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    Koblenz

    Leises Signal gegen die Not im Land

    Was bedeutet Armut? Das Sozialministerium hat in seinem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht den geltenden EU-Standard gewählt. Demnach gelten Menschen als armutsgefährdet, wenn ihnen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen. Der Grenzwert liegt bei monatlich 787 Euro für einen Ein-Personen-Haushalt und bei 1652 Euro für eine Familie mit zwei Kindern. Besonders betroffen sind laut dem Armutsbericht Alleinerziehende, Familien mit mehreren Kindern und Einwanderer. In Rheinland-Pfalz waren das im Jahr 2008 etwa eine halbe Million Menschen.

    Die Landesregierung hat sich hohe Ziele gesteckt: Sie will diese Armut bekämpfen. Als Beitrag zum „Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung“ organisiert sie deshalb zusammen mit der Liga der Wohlfahrtsverbände und dem Landesverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sogenannte Regionalkonferenzen gegen Armut.

    Zum Auftakt der ersten Veranstaltung in Koblenz geben sich alle Beteiligten kämpferisch: „Es ist an uns, uns zusammenzuschließen und für einen Aufschrei zu sorgen“, sagt Birgit Groß, Fachbereichsleiterin für Sozialpolitik des DGB. Etwa 250 Vertreter von Verbänden, Kommunen, Gewerkschaften und Vereinen sind gekommen. In Workshops diskutieren sie über Armut von Alleinerziehenden, Kindern und Einwanderern, über Löhne, die zu niedrig sind, um davon zu leben, oder über soziale Stadtentwicklung.

    Mittendrin ist Ludwig Geissbauer aus Kastellaun. Der Vorsitzende der Tafeln im Rhein-Hunsrück-Kreis kennt die Gesichter der Armut in der Region: Er berichtet von Müttern, die sich schämen, zur Tafel zu kommen, es dann aber doch tun, weil sie das Geld, das sie für Lebensmittel sparen, dringend brauchen, um ihren Kindern mal einen Schwimmbadbesuch erlauben zu können. Und er weiß, dass es vor allem die Kinder sind, die leiden, wenn die Familie arm ist. „Deshalb ist mir die Frage, wie wir Kinderarmut bekämpfen können, so wichtig“, sagt er.

    Download: Armutsbericht beim Ministerium für Arbeit und Soziales

    In seiner Gruppe wird besonders heftig diskutiert, ob es sinnvoller ist, Familien mit Gutscheinen – zum Beispiel für Schulbücher oder Kleidung – oder einer Grundsicherung von 500 Euro pro Kind zu unterstützen. Richtig entzünden kann sich diese Debatte aber nicht. Der Zeitplan sitzt den Teilnehmern im Nacken, die Abschlussrunde ruft.

    „Es war sehr interessant, zu hören, was die Leute zu sagen hatten“, sagt Geissbauer. Er ist sich aber auch sicher: „Vieles von dem, was hier gesagt wurde, verschwindet wieder.“ Einer der vielen gelben Zettel, die die Teilnehmer zusammentragen, bringt seine und die Unzufriedenheit vieler Besucher dieser Regionalkonferenz auf den Punkt: „Wir wissen alles, aber es passiert nichts!“, steht darauf.

    Was am Ende bleibt ist eine Liste mit Kontaktdaten, in die sich die Teilnehmer eintragen, um sich in Zukunft stärker zu vernetzten. Das Signal, das von dieser ersten Regionalkonferenz gegen Armut ausgeht, ist ein leises. (Angela Kauer)

     


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