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Koblenz

Immer mehr regionale Bündnisse für Klimaschutz

Während internationale Klimagipfel zuletzt kaum Erfolge brachten, formieren sich immer mehr regionale Bündnisse für den Klimaschutz in Rheinland-Pfalz. Sie wollen aufklären und vor allem für den Einsatz neuer Energien werben.

Koblenz – Während internationale Klimagipfel zuletzt kaum Erfolge brachten, formieren sich immer mehr regionale Bündnisse für den Klimaschutz in Rheinland-Pfalz. Sie wollen aufklären und vor allem für den Einsatz neuer Energien werben. Kommunale Projekte haben Hochkonjunktur.

Das ländliche geprägte Rheinland-Pfalz gilt nicht als besonders hektisch, doch im Klimaschutz scheint niemand im Land Zeit verlieren zu wollen. Nicht erst seit dem "Minimalkonsens" der Kopenhagener UN-Klimakonferenz 2009 engagieren sich hier viele Menschen im Kampf gegen den Klimawandel vor der eigenen Haustür. Immer mehr Behörden, Verbände oder Kirchen schmieden lokale oder regionale Allianzen. Es geht oft um Aufklärungsarbeit und die Unterstützung von Projekten für den Einsatz erneuerbarer Energien. Kommunales Engagement hat Hochkonjunktur im Klimaschutz.

In Koblenz hat sich auf Initiative des Umweltamts im November 2009 das regionale Klimabündnis Mittelrhein gegründet. Ihm gehören neben Umweltbehörden verschiedener Kommunen und Naturschutzverbänden auch das Umweltnetzwerk der Kirchen und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub an – insgesamt sind es elf Partner. Ihr Anliegen: der Bevölkerung und der Politik das Klimaproblem bewusster machen.

"Klar ist das ein globales Problem, aber man muss lokal handeln", sagt die Bündnis-Koordinatorin und Energiebeauftragte im Koblenzer Umweltamt, Dagmar Körner. "Wo soll man sonst anfangen? Den einzelnen Menschen kannst du nur vor Ort erreichen." Im Februar hat mit der Ausstellung "Klimaschützer in Rheinland-Pfalz", Vorträgen wie etwa zur Errechnung der persönlichen Kohlendioxid-Bilanz oder Film- Vorführungen und Diskussionsrunden die Aufklärungsarbeit begonnen.

Eine gemeinsame Finanzierung im Klimabündnis gibt es noch nicht. "Jeder trägt bislang seinen Anteil, aber wir stehen ja noch am Anfang." Zuletzt bot das Bündnis für Schulen Kino-Sondervorstellungen des deutschen Dokumentarfilms "Die 4. Revolution – Energy Autonomy" an, der sich der Vision einer hundertprozentigen Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen widmet.

Mit einer Vorführung dieses Films hat auch das Klimabündnis Rhein- Ahr-Eifel erst Ende Juni seinen Startschuss gefeiert, knapp 130 Besucher kamen. "Es war so eine tolle Stimmung im Kino, dass ich überzeugt bin, dass wir ganz motiviert an die Aufgaben gehen", sagt Initiatorin Claudia Laux, die zugleich Grünen-Vorstandsmitglied im Kreisverband Ahrweiler ist. "Der Zusammenschluss hat ein Ziel: 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2050 – daran glauben wir."

Bei mehreren Schul-Sondervorstellungen im Kino sollten jeweils Ansprechpartner von den zehn Partnern im Bündnis für Fragen und zur Diskussion bereitstehen. "Als Partei kann man keine Schulklasse ins Kino holen", sagt Laux. Neben den Grünen und der Linken beteiligen sich an dem Bündnis etwa auch das globalisierungskritische Netzwerk Attac oder verschiedene Solartechnikfirmen.

Auch im Klimabündnis Mittelrhein war die Frage diskutiert worden, ob Fraktionen oder Parteien aufgenommen werden sollten. Bisher habe man sich ähnlich wie im Fall von Unternehmen jedoch dagegen entschieden, um unabhängig zu bleiben, sagt Körner. "Wir arbeiten aber schon gerne mit der Politik und der Wirtschaft zusammen."

Für den Klimaschutz engagiert sich auch das Wirtschafts-Netzwerk "Zukunftsinitiative Eifel". Die Mitglieder unterzeichneten 2009 eine länderübergreifende Leitlinie für die Eifel-Region. Darin geht es etwa um die Unterstützung mittelständischer Firmen bei dem Bemühen um Energieeinsparungen. "Das ist aber nur eine Absichtserklärung", stellt Hermann Johann vom "Wald & Holz"-Netzwerk der Initiative klar. Konkrete Maßnahmen würden vor allem in den Landkreisen ergriffen.

So hat sich etwa der Kreis Cochem-Zell 2009 verpflichtet, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 50 Prozent zu verringern. 43 Partner – Kommunen, Verbände, Unternehmen – wollen den Kreis dabei unterstützen. Unter anderem sollen auch die Straßenbeleuchtungen in den Gemeinden auf energiesparende LED-Leuchten umgerüstet werden. Dafür wurde in der Gemeinde Müden nun die erste LED-Musterstraße in Rheinland-Pfalz eingerichtet. Am (heutigen) Dienstag wird sie vorgestellt, sie soll vor allem anderen Bürgermeistern als Anschauungsobjekt dienen.

Im Rhein-Hunsrück-Kreis werden alle Dächer in einem Modellprojekt mit Unterstützung der Banken und des örtlichen Handwerks seit Januar dieses Jahres auf ihre Eignung zur Nutzung für Photovoltaik-Anlagen überprüft und in einem Kataster erfasst. Das soll ihre Nutzung erleichtern und Impulse für die Entwicklung der Solar-Energie geben.

Kürzlich hat die Lokale Agenda 21 in Trier schon zu ihrem zehnten regionalen Klimagipfel eingeladen – trotz Fußball-WM kamen rund 60 Menschen. "Wir waren damit sehr zufrieden", sagt der LA21- Geschäftsführer Zeljko Brkic. Der Verein, dem Firmen, Kammern oder Umweltverbände angehören, berät in Energiefragen, informiert an Schulen und fördert Projekte wie die sogenannten Bürger- Solarkraftwerke. Bereits vier von diesen gemeinschaftlich betriebenen Anlagen sind entstanden. "Wir wollen die Lebensgrundlage für zukünftige Generationen bewahren", sagt Brkic zu den Zielen.

Von Tobias Goerke

- Karte der Null-Emissions-Kreise ( http://dpaq.de/bnwhK)

- ÄKreis Cochem-Zell ( www.cochem-zell.de)

- ÄKlimabündnis Mittelrhein ( www.klimabuendnis-mittelrhein.de)

- Zukunftsinitiative Eifel ( www.zukunftsinitiative-eifel)

- Lokale Agenda 21 Trier e.V. ( www.la21-trier.de)

- Projektgruppe Energie der LA 21 Trier e.V. ( http://dpaq.de/98ltk)

- Umweltministerium ( www.mufv.rlp.de)

- Kommunaler Klimaschutz ( www.kommunaler-klimaschutz.de)

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