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    Berlin/Rheinland-Pfalz

    Bauernaufstand gegen Hendricks: Plakataktion der Landwirte sorgt für Krach im Kabinett

    Schüttelreime wie „Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt“ sorgen für einen Krach in der Bundesregierung: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) attackiert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die mit einer Plakatkampagne die Landwirte der Lächerlichkeit preisgebe. Auch Bauernverbände reagieren wütend. Was ist geschehen?

    Die Kampagne des Bundesumweltministeriums macht viele Bauern sauer. Einer reimte im Internet zurück: „Geht die Hendricks an die Presse, kriegen die Bauern auf die Fresse.“
    Die Kampagne des Bundesumweltministeriums macht viele Bauern sauer. Einer reimte im Internet zurück: „Geht die Hendricks an die Presse, kriegen die Bauern auf die Fresse.“

    Mit „neuen Bauernregeln“ will Bundesministerin Hendricks auf Plakaten in mehr als 70 Städten, mit Ansichtskarten und über eine Kampagne im Internet ihre Botschaft verbreiten. Doch die Sprüche erbosen Landwirte bundesweit: „Gibt's nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur.“ Und: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“ Oder: „Wenn alles bleibt, so wie es ist, kräht bald kein Hahn mehr auf dem Mist.“

    Bauern- und Winzerverband schaltet Bundesrechnungshof ein

    Was die Bundesministerin unter dem Motto „Gut für die Umwelt“ versteht, empört auch den Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper. Er will den Bundesrechnungshof einschalten. Es sei schließlich „nicht zu akzeptieren, dass Steuergelder für Aktionen eingesetzt und verschwendet werden, die dazu dienen, einen ganzen Berufszweig in den Schmutz zu ziehen“.

    Hendricks will mit den Sprüchen und Karten im Stil alter Stickbilder „für eine naturverträgliche Landwirtschaft und eine Reform der europäischen Agrarförderung“ werben. Mit Reimen wie „Strotzt der Boden vor Nitraten, kann das Wasser arg missraten“ oder „Steh’n im Stall zu viele Kühe, macht die Gülle mächtig Mühe“ will sie dafür eintreten, „dass Landwirte stärker für öffentliche Leistungen wie den Naturschutz bezahlt werden“. Denn: „Landwirtschaft hat nur dann eine Zukunft, wenn sie naturverträglich ist und Artenvielfalt, Klimaschutz und die Gesundheit der Menschen mit berücksichtigt. Wir setzen uns deshalb vehement dafür ein, die EU-Agrarförderung umzubauen.“

    Über ihre Ziele könnte Hendricks mit den Landwirten ja diskutieren. Aber das Gesprächsklima ist vorerst ziemlich vergiftet, wie ein Blick ins Internet zeigt. Empörte Bauern reimen ziemlich deftig zurück oder regieren enttäuscht: „Geht die Hendricks an die Presse, kriegen die Bauern auf die Fresse.“ Sogar von Hetze gegen den Berufsstand ist die Rede.

    Nicht nur Präsident Horper, der in Üttfeld einen Milchviehbetrieb hat, sieht seinen Berufsstand verunglimpft. Der Affront, so meint er, „muss auch in der Bundesregierung ein Nachspiel haben“. Auch der nominierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wie auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) müssten die Bundesministerin stoppen.

    Inzwischen hat sich auch Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt eingeschaltet. Er fordert harsch eine Entschuldigung von seiner Kabinettskollegin. Sie müsse „die Kampagne sofort beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich entschuldigen“. Der gesamte Berufsstand werde undifferenziert an den Pranger gestellt, heißt es in seinem Schreiben. Nach Schmidts Ansicht werden die Landwirte damit der Lächerlichkeit preisgegeben: „Eine vermeintliche Meinungselite aus den Metropolen amüsiert sich hier auf Kosten der Menschen im ländlichen Raum.“

    Bundesweit wird geballte Kritik an Hendricks laut: Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl fordert ihren Rücktritt. „Diese Kampagne ist weder witzig noch intelligent, sie ist schlicht geschmacklos“, wird Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands von „top agrar online“ zitiert. Von „Schmutzkampagne“ ist beim Verband von Schleswig-Holstein die Rede. Es soll auch schon eine Bürgerpetition ans Bundeskanzleramt geplant sein, um in Berlin gegen „staatliches Mobbing des landwirtschaftlichen Berufsstands“ heftig zu protestieren.

    Wird die Kampagne nicht gestoppt, wird sie auch den Mainzer Landtag beschäftigen – vermutlich ebenfalls hitzig: Die Vize der CDU-Landtagsfraktion, Christine Schneider, hat bereits angekündigt, das Thema ins Parlament zu bringen. Die Bundesumweltministerin zeichne mit ihrem Bauernregel-Szenario „ein vollkommen einseitiges und verzerrtes Bild der Wirklichkeit“, wettert Schneider. Die „geschmacklose Kampagne“ spiele konventionelle und ökologische Landwirtschaft gegeneinander aus. Die Landesregierung müsse sich „klar und eindeutig von dieser unsäglichen Kampagne distanzieren“, fordert die CDU-Abgeordnete.

    Bundesumweltministerium versteht Aufregung nicht

    Im Bundesumweltministerium versteht man die Aufregung offenbar nicht – und spielt die Kritik herunter: „Uns geht es nicht darum, einen Berufsstand zu diffamieren“, versichert ein Sprecher. Man wolle lediglich „auf spielerische und humorvolle Art“ auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen, heißt es. Denn es gebe unbestreitbare Fehlentwicklungen – „etwa Vogelsterben und Grundwasserverunreinigung durch Nitrat“.

    Von unserer Chefreporterin Ursula Samary

    Rheinland-Pfalz
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