Archivierter Artikel vom 26.12.2020, 11:30 Uhr
Mainz

Unterschiedliches Tempo: Digitalausstattung der Schulen im Land kommt voran

Notebooks und Tablet-Computer sind für den Fernunterricht nach den Ferien von zentraler Bedeutung. Für ihre Anschaffung gibt es mehrere Förderprogramme. Diese werden bislang ganz unterschiedlich in Anspruch genommen.

Symbolbild
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Foto: picture alliance / Marc Tirl/dpa

Vor Beginn des Fernunterrichts an den rheinland-pfälzischen Schulen am 4. Januar ist die Ausstattung von Schülern und Lehrern mit digitalen Endgeräten besser als beim ersten Lockdown im Frühjahr. Mehr als vier Jahre nach der ersten Ankündigung eines Digitalpakts von Bund und Ländern ist allerdings nur ein Teil der verfügbaren Mittel dafür abgerufen worden. Nahezu vollständig bewilligt sind hingegen die Mittel aus dem Sofortausstattungsprogramm dieses Jahres.

„Wir haben auf allen Ebenen einen Kraftakt unternommen, um die digitale Ausstattung auszubauen“, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig in der letzten Sitzung des Jahres im Fachausschuss des Landtags. „Ja, es bleibt viel zu tun. Und wir wissen: In Deutschland insgesamt hätte es früher anfangen müssen.“ Aber in Rheinland-Pfalz sei in diesem Jahr auch viel auf die Beine gestellt worden und „wir sind einen großen Schritt vorangekommen“.

Über den Digitalpakt Schule hat der Bund Rheinland-Pfalz 241 Millionen Euro zugesagt. Davon waren Mitte Dezember knapp ein Viertel (23 Prozent) beantragt und gut zehn Prozent bewilligt. Tatsächlich abgerufen von den kommunalen Schulträgern waren bis dahin aber nur etwas mehr als 0,1 Prozent – rund 295 000 Euro. Das Land gibt zu den abgerufenen Mitteln mindestens zehn Prozent dazu. Ziel des Programms ist es, dass möglichst viele Schüler von zu Hause aus digital am Unterricht teilnehmen können, wenn der normale Schulbetrieb wegen der Pandemie ausgesetzt werden muss.

Förderfähig sind sechs Bereiche von Investitionen, darunter die WLAN-Abdeckung, Präsentationsgeräte wie interaktive Tafeln und mobile Endgeräte wie Tablet-Computer und Notebooks. Zu den förderfähigen Landesinvestitionen zählen unter anderem der Aufbau und die Weiterentwicklung von Lernplattformen im Netz und Strukturen für die professionelle Administration und Wartung digitaler Systeme.

Als erste Schule in Rheinland-Pfalz erhielt im Dezember 2019 eine Grundschule im Westerwald Geld aus dem Digitalpakt: Der Zuschuss von nahezu 25 000 Euro war für die Vernetzung des Schulgebäudes sowie die Anschaffung von interaktiven Tafeln und digitalen Arbeitsgeräten vorgesehen.

Die auch als Digitalpakt 2 bezeichnete Zusatzvereinbarung für ein Sofortausstattungsprogramm ist nach Angaben des Bildungsministeriums bereits zu 99 Prozent bewilligt. Aus dem Anfang Juli gestarteten Programm erhielt Rheinland-Pfalz 24,1 Millionen Euro, dafür wurde die Anschaffung von mehr als 57 000 Geräten bewilligt. Vor allem Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Familie keinen Zugang zu einem Computer haben, sollen einen Laptop oder Tablet-Computer als Dauerleihgabe erhalten. Die Mittel wurden in Rheinland-Pfalz nach einem Sozialindex auf alle Schulträger verteilt.

Im Frühjahr stellten Land und Schulträger gemeinsam rund 15 000 Geräte, die bereits an den Schulen vorhanden waren, zum Verleih an bedürftige Schülerinnen und Schüler bereit.

Verzögert hat sich nach Angaben des Bildungsministeriums die Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt für Lehrergeräte, so dass diese Mittel des Bundes bis Mitte Dezember auch noch nicht abgerufen werden konnten. Rheinland-Pfalz habe aber mit Landesmitteln bereits 3000 dienstliche Notebooks für Lehrkräfte angeschafft, die aus gesundheitlichen Gründen von zuhause aus unterrichten.

Lange vor dem Digitalpakt gestartet wurde das Landesprogramm „Medienkompetenz macht Schule“, aus dem bislang rund 20 000 Notebooks für Schulen angeschafft wurden. Die Haushaltsmittel für die Digitalisierung der Schulen steigen im kommenden Jahr von 17 auf 21 Millionen Euro.