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Maria Laach

Kloster Maria Laach hat keinen Abt mehr: Wiederwahl von Benedikt Müntnich scheiterte

Betroffenheit in Maria Laach, Bestürzung bei den vielen Freunden der Abtei und Mitgefühl mit einem weithin bekannten und geachteten Geistlichen: Benedikt Müntnich ist nicht mehr Abt der Benediktinerabtei Maria Laach – und der Konvent konnte sich nicht auf einen Nachfolger einigen.

Im Benediktinerkloster Maria Laach hängt der Haussegen schief. Die Mönche konnten sich auf keinen Kandidaten für das Amt des Abtes einigen.
Im Benediktinerkloster Maria Laach hängt der Haussegen schief. Die Mönche konnten sich auf keinen Kandidaten für das Amt des Abtes einigen.

Zu dieser Zäsur in der 858-jährigen Geschichte der Abtei kam es, als Abt Benedikt sich am Montag dem Konvent seiner 41 Mitbrüder nach Ablauf seiner ersten Amtszeit von zwölf Jahren zur fälligen Wiederwahl stellte. Nach Informationen unserer Zeitung erhielt er bei zwei Wahlgängen zwar eine Mehrheit, aber nicht den deutlichen Rückhalt der Laacher Mönche. Der 49. Abt in der Geschichte des Klosters – ein durchaus beharrlicher Mensch, aber keine Kämpfernatur – verzichtete daraufhin auf eine weitere Kandidatur. Es folgten bis Dienstag mehrere Wahlgänge, bei denen sich die Brüder aber auch auf keinen anderen Mitbruder als neuen Abt verständigen konnten, obwohl dabei mehrere Brüder vorgeschlagen wurden. Die Atmosphäre bei den Wahlgängen nach Benedikts Verzicht soll quälend gewesen sein.

Am Schluss der vom Abtpräses der Beuroner Benediktinerkongregation, Abt Albert Schmidt, und dem Abt des Klosters Neuburg in Heidelberg, Franziskus Heereman, geleiteten und von Beteiligten als „unendlich“ empfundenen Wahlprozedur verständigten sich die Brüder dann zumindest auf eine Übergangslösung: Der Konvent wählte Pater Albert Sieger (52) für drei Jahre zum Prior-Administrator. Der promovierte Theologe und bisherige Novizenmeister von Maria Laach ist damit Ordensoberer der Abtei mit den gleichen Rechten und Pflichten wie ein Abt. Er trägt aber keine Insignien und erhält keine Abtweihe.

Abt Benedikt leitet den Konvent in Maria Laach. Er trat 1974 in die Ordensgemeinschaft ein.
Abt Benedikt leitet den Konvent in Maria Laach. Er trat 1974 in die Ordensgemeinschaft ein.
Foto: Jens Weber

Über die Gründe der Zerrissenheit im Konvent drang wenig aus dem Kloster hinaus. Der 61-jährige Benedikt Müntnich galt innerhalb wie außerhalb des Klosters als erfolgreicher Abt, der nach seiner Amtsübernahme 2002 mit viel Unterstützung auch aus der Region die Weichen zur unumgänglichen wirtschaftlichen Stabilisierung von Maria Laach stellte. Zudem wurde die Abtei in seiner Amtszeit baulich ertüchtigt. Mehr als sieben Millionen Euro wurden seit 2005 investiert. Jeweils 2,65 Millionen Euro wurden in das Gästehaus und die neue Bibliothek investiert. Jeweils über 700.000 Euro kosteten die Renovierung von Kirchenvorplatz und der Säulenhalle „dem Paradies“ .

Und zumindest nach außen hin wirkte das Kloster auch geistlich kraftvoll aufgestellt. Eine kleinere Gruppe von Mönchen aber soll Benedikt vorgehalten haben, dass er das Kloster zu sehr geöffnet habe. Der Großteil des Konventes ist nun wegen der fatalen Außenwirkung des Wahlausgangs in Sorge – auch wegen der überaus großen Beliebtheit des bisherigen Abts in der Region. Wie generell bei den Benediktinern bei solchen Übergängen üblich, wird Benedikt Müntnich jetzt ein halbes Jahr in einem anderen Kloster leben, damit der Konvent sich neu ordnen kann. Danach wird der einstige Abt aber wieder nach Maria Laach zurückkehren.

Gernot Mittler, Vorsitzender des 1600 Mitglieder starken Vereins „Freunde der Beenediktinerabtei Maria Laach“ hat auf die Ereignisse hinter den Klostermauern reagiert. „Ich bedauere es zutiefst, dass sich das Konvent nicht für eine Wiederwahl von Benedikt Müntnich entschieden hat. Er kann eine stolze 12-jährige Bilanz als Abt vorweisen. Abt Benedikt hat das Ansehen von Maria Laach nach außen gemehrt. Den Freundeskreis und den Abt verband eine hilfreiche und freundschaftliche Zusammenarbeit. Meines Wissens ist es das erste Mal in der 858-jährigen Geschichte des Klosters, dass es ohne Abt dasteht – bezeichnend für die Situation.“Die bischöfliche Pressestelle wollte sich am Mittwoch nicht zum Abstimmungsergebnis in Maria Laach äußern.

Christian Lindner/Uli Adams

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