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Koblenz/Oberemmel

Podzuns zaubern: Mondschein-Wein mit Feng Shui-Geschmäckle

Mit wallendem Gewand im Scheine des Vollmonds zwischen edlen Rieslingreben – Feng-Shui-Meisterin Gabriele Podzun bot ein besonderes Schauspiel. Doch der Berufsverband für die fernöstliche Harmonielehre hält den hogwartsartigen Auftritt zur Ernte des "weltweit ersten Feng-Shui- Vollmondweins" eher für Hokuspokus.

Zur Lese wäre die Kleidung wohl unpraktisch gewesen, aber Gabriele Podzun, hier mit Weingutsbesitzer Max von Kunow, führte ja auch im Mondlicht Fen Shui-Aufsicht. Bild: Podzun
Zur Lese wäre die Kleidung wohl unpraktisch gewesen, aber Gabriele Podzun, hier mit Weingutsbesitzer Max von Kunow, führte ja auch im Mondlicht Fen Shui-Aufsicht. Bild: Podzun

Von unserem Redakteur Lars Wienand

Vollmond am 8. Oktober und dazu noch ein ganz besonderer Tag im 10000-jährigen Feng Shui-Kalender: Nach den Bekundungen des Koblenzer Ehepaars Gabriele und Hans-Jürgen Podzun muss der fruchtsüße Riesling Kabinett ein einzigartiger Tropfen werden, der in dieser historischen Nacht von polnischen Helfern geerntet wurde. Vielleicht steckt in den Rebpflanzen in der Lage Oberemmeler Hütte im Anbaugebiet Saar auch noch die Erinnerung an den Start des Projekts: auch eine Vollmondnacht, damals am 18. Oktober 2013 mit Podzuns und Weingutsbesitzer Max von Kunow.

Viel Mond und die Internetadressen vollmondwein.de und fullmoonwine.de waren dem Trio Podzun,Podzun und von Kunow nicht genug. Der Wein wurde zum Feng-Shui-Wein erklärt, und in der Pressemitteilung findet sich noch ein Foto der Himmelsscheibe von Nebra aus der wenig Feng-Shui-beseelten mitteleuropäischen Bronzezeit.

Die Trauben sind gelesen, die Seite fullmoonwine.com gibt es auch schon als "künftige Adresse von etwas recht Coolem".
Die Trauben sind gelesen, die Seite fullmoonwine.com gibt es auch schon als "künftige Adresse von etwas recht Coolem".

Gabriele und Hans-Jürgen Podzun vereinen Wissen aus zwei Welten. Die Architektin leitet das "Deutsche Feng Shui Zentrum" und hat schon Weingüter in aller Welt mit ihrem Mann besichtigt, dem früheren IHK-Hauptgeschäftsführer und Leiter der Deutschen Wein- und Sommelierschule. Mit diesen Erkenntnissen haben sie ein gemeinsames Projekt von neuer Qualität konstruiert. Der revolutionäre "Feng Shui Riesling Vollmondwein" soll in Asien Visitenkarte für Wein von Saar und Mosel sein. Da kratzen sich nicht nur viele Winzer am Kopf, das ärgert auch den Berufsverband Feng Shui mit 300 Mitgliedern.

Als allgemein anerkannt gilt, dass Feng Shui "unterstützend" wirken soll. Der Mensch, ein Gebäude, ein Unternehmen wird in Harmonie gebracht mit seiner Umgebung. Durch ein Gleichgewicht soll Energie fließen, und das spüren auch viele Menschen. "Unterstützend" ist der nicht geschützte Begriff aber auch zur Absatzförderung, wie der Berufsverband für Feng Shui und Geomantie manchmal bedauernd feststellen muss. "Eine sehr zurückhaltende Position" nimmt man dazu ein.

Als unsere Zeitung bei dem Verband nach der Idee aus dem "Deutschen Zentrum für Feng Shui" in Koblenz fragt, ist die Einrichtung dort zunächst einmal kein Begriff. Obwohl doch Gabriele Podzun "als Dipl. Architektin einzige deutsche Feng Shui Meisterin" ist? Christoph Martin, Leiter der Geschäftsstelle des Berufsverbands, bedankt sich für den Hinweis auf die "von der Sache her nicht korrekte und wettbewerbswiderrechtliche Herausstellung der fachlichen Projektbetreuung". Seine Kritik geht aber weiter: Der Wein erscheine dem Verband eine "reine Marketingaktion und mit den eigentlichen Zielen von Feng Shui nicht vereinbar zu sein".

Bei der Traubenernte waren auch polnische Lesehelfer eingesetzt, mutmaßlich ohne tiefergehende Feng-Shui-Ausbildung. Foto: Brosius
Bei der Traubenernte waren auch polnische Lesehelfer eingesetzt, mutmaßlich ohne tiefergehende Feng-Shui-Ausbildung.
Foto: Brosius

Der Feng-Shui-Verband hat große Sympathie dafür, die "natürlichen Einflüsse in unser Leben zu integrieren", er begrüßt, wenn auch im Weinbau die "natürlichen Regeln und Verfahren wieder ein stärkeres Gewicht bekommen". Auch ist man dort überzeugt, dass Naturphasen Einfluss auf die Qualität von Ernte haben. Aber auch ohne Expertenwissen im Weinbau sagt Verbandsmitarbeiter Martin: "Sonne, Mond, Wind und Wasser genossen zu haben, ist für den beworbenen Wein kein Herausstellungsmerkmal. Die besondere Qualität auf einen ganz bestimmten Tag zurückzuführen, halten wir für problematisch." Eine eigentlich gute Sache bekomme ein Geschmäckle.

Weinsachverständiger Podzun räumt in der Pressemitteilung ein, dass es auf viele Faktoren ankommt: Terroir, Witterungsverlauf, Können des Winzers. "Entscheidend ist letztlich die Qualität des Weines im Glas für den Genießer." Er ist aber optimistisch, dass "eine solche Rarität gerade im asiatischen Raum große Aufmerksamkeit finden und damit ein weiteres Tor für den Deutschen Riesling, speziell den an Saar und Mosel, aufstoßen wird.“ Er spricht von einer Menge von einem Fuder, also knapp 1000 Litern, die im Herbst 2015 auf der VDP-Versteigerung in Trier angeboten werden sollen. Wohl eher nicht bei Vollmond.

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