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    Berlin/Rheinland-Pfalz

    Mehr Kinder: Platzen Schulen bald aus allen Nähten?

    Die Zahl der Schüler steigt in den nächsten Jahren offenbar weit stärker als bislang angenommen. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wird es bis zum Jahr 2025 aufgrund steigender Geburtenzahl und verstärkter Zuwanderung 8,3 Millionen Schüler an Deutschlands Schulen geben – rund 1,1 Millionen mehr als erwartet. Für Rheinland-Pfalz würde das ausgehend vom Jahr 2016 gut 16.000 Schüler mehr bedeuten. Es drohe ein dramatischer Engpass an Lehrern und Gebäuden, warnte die Stiftung. Die Schulsysteme seien auf den neuen Boom nicht vorbereitet.

    Bislang gingen die Schülerzahlen zurück. Doch nun kündigt sich durch mehr Geburten und Zuwanderung ein Schüler-Boom an. Foto: Adobe Stock
    Bislang gingen die Schülerzahlen zurück. Doch nun kündigt sich durch mehr Geburten und Zuwanderung ein Schüler-Boom an.
    Foto: Adobe Stock

    Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium geht derzeit noch von ganz anderen Zahlen aus. „Unserer aktuellen Vorausberechnung zufolge werden die Schülerzahlen noch bis 2021 weiter zurückgehen und erst dann wieder ansteigen“, teilt das Bildungsministerium in Mainz auf Anfrage mit. Bis 2025 erwartet das Land deshalb einen Rückgang der Schülerzahlen im Vergleich zu 2016 um 3,3 Prozent auf 519.000, bezieht in seine Rechnung allerdings auch die Berufsbildenden Schulen ein, die bei Bertelsmann keine Rolle spielen. Im Jahr 2030 werden dann 523.800 Schüler erwartet.

    Ministerium relativiert Prognose

    Weiter heißt es aus Mainz mit Blick auf die Bertelsmann-Studie: „Wenn man der Studie einen Vorwurf machen kann, dann den, dass sie den Eindruck erweckt, überall in Deutschland wären zukünftig Massen an Schülern zu erwarten. Es wird aber Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern und regionale Unterschiede innerhalb der Länder geben.“

    Während das Land also die Aussagekraft der Bertelsmann-Zahlen zumindest einschränkt, nimmt der deutsche Städte- und Gemeindebund die Prognose „sehr ernst. Wir glauben sogar, dass sie stimmt.“ Das sagte der Präsident des kommunalen Spitzenverbandes, Gerd Landsberg, dem Deutschlandfunk. Viele Städte seien bereits aktiv und berechneten die Schülerzahlen neu. Landsberg sieht aber nicht nur die Kommunen, sondern auch Bund und Länder in der Pflicht. „Auf 34 Milliarden Euro wird der Investitionsrückstand an den Schulen geschätzt. Das sind häufig nicht die Kathedralen der Bildung, sondern eher die Baracken der Bildung. Da muss mehr geschehen.“

    „Viele Bundesländer müssen komplett umdenken“, sagte auch Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Bisher hatten die Bildungsminister der Länder mit einer sogenannten demografischen Rendite gerechnet. Ihre Annahme: Aufgrund sinkender Schülerzahlen entsteht in den Schulen mehr Spielraum für Qualität, wenn man zugleich die Budgets nicht kürzt. Stattdessen kommen laut Studie „erhebliche Investitionen auf die Bundesländer zu, weil Zehntausende Lehrer und Klassenräume fehlen“. Die Forscher kalkulieren für das Jahr 2030 aufgrund des Schüler-Booms mit Bildungsausgaben, die jährlich 4,7 Milliarden Euro höher liegen als heute – also bei knapp 135 Milliarden Euro.

    Zehntausende Lehrer fehlen

    Als erste spüren sollen die steigenden Schülerzahlen die Grundschulen. Laut Bertelsmann-Stiftung fehlen dort im Jahr 2025 gegenüber heute bundesweit 24.110 Lehrer. Neben dem Personalbedarf steige der Raumbedarf. Bis 2025 würden – bei gleichbleibender Schulgröße – fast 2400 Grundschulen mehr benötigt. Tatsächlich haben auch die Grundschulen in Rheinland-Pfalz bereits jetzt steigende Schülerzahlen zu verzeichnen. Laut dem Statistischen Landesamt ist die Zahl der Grundschulkinder von 137.159 im Schuljahr 2013/14 auf 141.851 im Schuljahr 2016/17 gestiegen.

    Entsprechend sieht sich auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in seiner Forderung nach mehr nachhaltigen Investitionen in die Schulen in Rheinland-Pfalz bestätigt. „Die Grundschulen sind schon jetzt unter Druck“, sagte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Bold. Die Politik habe vor allem den Lehrermangel lange unterschätzt. Es gelte, den Lehrerberuf durch bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung wieder attraktiver zu machen. „Dann werden sich auch wieder mehr Abiturienten für den Beruf entscheiden – vor allem auch für die Arbeit in der Grundschule, die die Grundlagen für alles Weitere schafft“, sagte Bold. Vor dem Hintergrund der Bertelsmann-Studie fordert er die Landesregierung zudem auf, mögliche Schließungen kleiner Grundschulen noch einmal zu überdenken. „Als Flächenland muss Rheinland-Pfalz auch die Bildungsversorgung in der Region im Blick haben, anstatt dort – jetzt noch – kleine Schulen schließen zu wollen“, sagte er. Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium lässt derzeit 41 Grundschulen, die unter die gesetzliche Mindestgröße fallen, auf ihre Zukunftsfähigkeit prüfen.

    Von unserer Redakteurin Angela Kauer-Schöneich

    Kommentar: Einige kleine Schulen müssen trotzdem sterben

    Es mutet geradezu abstrus an: Monatelang diskutieren Eltern, Lehrer und Politiker in Rheinland-Pfalz darüber, dass kleine Grundschulen geschlossen werden müssen – unter anderem, weil es zu wenige Schüler gibt. Und jetzt kommen ein paar Forscher der Bertelsmann-Stiftung um die Ecke und behaupten das Gegenteil: Die Schülerzahlen sinken gar nicht mehr. Und wenn das so weitergeht, dann brauchen wir in Deutschland nicht weniger, sondern mehr Grundschulen.

    Angela Kauer
    Angela Kauer

    Angela Kauer-Schöneich zur Debatte über die kleinen Grundschulen

    Bis zum Jahr 2025 rund 2400 mehr um genau zu sein. Bundesweit. Wenn man das auf Rheinland-Pfalz herunterrechnet – was Bertelsmann so nicht tut –, könnten das schon so um die 100 Grundschulen sein.

    Doch hat sich die Grundschuldebatte der vergangenen Monate in Rheinland-Pfalz damit erledigt? Nein. Es lohnt sich, genau hinzusehen: Ja, es stimmt, dass die Schülerzahlen an den Grundschulen gestiegen sind – auch in Rheinland-Pfalz seit 2013 moderat und von 2016 bis 2017 mit einem deutlichen Sprung. Aber sie tun das eben regional sehr unterschiedlich. Und während in Regionen im Umkreis größerer Städte wie etwa im Kreis Trier-Saarburg, im Kreis Mainz-Bingen oder im Kreis Mayen-Koblenz mehr Kinder eingeschult werden, ist das in Kreisen wie Cochem-Zell oder auch Altenkirchen in dem Maße schlicht nicht der Fall.

    Wenn die Bertelsmann-Studie etwas zeigt, dann dass das Land und die Gemeinden noch genauer überlegen müssen, wo welche Kapazitäten gebraucht werden. Am Ende kann das trotzdem heißen, dass einige kleine Schulen sterben müssen, während in boomenden Regionen Schulen ausgebaut werden. Schließlich hilft es den Kindern in Bingen oder im Kreis Neuwied nichts, wenn es 80 oder 100 Kilometer weiter weg eine Schule gibt, die sie noch aufnehmen könnte.

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