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Rheinland-Pfalz

Seit Wochen hält die Dürre an: Ein Land sehnt sich nach Wasser

Die anhaltende Trockenheit bestimmt mehr und mehr den Alltag im Land. Und es ist keine Änderung in Sicht. Ein Blick ins Land, das sich nach Wasser sehnt.

Foto: Sascha Ditscher

Schlechte Zeit für Feuerwerker

Ein echtes Dürreproblem haben derzeit viele Feste. Häufig locken Feuerwerke als Höhepunkt – doch vielfach musste der Programmpunkt in diesem Jahr wegen der Brandgefahr gestrichen werden, darunter in Mesenich, Ellenz und Klotten (Kreis Cochem-Zell). Auch das Burgenfest in Altenahr (Kreis Ahrweiler) muss zum ersten Mal ohne das prächtige Feuerwerk auskommen. Nach wochenlanger Trockenheit wurde die Pyroshow, die für Samstag geplant war, kurzfristig abgesagt. „Das ist schade, weil das Feuerspektakel vor der Kulisse von Burg Are zu den schönsten in der Region gehört“, so Eva Flügge von der Tourist-Information Mittelahr. „Aber die Wald- und Graslandbrandgefahr war zu groß.“ Die Entscheidung stoße aber auf viel Verständnis. Wie der Verlust nun kompensiert wird, steht noch nicht fest. Der Arbeitskreis, der im Verein Weinort Altenahr für die Ausrichtung verantwortlich ist, wird sich mit der Pyrotechnik-Firma treffen und eine Lösung finden müssen. Mit mehreren Tausend Euro ist das Feuerwerk einer der größten Posten im Etat des Verkehrsvereins.

Auch bei den Organisatoren der Kirmes in Asbach (Kreis Neuwied) ist die Enttäuschung groß: In Absprache mit den Behörden ist das Großfeuerwerk bereits abgesagt worden. Zumal die Asbacher nicht zum ersten Mal von der Absage ihres Feuerwerks betroffen sind. Alternativ plant die Gemeinde, das Strandbadfest am ersten Septemberwochenende mit einem Feuerwerk attraktiver zu machen. „Damit hält sich auch der Verdienstausfall bei der Pyrotechnikfirma in Grenzen“, sagt Ortsbürgermeister Franz-Peter Dahl.

Hoffen können indes noch die Junggesellen in Waldbreitbach. Der publikumswirksame Höhepunkt ihrer Kirmes „Wied in Flammen“ ist zwar aufgrund der anhaltenden Trockenheit gefährdet, gleichwohl laufen derzeit Gespräche darüber, wie man die Sicherheitslage vielleicht doch noch in den Griff bekommt – unabhängig von möglichen Regenfällen.

Das Schlossfeuerwerk bei der Kirmes in Montabaur (Westerwaldkreis) ist auf jeden Fall abgesagt. In Andernach (Kreis Mayen-Koblenz) hingegen soll zur Freude von 13.000 erwarteten Gästen das Feuerwerk zum Fest der 1000 Lichter wie geplant stattfinden. Dort hatte man entsprechende Flächen ausgiebig gewässert.

Für Schiffe wird es eng

Wegen der niedrigen Pegelstände können viele Transportschiffe nur noch eingeschränkt fahren. Auf dem Rhein, der wichtigsten Wasserstraße hierzulande, ist ein Passieren teils nur noch mit halber Ladung oder weniger möglich, teilte die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt mit. „Sollte das warme Hochdruckwetter anhalten und keine entscheidenden Niederschläge fallen, werden die Wasserstände weiter fallen“, sagte Sprecherin Claudia Thoma. „Gegebenenfalls kann der Schiffsverkehr dann streckenweise zum Erliegen kommen.“ Auch könnten Warentransporte teurer werden. Auf dem Rhein werden rund 80 Prozent aller Güter der Binnenschiffer transportiert. So tief wie im Rekordsommer 2003 ist der Wasserstand jedoch noch nicht. Der Rhein hat laut Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt noch rund 50 Zentimeter mehr Wasser als damals. Außerdem gibt es auf einigen Flüssen kaum Einschränkungen für Schiffe. Dort, wo es Schleusen gibt, etwa an Mosel, Neckar oder Main, kann der Wasserstand manuell reguliert werden.

Hitze setzt den Fischen zu

Fischsterben als Folge von Niedrigwasser und Hitze: Im Rekordsommer 2003 war das Phänomen weitverbreitet. Aktuell gibt es erste Fälle im Norden und Osten der Republik. Am Mittelrhein und an der Mosel droht jedoch keine Gefahr. Zumindest bis Ende August.

Aktuell hat der Rhein von Koblenz bis Köln eine Durchschnittstemperatur von 25 Grad. Erfahrungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) zeigen, dass Fische in der Regel noch höhere Temperaturen aushalten können – zumindest bis zu 40 Tagen. „Wir sind am Tag 14 oder 15“, hieß es auf Anfrage bei der BfG. Das heißt: Wenn das Wetter so heiß und trocken bleibt, ist noch bis Ende August Spielraum. Dann könnte es eng werden. Die Fische werden dann träger und für Krankheiten anfällig“, teilte die BfG weiter mit. Der Trend gilt nicht nur für den Mittelrhein, sondern auch für die Mosel. Allerdings droht dort, wo die Fließgeschwindigkeit gering ist, eine andere Gefahr: die Bildung von Blaualgen. Diese geben nämlich ein Nervengift ab, das vor allem Wasservögel gefährdet.

In manchen stehenden Gewässern hat bereits die Feuerwehr eingegriffen und kräftig Sauerstoff ins Wasser gepumpt, damit die Fische überleben – etwa in Lonnig (Kreis Mayen-Koblenz).

Der Borkenkäfer kommt

Einer freut sich sehr über die andauernde Trockenheit und Hitze: der Borkenkäfer. Er findet gerade beste Bedingungen, um sich rasend schnell zu vermehren. Ein Blick in die Forsten etwa nach Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) zeigt: Viele Fichten sind bereits von dem vier bis fünf Millimeter großen Schädling befallen. Forstleute befürchten, dass die Plage das Ausmaß des Hitzrekordjahres 2003 annehmen könnte, wenn sich das Wetter nicht bald ändert.

Kein Trinkwasser für Rasen

Wegen der anhaltenden Trockenheit zieht die Kreisverwaltung Cochem-Zell die Notbremse: Anwohner dürfen ab sofort nicht mehr ihren Rasen bewässern, wie die Verwaltung mitteilte. Das gilt auch öffentliche Grünflächen und für öffentliche sowie private Sport- oder Freizeitstätten. Ansonsten drohen Geldbußen bis zu 5000 Euro.

Diverse Kommunen haben bereits zum sparsamen Wasserverbrauch aufgerufen, darunter die Verbandsgemeinden Montabaur und Höhr-Grenzhausen (Westerwaldkreis). Im Kreis Birkenfeld ist Wasserknappheit zwar kein Thema, aber die Bevölkerung wurde aufgerufen, aus den zu Rinnsalen verkümmerten Bächen kein Wasser mehr für Gärten und Rasenflächen abzupumpen. Sonst setzt es verstärkt Bußgelder.

Die Brandgefahr bleibt hoch

Der Luftsportverband Rheinland-Pfalz rief seine Mitglieder auf, in diesem Sommer quasi als fliegende Feuermelder zu fungieren. Wegen der hohen Brandgefahr sind auf zwei Mainzer Friedhöfen in Waldnähe außerdem Kerzen und Grablichter vorerst verboten. teilte der Wirtschaftsbetrieb der Stadt mit.

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