Archivierter Artikel vom 14.04.2022, 06:00 Uhr

Ukrainisch für Anfänger: Pilotprojekt startet an Volkshochschule in Trier

Liliya Rissling hat für ihre Schüler die ukrainischen Wörter „Laskavo prosimo“ auf die Tafel geschrieben. „Das heißt ,Herzlich willkommen' oder ,Zärtlich bitten wir', wenn man es wörtlich übersetzt“, sagt die Dozentin. Es ist ihre erste Stunde eines Anfängerkurses für Ukrainisch an der Volkshochschule (VHS) Trier, der sich vor allem an Menschen richtet, die geflüchteten Ukrainern helfen wollen. Der Kurs ist landesweit der erste im Verband der insgesamt 63 Volkshochschulen Rheinland-Pfalz.

Herzlich willkommen: Dozentin Liliya Rissling lehrt in einem landesweiten Pilotprojekt Ukrainisch an der Volkshochschule Trier. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die Geflüchteten helfen möchten.
Herzlich willkommen: Dozentin Liliya Rissling lehrt in einem landesweiten Pilotprojekt Ukrainisch an der Volkshochschule Trier. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die Geflüchteten helfen möchten.
Foto: dpa

„Ich will Kultur und Sprache vermitteln“, sagt Rissling (38). Normalerweise unterrichtet die Ukrainerin Englisch und Deutsch als Fremdsprache – doch als jemand für Ukrainisch gesucht wurde, hat sie gleich ja gesagt. „Wenn man den Menschen zeigt, dass man Interesse für ihre Kultur und Sprache hat, und das muss nicht viel sein, dann öffnen sich die Menschen“, sagt sie. Nach dem Kurs sollten ihre Schüler das Wichtigste sagen und verstehen können – und auch die kyrillischen Buchstaben gelernt haben.

Margret (61) aus Trier ist zum Kurs gekommen, weil sie in der Ukraine-Hilfe aktiv werden möchte. „Wo ich gebraucht werde“, sagt sie im Klassenraum. In dem Kurs wolle sie sich sprachliche Grundlagen aneignen und dann bei der Stadt fragen, wo sie sich einbringen könnte. Hiltrud Helten (62) meint, das „Zusammenspiel“ sei ein ganz anderes, wenn man ein bisschen die Sprache des Gegenübers spreche. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Menschen einen ganz anderen Eindruck haben, wenn man sie nur mal begrüßt in ihrer Sprache.“

Projekt auch für andere Volkshochschulen interessant

Das Pilotprojekt an der VHS Trier werde landesweit Schule machen, ist sich die Direktorin des Landesverbandes der Volkshochschulen in Rheinland-Pfalz, Ute Friedrich, sicher. „Wir werden im zweiten Halbjahr da definitiv mehr Kurse haben“, sagt sie in Mainz. Die Volkshochschulen hätten den Bedarf erkannt, Trier sei besonders schnell gewesen. Andernorts müsse man teils noch versierte Kursleiter finden. „Das wird aber kommen. Die Volkshochschulen sind auch hungrig, etwas zu machen“, sagt Friedrich.

Bundesweit gebe es auch schon Ukrainisch-Sprachkurse, unter anderem an der VHS Dortmund, der VHS Erfurt, der VHS Mannheim oder der VHS Region Lüneburg. Auch Angebote der politischen und gesellschaftlichen Bildung zum Russland-Krieg gegen die Ukraine sind entstanden.

„Die Volkshochschulen möchten diesen Menschen eine Heimat geben und es gut machen.“

Ute Friedrich, Direktorin des Landesverbandes der Volkshochschulen in Rheinland-Pfalz

Und was ist mit Deutschkursen für Ukrainerinnen und Ukrainer? Da sei die Nachfrage derzeit „riesig“, sagt die Referentin für Sprachen und Integration im Landesverband, Sina Djemai. Es gebe Geflüchtete, die bereits zwei, drei Tage nach ihrer Ankunft Deutsch lernen wollten. Kurse mit kommunalen Geldern seien „schon längst“ gestartet, die Integrationskurse als Angebot des Bundes folgten zeitnah. „Dann können sehr viele versorgt werden. Wir stehen in den Startlöchern.“ In Bingen beispielsweise lägen bereits um die 60 Anträge für den Besuch solcher Kurse vor, in Kusel seien es ähnlich viele, sagte Djemai. „Wenn alles bewilligt ist, kann es sofort losgehen.“ Es habe bereits erste Zulassungen gegeben, sagt Friedrich.

Große Nachfrage nach Integrationskursen

Der rechtliche Hintergrund sei klar: Ukrainer seien berechtigt, Integrationskurse zu machen. Diese Kurse seien auch wichtig, damit sich Gleichgesinnte treffen und gegenseitig helfen könnten.

Auch an der VHS Trier berichtet Manuela Zeilinger-Trier, Fachbereiche Integration, Kultur, Grundbildung, von einer großen Nachfrage von Ukrainern. Die ersten Anträge für Integrationskurse seien bereits gestellt, sagt sie. Dutzende hätten Interesse bekundet. Platzprobleme gebe es keine. „Wir kriegen sie alle unter.“ Wegen des Wegfalls von Corona-Schutzmaßnahmen gebe es nun wieder mehr Platz in den Räumen.

Der große Andrang von Ukrainern, die Deutsch lernen wollten, sei „eine positive Herausforderung“ für die Volkshochschulen, sagt Friedrich in Mainz. „Dass da Menschen sind, die lernen wollen, ist eine gute Situation.“ Und: „Die Volkshochschulen möchten diesen Menschen eine Heimat geben und es gut machen.“

Der Ansturm auf den Ukrainisch-Kurs in Trier sei derzeit noch nicht so groß, sagt Zeilinger-Trier. Es könnte sein, dass das Angebot noch nicht so bekannt sei. Anlass sei gewesen, dass in der Stadtverwaltung Stimmen laut wurden, man sollte so einen Sprachkurs anbieten. Generell gelte: „Der Kontakt geht schneller, die Menschen fühlen sich stärker willkommen, wenn sie in ihrer Sprache angesprochen werden.“

Unterschiedliche Gründe für Kurs-Teilnahme

Der Speditionskaufmann Stefan Schneider (59) besucht den Ukrainisch-Kurs, weil er die Sprache später beruflich nutzen will. Er war schon öfter in der Ukraine, auch auf Messen. „Ich könnte mir vorstellen, wieder dorthin zu gehen. Es könnte wieder kommen.“ „Schülerin“ Helten hat familiäre Verbindungen zur Ukraine: Ihre Schwiegertochter stammt aus dem Land, lebt aber schon viele Jahre in Trier. Nun sei deren Schwester aus Kiew gekommen.

Dozentin Rissling, die aus der ukrainischen Stadt Winnyzja stammt und seit 2006 in Deutschland lebt, vermittelt gern die Sprache und Kultur der Ukraine. Aber die jetzige Situation sei eine, „die ich mir nicht wünschen würde“. Sie würde sich eigentlich wünschen, dass es gar keinen Bedarf aus diesem Anlass gebe, sagt sie. Sie meint den Krieg. Und hat Tränen in den Augen.

Gottesdienste in ukrainischer Sprache

Angesichts des Krieges in der Ukraine und der vielen Flüchtlinge in Deutschland bieten viele Pfarrgemeinden Gottesdienste für die Menschen aus der Ukraine an. Außerdem werden in den Gemeinden verstärkt Bibeltexte und Gebete in ukrainischer Sprache gesprochen.

Für die aktuelle Situation, in der aus der Ukraine geflüchtete Menschen in katholischen Kirchen Gottesdienste mitfeiern wollen, stellt das Deutsche Liturgische Institut ab sofort Texte in ukrainischer Sprache für die Mitfeier der Messe und insbesondere der Liturgie der Kar- und Ostertage auf seiner Internetseite www.liturgie.de zur Verfügung.

Das Angebot erfolgt in Absprache mit dem Vorsitzenden der Liturgiekommission der Katholischen Ukrainischen Bischofskonferenz, Bischof Jacek Pyl, der auch die kirchliche Erlaubnis für die Veröffentlichung der Texte gegeben hat.

Rheinland-Pfalz
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