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    KoblenzSitzenbleiben abgeschafft: Koblenzer Schulen machen damit gute Erfahrungen

    Ehrenrunde passé: In einem Modellversuch will Rheinland-Pfalz testen, ob das Sitzenbleiben bald flächendeckend und schulartübergreifend abgeschafft werden soll. In Koblenz ist das, was das Bildungsministerium als Innovation anpreist, an manchen Schulen aber schon längst pädagogische Realität.

    Das Zeugnis voller Fünfen (wie auf unserem gestellten Bild zu sehen): Für viele Schüler bedeutet das bislang, dass sie in der Schule eine „Ehrenrunde“ drehen müssen. Nun will das Land testen, ob das „Sitzenbleiben“ bald ganz und schulartübergreifend abgeschafft werden soll.
    Das Zeugnis voller Fünfen (wie auf unserem gestellten Bild zu sehen): Für viele Schüler bedeutet das bislang, dass sie in der Schule eine „Ehrenrunde“ drehen müssen. Nun will das Land testen, ob das „Sitzenbleiben“ bald ganz und schulartübergreifend abgeschafft werden soll.
    Foto: Annette Hoppen

    Eine Klasse als Strafe und als Konsequenz für schlechte Noten zu wiederholen: An der Integrierten Gesamtschule Koblenz und an der Goethe-Realschule plus geht man schon seit einiger Zeit andere Wege. Und das mit Erfolg, wie die Schulleiter bekunden. Und: Auch an den Grundschulen gibt es keine Sitzenbleiber mehr. Das Stichwort hier wie dort heißt: individuelle Förderung.

    Und damit hat ihre Schule bislang gute Erfahrungen gemacht, wie Eva Liss-Mildenberger, Chefin der IGS, betont: „Lernen ist sicher anstrengend, aber wenn es als sinnvoll und erfolgreich erlebt werden kann, lernen alle Schüler gerne.“ Ein Zwangszurückstufen schade dagegen eher dem Lernverhalten. Deshalb verzichtet die IGS komplett aufs Sitzenbleiben. Einzige Ausnahme: der Übergang von der Stufe 9 in die 10. Klasse. Der ist nur möglich, wenn die Leistungen stimmen. Alle anderen Schüler gehen nach der 9. Klasse – mit oder ohne Berufsreife.

    Noten gibt es an der IGS zwar auch, wichtiger aber sind für die Pädagogen dort die differenzierten Rückmeldungen über das Lern- und Arbeitsverhalten der Schüler, die die Eltern mit jedem Zeugnis erhalten. „Wir sind als IGS so nah dran an den Kindern und versuchen durch ein recht breit angelegtes Konzept zur individuellen Förderung jedes Kind so zu fördern und zu fordern, dass es den für ihn höchstmöglichen Abschluss erreicht“, erklärt die Schulleiterin.

    Ein freiwilliges Wiederholen ist an der IGS aber nicht ausgeschlossen, allerdings nur in Absprache mit den Eltern und dem Schüler. Und es sei keineswegs so, dass Schüler an einer Gesamtschule „durchgeschleppt“ werden. Denn den Übergang zur 10. Klasse gibt es eben nur, wenn die Noten stimmen. Der Kritik von Josef Kraus, Chef des Deutschen Lehrerverbandes, widerspricht die Schulleiterin damit vehement. Kraus hatte gesagt, dass Schulabschlüsse zu „ungedeckten Schecks“ degradiert würden, sollte das Sitzenbleiben insgesamt abgeschafft werden.

    Dieser Befürchtung widerspricht auch Ralf Marenbach, der die Goethe-Realschule plus in Lützel leitet. Auch hier wurden die Ehrenrunden weitestgehend abgeschafft. Nur noch an den Nahtstellen zwischen Orientierungs- und Mittelstufe und zwischen der 9. und 10. Klasse findet eine Versetzung nicht statt, wenn die Noten nicht stimmen. Ansonsten steigen alle Schüler im Klassenverband auf.

    Ab der 7. Klasse wird dann ein differenzierter Unterricht angeboten. Und: Ab der 8. Klasse erhalten die Eltern in jedem Schulhalbjahr eine Rückmeldung, welches schulische Ziel und welchen Abschluss ihr Kind mit den aktuellen Leistungen erreichen kann. „Daher erübrigt sich wohl auch eine Kommentierung zum Thema ,Schulabschlüsse werden zu ungedeckten Schecks'“, erklärt Marenbach.

    Einen differenzierten Unterricht bietet auch die Integrierte Gesamtschule an. Hier erfolgt eine zwingende Zuweisung der Schüler in Grund- und Erweiterungskurse in den Hauptfächern und auch einigen Nebenfächern. Eva Liss-Mildenberger weiß aus ihrer fast 40-jährigen Tätigkeit als Lehrerin: „Nur das Sitzenbleiben abzuschaffen geht nicht. Es müssen begleitende Maßnahmen dazukommen.“

    Das betont auch Rüdiger Klingmann, Schulleiter des Gymnasiums auf dem Asterstein, der warnt: „Wenn es nur fiskalische Gründe gibt, dann sollte der Schulversuch unterbleiben.“ Klingmann ist überzeugt, dass eine gezielte, zusätzliche Förderung kostenneutral nicht erreichbar sei. Außerdem gibt er zu bedenken: „Und auch der Eigenanteil des Schülers am Lernen ist nicht durch Förderung ersetzbar.“

    Von unserer Mitarbeiterin Annette Hoppen

    Bildungsministerin Ahnen (SPD): Sitzenbleiben wird nicht abgeschafft Länderübergreifendes CDU-Papier gegen Abschaffen des SitzenbleibensKlöckner: Schule ohne Sitzenbleiben wie Fußball ohne AbsteigerRZ-KOMMENTAR: Die Ideologie darf nicht im Klassenzimmer Platz nehmenSchule ohne Sitzenbleiben: Modellversuch könnte im nächsten Schuljahr startenweitere Links
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