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Prozess: Oma von Enkelin ausgeraubt?

Hillscheid/Koblenz – An einem Sonntagabend im Juni klingelte es an der Haustür einer Westerwälder Großmutter – wenig später brach die Welt der 86-Jährigen in sich zusammen: Als sie die Tür öffnete, stand ein Mann (27) davor. Er überwältigte sie, fesselte sie an Händen und Armen.

Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa

Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

Er verklebte ihr Mund und Augen, umwickelte ihren Kopf mit einer Decke und verklebte sie mit Panzerband. Dann ließ er seine Komplizin ins Haus – die Enkelin (21) der Seniorin.

So spielte sich der Überfall in Hillscheid (Westerwaldkreis) am 9. Juni 2013 laut Staatsanwaltschaft ab. Jetzt stehen der Mann und die Frau deswegen vor dem Landgericht Koblenz. Sie sollen an dem Juniwochenende insgesamt vier versuchte oder vollendete Raubtaten verübt haben. Die Frau bestritt dies bei der Polizei großteils, der Mann gestand alles. Beide sitzen seit Mitte des Jahres in Untersuchungshaft. Er ist massiv vorbestraft, unter anderem wegen Raub, schwerer räuberischer Erpressung und Diebstahl mit Waffen. Ihm droht die Sicherungsverwahrung. Das mutmaßliche Täterduo konnte sich im Prozess noch nicht zu den Vorwürfen äußern. Am ersten Prozesstag verlas der Staatsanwalt nur die Anklageschrift.

Demnach war der Raubüberfall auf die eigene Großmutter ein Verbrechen, das an Gefühlskälte kaum zu überbieten ist: Als die Enkelin hereinkam, fragte der Mann die gefesselte Seniorin, wo sie Geld und Schmuck aufbewahrt. Dann durchsuchten er und die Frau das Haus. Nach einer Stunde flüchteten sie mit Schmuck und 1500 Euro. Die völlig hilflose 86-Jährige ließen sie einfach zurück. Bereits zuvor hatten die Angeklagten laut der Staatsanwaltschaft einen zweitägigen Raubzug verübt:

7. Juni 2013: Sie parken um 7.15 Uhr ihren VW Golf unweit eines Kiosks in Halver (Nordrhein-Westfalen). Sie wartet im Auto, er vermummt sich, nimmt eine Schreckschusspistole Walther P 22 und geht in den Kiosk. Er verlangt Geld, muss aber ohne Beute abziehen. Der Kioskmitarbeiter gibt ihm nichts.

8. Juni 2013: Die beiden suchen kurz nach Mitternacht ein Ziel für einen weiteren Überfall – und wählen die Aral-Tankstelle in der Alleestraße in Montabaur. Sie wartet im Auto, er geht um 2.10 Uhr mit der Pistole zur Kasse und herrscht die Angestellte an: "Geld raus aus der Kasse! Sofort!" Doch die ist so schockiert, dass sie die Kasse nicht aufkriegt. Auch der Täter schafft dies nicht und muss erneut ohne Beute abziehen.

Einige Stunden später: Die beiden fahren zur Tankstelle in Boden. Alles läuft wie gewohnt. Sie wartet im Auto, er läuft um 7.25 Uhr mit der Pistole zur Kasse. Er gibt vor, etwas einkaufen zu wollen. Dann, als die Angestellte die Kasse öffnet, zieht er seine Waffe, raubt 380 Euro und flüchtet.

Was trieb den Mann zu den Taten? "Er hatte Panik", sagt seine Anwältin Sigried Aretz. "Panik, weil die Angeklagte in einer Drückerkolonne war und schnell Geld brauchte." Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten erpresserischen Menschenraub und schwere räuberische Erpressung vor. Ihnen droht eine lange Gefängnisstrafe. Wir werden im Januar weiter über den Prozess berichten.

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