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    BerlinMehr Kinder mit Förderbedarf: Geht’s um Geld?

    Die Inklusion an deutschen Schulen schreitet voran, Rheinland-Pfalz liegt dabei allerdings unter dem bundesweiten Schnitt. 41,1 Prozent aller Schüler in Deutschland mit Förderbedarf haben im zu Ende gehenden Schuljahr 2016/2017 eine Regelschule besucht. In Rheinland-Pfalz lag der Anteil mit 31,4 Prozent deutlich unter einem Drittel. Das geht aus Zahlen aller Bundesländer hervor, die unsere Redaktion ausgewertet hat.

    Inklusionsforscher Klaus Klemm
    Inklusionsforscher Klaus Klemm

    Die Quote steige allerdings auch deshalb, weil immer mehr Kindern ein Förderbedarf bescheinigt werde, sagt Bildungsforscher Ulrich Kober von der Bertelsmann-Stiftung. „Die Diagnose Förderbedarf kommt heute nicht mehr einem gesellschaftlichen Todesurteil gleich; sie hat ihren Schrecken verloren“, sagt Kober. Klaus Klemm, Inklusionsforscher aus Essen, glaubt, dass hinter dem Anstieg der Zahl der Schüler mit Förderbedarf auch finanzielle Gründe stecken. „Weil die Länder dadurch mehr Zuschüsse erhalten, besteht auch ein finanzieller Anreiz, einen Förderbedarf zu diagnostizieren.“

    Die sogenannte Inklusionsquote ist bundesweit um 3,4 Prozentpunkte gestiegen. Im Schuljahr 2015/2016 lag sie nach der amtlichen Statistik der Kultusministerkonferenz (KMK), dem Zusammenschluss der Schulministerien der Länder, bei 37,7 Prozent.

    Zwischen den einzelnen Bundesländern zeigen sich allerdings erhebliche Unterschiede. So liegt das Nachbarland Nordrhein-Westfalen mit einer Inklusionsquote von 40,5 Prozent etwa im Durchschnitt. Spitzenreiter in dem Tableau ist Bremen mit einer sehr hohen Quote von 88,9 Prozent, das Schlusslicht ist Hessen. Dort besuchen lediglich 26,8 Prozent der Schüler mit Förderbedarf eine Regelschule.

    Nach der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen soll der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Förderbedarf der Regelfall sein. Menschen mit und ohne Behinderung muss gleichermaßen der Zugang zu allgemeinen Schulen möglich sein, fordert die von Deutschland ratifizierte Konvention. Ziel sei eine Inklusionsquote von 80 bis 90 Prozent, sagt der Sozialverband Deutschlands.

    Die neuen Zahlen sind auch kein Beleg für das Gelingen von Inklusion, sondern lediglich ein Indiz dafür. Der Anteil der inklusiv unterrichteten Schüler sagt nichts über die Qualität der Inklusion aus. Bildungsforscher Ulrich Kober führt die unterschiedlichen Quoten in den Ländern auf unterschiedliche Motivationen der jeweiligen Regierungen zurück. „Es fehlt an politischem Mut, die Vorgaben der Vereinten Nationen stringenter umzusetzen“, sagt Kober. Die Zahlen seien daher auch „nur auf den ersten Blick“ ein Erfolg.

    „Deutschland ist den Zielvorgaben der Vereinten Nationen nicht näher gekommen“, betont der Forscher zugleich. Der Grund hierfür sei vor allem die „Exklusionsquote“. Sie beschreibt den Anteil aller Schüler, die an Förderschulen unterrichtet werden. Für das Schuljahr 2016/2017 liegt diese nach Maßgabe der Zahlen der Bundesländer allerdings bei rund 3,5 Prozent.

    Besonders hoch ist die Inklusionsquote in sämtlichen Stadtstaaten. Im Osten liegt kein Flächenland oberhalb der 50-Prozent-Marke. Besonders niedrig ist der Anteil an Schülern mit Förderbedarf an Regelschulen in Bundesländern mit konservativeren Regierungen. In Bayern liegt die Quote bei 27,4 Prozent, auch in Sachsen ist der Anteil von 32,8 Prozent verglichen mit dem Durchschnitt niedrig.

    Bildungsforscher Kober fordert ein Ende des zweigleisigen Systems mit Förder- und Regelschulen. „Wir leisten uns ein System, mit dem alle unzufrieden sind“, sagt Kober. Die notwendigen Ressourcen für eine vollständige Inklusion seien in den Förderschulen vorhanden. Man müsse diese bloß übernehmen.

    Von unserem Berliner Korrespondenten Henning Rasche

    Rheinland-Pfalz
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