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    Dem ländlichen Raum laufen Eltern weg

    Schulen kämpfen um ihr Überleben, Baugrundstücke liegen brach, im Ortskern stehen Häuser leer: Viele Gemeinden in Rheinland-Pfalz kämpfen schon jetzt mit Bevölkerungsrückgang und Überalterung. Die niedrige Geburtenrate wird gern als Auslöser dafür herangezogen, doch eine Studie der Bertelsmann-Stiftung wirft ein neues Licht auf das Problem: Denn nicht nur die Babys werden weniger, sondern auch die möglichen Elternjahrgänge kleiner – vor allem auf dem Land.

    Davon träumen die Bürgermeister: junge Eltern mit Kindern, sesshaft  in ihrer Gemeinde. Sie auf dem Land zu halten, ist aber schwierig. 
    Davon träumen die Bürgermeister: junge Eltern mit Kindern, sesshaft in ihrer Gemeinde. Sie auf dem Land zu halten, ist aber schwierig. 
    Foto: Fotolia

    Rheinland-Pfalz. Schulen kämpfen um ihr Überleben, Baugrundstücke liegen brach, im Ortskern stehen Häuser leer: Viele Gemeinden in Rheinland-Pfalz kämpfen schon jetzt mit Bevölkerungsrückgang und Überalterung. Die niedrige Geburtenrate wird gern als Auslöser dafür herangezogen, doch eine Studie der Bertelsmann-Stiftung wirft ein neues Licht auf das Problem: Denn nicht nur die Babys werden weniger, sondern auch die möglichen Elternjahrgänge kleiner – vor allem auf dem Land.

     

    Ein Landkreis, der besonders stark davon betroffen ist, ist der Rhein-Hunsrück-Kreis: Im Jahr 2025 sollen hier 9,4 Prozent weniger 22- bis 35-Jährige leben als noch 2006, hat die Bertelsmann-Studie ergeben. Um gegenzusteuern, hat das kleine Ellern als erstes Dorf im Kreis bereits 2005 eine Babyprämie eingeführt: 1000 Euro gibt es pro Kind, erzählt Bürgermeister Dietmar Tuldi, der außerdem auf mehr Betreuung und Förderung für Kinder setzt. „Das ist auch ein Marketinginstrument“, weiß er: Ellern wirkt familienfreundlicher, „wer etwas gegen Kinderlärm hat, hat in Ellern schlechte Karten“. Die Geburtenzahl habe sich mittlerweile stabilisiert.

     

    So wie Ellern versuchen viele, mit Prämien für Zugezogene und Neugeborene zu punkten. Die VG Mendig im Kreis Mayen-Koblenz hat vor drei Jahren ein „Begrüßungspaket“ geschnürt, das 100 Euro und die Einladung zu einem Begrüßungsabend mit dem Bürgermeister beinhaltet. Der verantwortliche Büroleiter Michael Korden spricht von „Aufbauarbeit“, einem „Klimawandel“. Junge Leute sollen sich willkommen fühlen. Die Gemeinde Winden im Rhein-Lahn-Kreis bezahlt darüber hinaus einen Zuschuss, wenn eine Familie ein altes Haus im Ortskern kauft. Aber bleibt deshalb jemand im Dorf oder zieht gar dorthin?

     

    „Solche Maßnahmen helfen nur punktuell, sie sind nicht langfristig gedacht“, sagt Carsten Große Starmann von der Bertelsmann-Stiftung. Die Attraktivität des Lebensumfelds ist das eigentlich Entscheidende: Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Bildungsangebote. Bei vielen Gemeinden sieht er ein Defizit: „Hier wird nicht so investiert, wie man es tun sollte.“ Da es sich um einen schleichenden Prozess handelt, sind viele Verantwortliche in den Kommunen noch nicht genügend sensibilisiert. Die andere Seite der Medaille, so Große Starmann: Wer sich heute vorbereitet, wird in zehn Jahren einen großen Vorteil haben.

     

    Eine Gemeinde, in der dieses Prinzip bereits gelebt wird, ist Urbar im Kreis Mayen-Koblenz. Seit 2002 wird hier gezielt in die Infrastruktur investiert: eine neue Grundschule, ein zusätzlicher Kindergarten, zwei Neubaugebiete, Bürgerhaus und Turnhalle mitten im Ort. „Man muss den Leuten schon etwas bieten“, sagt Bürgermeister Karl Josef Kohl – und verweist stolz auf einen „gravierenden“ Anstieg an jungen Bewohnern. In Urbar sind allerdings auch die Ausgangsvoraussetzungen gut: schöne Rheinlage, Stadtnähe und eine gute Verkehrsanbindung.

     

    Schön ist es auch im Kreis Birkenfeld, doch rechnet die Bertelsmann-Stiftung hier mit einem Minus von 10,3 Prozent bei den jungen Erwachsenen. Landrat Axel Redmer ist das Problem bewusst, doch oft kämpft er gegen Windmühlen. „Babyprämien sind völliger Pipifax, deswegen zieht doch keiner her! Wir müssen attraktiver werden, kulturell etwas bieten.“ Doch in den Kommunen „kapieren viele nicht, dass so etwas nötig ist“, gerade um Höherqualifizierte im Kreis zu halten. „Vielen genügt es, die Situation gesund zu beten.“ Redmer weiß, dass das nicht reichen wird.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

    Mögliche Eltern werden rar - vor allem auf dem Land
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