst seit 20 Jahren pflegender Vater. «Man fühlt sich sonst so alleine mit seiner Situation und das dann zu hören, berührt einen schon sehr», erzählte Schulz.
Offener Brief an die Politik
Bei einer Mitmachaktion während der Demonstration konnten weitere Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre persönlichen Geschichten schildern. Ein Betroffener habe etwa von seinen Erfahrungen im Hinblick auf Missstände im medizinischen Bereich berichtet. Wer seine Geschichte lieber anonym teilen möchte, kann dies in einem geteilten Dokument auch online tun.
Im Laufe der nächsten Woche möchte Sandra Schulz die gesammelten Erfahrungsberichte in einem offenen Brief an den Mainzer Bundestagsabgeordneten Daniel Baldy (SPD) weiterleiten. Schulz fordert ihn und die gesamte Bundesregierung dazu auf, ihre Reformpläne und Sparmaßnahmen zu überdenken.
An der Demonstration nahmen nach Angaben der Polizei rund 45 Menschen teil. Obwohl Sandra Schulz etwas mehr Teilnehmende erwartet hätte, zeigt sie sich zufrieden: «Für diese Personengruppen geht sonst niemand auf die Straße. Deshalb bin ich dankbar und glücklich für jedes Ohr, das ich heute bekommen konnte».
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