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    Koblenz/Nürburg

    Nürburgring-Prozess: Kafitz will Freispruch

    Im Untreueprozess um den mehr als 330 Millionen Euro teuren Ausbau des inzwischen für 77 Millionen Euro versteigerten Nürburgrings will der Ex-Hauptgeschäftsführer an der Rennstrecke, Walter Kafitz, einen Freispruch.

    Der frühere „Mister Nürburgring“, Walter Kafitz, überließ Finanzfragen beim teuren Ringausbau anderen, argumentiert sein Anwalt.
    Der frühere „Mister Nürburgring“, Walter Kafitz, überließ Finanzfragen beim teuren Ringausbau anderen, argumentiert sein Anwalt.
    Foto: picture alliance

    Von unserer Redakteurin Ursula Samary

    Nach der Argumentation seines Anwalts Hans-Jörg Odenthal (Köln) war hoch dotierte Manager bei der Finanzierung in "Einzelheiten nicht eingebunden". Wenn er sich auch nicht mit Details "befasst hat", so habe er sich durch Ex-Finanzdirektor Hans-Jürgen Lippelt, Ex-Finanzminister und Aufsichtsratschef Ingolf Deubel (SPD) sowie externe Experten bestens beraten gefühlt, während er sich ums Marketing ("entsprach eher seiner Neigung") kümmerte. Nach dem Plädoyer von Odenthal treffe Kafitz keine strafrechtliche Schuld am Desaster in der Eifel.

    Lippelts Rolle noch zu klären

    Der einst mächtige Mann am Ring und Initiator des Projekts gibt in dem Prozess vor dem Koblenzer Landgericht den Ahnungslosen, der in dem seit 17 Monaten schweigt. Nach den Worten seines Anwalt hat er seine Unterschrift unter Zahlungsanweisungen gesetzt, die Lippelt - teils angeblich in Absprache mit Deubel - vorbereitet hatte. Das gelte auch für mit heutigem Wissen nicht zu rechtfertigende Zahlungen, die in die Hunderttausende gehen. Das Verfahren gegen Lippelt ist wegen Krankheit abgetrennt worden. In seinem späteren Prozess wird zu klären sein, ob er sich für Provisionen stark machte, weil er über die Firma seiner Frau davon profitierte.

    Die Staatsanwaltschaft hat für Kafitz ein Jahr und zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert, zudem eine Geldauflage von 50 000 Euro. Odenthal will die Strafkammer unter Vorsitz von Winfried Hetger milde stimmen. Für das Fiasko habe Kafitz bereits "einen hohen Preis gezahlt". Nach einem zivilrechtlichen Verfahren am Ring, bei dem er eine "nicht unerhebliche Summe" zahlen musste, verfüge er über kein nennenswerten Vermögen mehr. Wegen des Prozesses habe er auch seinen Job am Red Bull Ring in Österreich verloren. Er lebe heute von 1500 Euro Arbeitslosengeld im Monat.

    Ende März hat Deubel bereits seinen Freispruch gefordert. Ihn wollen Ankläger für vier Jahre hinter Gitter schicken. Sie wirft ihm vor, erfolglosen Beratern Hunderttausende an ungerechtfertigten Provisionen zugeschanzt und 12 Millionen Euro Landesvermögen gefährdet zu haben. In ihm sehen die Ankläger den Hauptschuldigen für die 2009 gescheiterte Suche nach einem Privatinvestor.

    Freispruch fordert auch Anwalt Philipp Grassl (Koblenz), Verteidiger des Ex-Controllers, Michael Nuss. Denn der, den Deubel als unglaubwürdigen "Kronzeugen der Staatsanwaltschaft attackiert hat, habe überhaupt keine "Entscheidungsaufgaben" gehabt. Er sei nur stets bemüht gewesen, Vorgaben von Geschäftsführung und Aufsichtsrates umzusetzen.

    "Vorwürfe haarsträubend"

    Die Vorwürfe der Beihilfe zur Untreue gegen den Ex-Förderbankchef Hans-Joachim Metternich halten die Verteidiger Bernd und Thomas Schneider (Koblenz) für unhaltbar. Die ISB (100-prozentige Landestochter) hatte den Hotel-Investor Kai Richter mit 85,5 Millionen an stillen Einlagen gestützt, die über eine Landesbürgerschaft zu 100 Prozent abgesichert waren. Für die Anwälte liegt bei der ISB nur auftragsgemäßes und bei Deubel haushaltsgesetzlich konformes Handeln vor.

    Dies habe die Staatsanwaltschaft bei ihren Vorwürfen völlig verkannt. Es gebe aber "kein Sonderstrafrecht Nürburgring". Der Verteidiger Christian Schubert (Frankfurt) hält auch die Vorwürfe gegen den Geschäftsführer der ISB-Tochter RIM, Roland Wagner, für "an den Haaren herbeizogen". Für Metternich und Wagner ist eine einjährige und neunmonatige Bewährungsstrafe gefordert. Das Urteil soll am 16. April fallen.

    Ring: Sehen sich alle Verurteilten vor Gericht wieder? Deubel-Prozess: Generalbundesanwalt empfiehlt Aufhebung des Urteils – Mildere Strafe möglichWarten auf Urteil: Bringt der Nürburgring Deubel ins Gefängnis? Fall Deubel: Alle legen Revision ein Im Nürgburgringprozess: Anwälte von Deubel und Kafitz haben Revision eingelegtweitere Links
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