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Berlin

Kompass soll Eltern und Lehrer versöhnen

Eine Initiative aus Forschern, Politikern, Lehrern und Eltern will mit einem Leitfaden die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern in Deutschland verbessern. Was in dem Kompass wie selbstverständlich klingt, ist es offenbar nicht überall. Nicht selten geht das zu Lasten der Kinder.

Mark ist zehn Jahre alt und kann weder richtig lesen noch rechnen. Er ist häufig unkonzentriert und manchmal sagt er, dass er sowieso "null Bock" hat auf Schule. Als seine Lehrerin Alarm schlägt, kommt es zum ersten Treffen mit den Eltern. Misstrauisch beäugt man einander, beide Seiten haben wenig Verständnis füreinander. Die Eltern sagen, die Lehrerin sei schuld. Die Lehrerin sieht sich brüskiert. Der Verlierer heißt: Mark.

Solche Kommunikationspannen wie in diesem konstruierten Beispiel gibt es in Deutschland Experten zufolge gar nicht selten zwischen Eltern und Lehrern. Die Pädagogen verzweifeln, weil überengagierte Mütter und Väter ihnen beim Elternsprechtag ins Gewissen reden, ihr Kind würde noch nicht genug gefördert. Oder das andere Extrem: Sie müssen feststellen, dass Kinder von ihren Eltern komplett allein gelassen werden. Niemand interessiert sich für ihre Leistungen, niemand interessiert sich für ihr Versagen. Die Folgen vor allem letzterer Entwicklung dokumentieren Bildungsstudien in Serie: In kaum einem anderen europäischen Land entscheidet die soziale Herkunft so sehr über den Bildungserfolg wie in Deutschland.

Leitfaden soll an 10000 Schulen verschickt werden

Ein hochrangiges Bündnis aus Bildungsforschern, -politikern, Eltern- und Lehrerverbänden will das jetzt mit einfachen Mitteln ändern. Sie haben mit finanzieller Hilfe der Vodafone Stiftung einen Kompass für eine partnerschaftlichere Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus entwickelt, der an 10 000 Schulen in ganz Deutschland verschickt werden soll. Der Leitfaden soll Eltern und Lehrern helfen, besser miteinander ins Gespräch zu kommen. Er besteht im Wesentlichen aus vier Bausteinen:

Eltern willkommen heißen: Klingt schwammig, ist aber nach Überzeugung der Experten leicht umzusetzen. Eltern fühlen sich eingeladen, wenn der Empfangsbereich und das Gelände der Schule freundlich gestaltet sind, wenn es etwa Wegweiser in verschiedenen Sprachen gibt und man sich auch als Besucher leicht zurechtfindet. Außerdem werden verbindliche Willkommensgespräche und -rituale eingeführt. Eltern und Schüler sollen am ersten Schultag von der Schulleitung ausdrücklich begrüßt werden. Als "Willkommensgeschenk" erhalten Eltern Informationen zu Ansprechpartnern, zur Schule, zum Elterncafé und wie sie sich beteiligen können. Bei Elternabenden gibt es Essen und Getränke, die Eltern untereinander sollen ins Gespräch kommen.

Respektvoll und viel miteinander reden: Schule, Eltern und Elternvertreter sind auch ohne einen Anlass wie schlechte Noten oder andere Probleme ständig miteinander im Gespräch. Einzelne Eltern, etwa aus einem bestimmten Stadtteil, werden als "Schlüsselpersonen" gewonnen. Mit ihrer Hilfe sollen alle Eltern regelmäßig über alles Wichtige in der Schule informiert sein. Besonders beim Übergang von einer Bildungseinrichtung in die nächste, etwa nach der Grundschule, werden Eltern mit Informationsveranstaltungen und anderen Gesprächsmöglichkeiten wie einem "Elterncafé" über die Schulformen informiert.

Alle arbeiten zusammen: Eltern, Lehrer und Schüler sollen gemeinsam daran arbeiten, dass es sowohl mit der Bildung als auch mit der Erziehung klappt. Dazu wird geklärt, inwiefern die Eltern etwa in der Lage sind, bei den Hausaufgaben zu helfen oder ob Hilfe aus der Schule benötigt wird. Schulbibliothek, Sportstätten und Computerräume dürfen auch von den Eltern und Familien genutzt werden. Die Schule soll ein Ort sein, der allen zugänglich ist und mit dem sich auch die Eltern identifizieren. Feste, Ausflüge und Wandertage werden gemeinsam mit den Eltern gestaltet.

Mitbestimmen und mitwirken: Die Schule lädt Eltern dazu ein, an der Entwicklung der Schule mitzuwirken. So können etwa gemeinsam "schulische Leitziele" entwickelt werden. Sowohl Lehrer als auch Elternvertreter suchen das Gespräch mit Elternvereinen, Kirchen und Moscheen. Eltern werden darüber informiert, dass sie Mitbestimmungsrechte an der Schule haben.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Stefan Dorgerloh (SPD), Kultusminister von Sachsen-Anhalt, will den Kompass seinen Kollegen in den Bundesländern weiterempfehlen. "Eltern dürfen nicht zu Ersatzlehrkräften werden, aber es muss gelingen, einen verlässlichen Grundton zwischen Schule und Elternschaft zu schaffen", erklärte Dorgerloh. Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Deutscher Philologenverband, Heinz-Peter Meidinger, machte deutlich, dass auch Lehrer ein Interesse an einem Neuanfang haben. Viele von ihnen würden Elternarbeit inzwischen als große Belastung empfinden. Manche hätten regelrecht "Angst vor dem Elternsprechtag".

Von unserer Berliner Korrespondentin Rena Lehmann

Den Leitfaden gibt's unter www.eltern-bildung.net

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