Archivierter Artikel vom 23.01.2021, 10:33 Uhr
Mainz

Rekorderlös bei Leseraktion von „Oldtimer Markt“: 600 000 Euro für Kampf gegen Krebs

Mit einem Rekordergebnis ist die traditionelle Leseraktion der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ abgeschlossen worden, die in Zeiten der Pandemie ein besonderes Zeichen des Miteinanders setzt.

Von Volker Boch

Die größte Spendensumme in der Geschichte der Leseraktion konnte Dr. Olaf Theisen (vorn links) in Rüsselsheim an die Kinderkrebsforscher Prof. Dr. Jörg Faber (2. von links) und Prof. Dr. Dietrich Körholz (2. von rechts) übergeben. Jörg Hüsken (rechts) stiftete einen raren Jensen CV 8 als Hauptpreis.
Die größte Spendensumme in der Geschichte der Leseraktion konnte Dr. Olaf Theisen (vorn links) in Rüsselsheim an die Kinderkrebsforscher Prof. Dr. Jörg Faber (2. von links) und Prof. Dr. Dietrich Körholz (2. von rechts) übergeben. Jörg Hüsken (rechts) stiftete einen raren Jensen CV 8 als Hauptpreis.
Foto: Stephan Lindloff

Mit 600.000 Euro wurde nicht nur das bisherige Topresultat des seit mehr als drei Jahrzehnten laufenden Spendenprojekts deutlich übertroffen, sondern vor allem eine wichtige Hilfe für die Kinderkrebsstationen der Unikliniken Mainz und Gießen ermöglicht, die in Zeiten des Coronavirus vor enormen Herausforderungen stehen. „Wir sind sehr dankbar für dieses erhebliche Aufkommen an Spenden und für die große Bereitschaft unserer Leser, die wichtige Arbeit der Kinderkrebsforschung zu unterstützen“, erklärte Dr. Olaf Theisen, Verleger und Geschäftsführer der VF Verlagsgesellschaft, bei der Übergabe der Spenden.

Insgesamt wurden seit Beginn der Spendenaktion rund 9 Millionen Euro für die Kinderkrebsforschung gesammelt. Wie wichtig die Unterstützung gerade in der Gegenwart ist, machte Prof. Dr. Jörg Faber vom Kinder- und Jugendzentrum der Uniklinik Mainz bei der Übergabe im Classic Depot im früheren Opel-Werk in Rüsselsheim deutlich. Faber erläuterte, dass die diesjährigen Spenden zur Stärkung des Forschungsschwerpunktes „Immuntherapie“ verwendet werden. „Hierbei handelt es sich um neue, innovative Behandlungsformen, die das körpereigene Immunsystem nutzen, um eine Krebserkrankung zu bekämpfen. Diese neuen Krebstherapien sollen durch Grundlagenforschung weiter optimiert und in der klinischen Forschung erprobt werden, um kontinuierlich die Heilungsaussichten der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu erhöhen und deren Lebensqualität zu verbessern.“

In der Kinderonkologie wird die Telemedizin weiter ausgebaut

Im vergangenen Jahr wurde im Kinderonkologischen Zentrum der Universitätsmedizin Mainz der Bereich der Telemedizin aufgrund der Pandemiesituation zudem „mit großem Nachdruck weiter ausgebaut“, wie Faber ausführte. Ziel war es, eine exzellente Versorgung auch kontaktfrei zu gewährleisten. „Diese telemedizinischen Maßnahmen beinhalten beispielsweise Telefon- und Videosprechstunden mit ärztlichen, pflegerischen oder psychoonkologischen Mitarbeitern“, erklärte Faber. „Darüber hinaus wurden digitale Angebote für Geschwisterkinder eingerichtet, die aufgrund der strikteren Besuchsregelungen die kinderonkologische Station nicht wie gewohnt besuchen dürfen.“ Letzteres hat bedeutende Funktion für die Familien, die unter den erforderlichen Restriktionen besonders leiden.

Wie Faber erläuterte, sollen auch unabhängig von der weiteren Entwicklung des Coronavirus telemedizinische Strukturen in Zukunft weiter ausgebaut werden. Es geht dabei gerade auch um den Erhalt und die Förderung wichtiger sozialer Kontakte. Für junge Patienten, die einen weiteren Weg zur Klinik haben, werden auf diese Weise auch neue Möglichkeiten erschlossen, aus der Ferne vollumfänglich von der individuellen Beratung und bestmöglicher medizinischer Versorgung zu profitieren. Prof. Dr. Dietrich Körholz vom Pädiatrisch-Onkologischen Zentrum Gießen-Marburg berichtete voller Dankbarkeit für die Hilfe von der Arbeit an der Universitätskinderklinik in Gießen und der dort angesiedelten internationalen Studienzentrale für das Hodgkin-Lymphom. „Die Corona-Pandemie hat zu einem massiven Einbruch der Spenden im vergangenen Jahr geführt“, berichtete Körholz. „Wir hatten sehr große Sorge, unsere laufenden Forschungsprojekte zur Verbesserung der Behandlung krebskranker Kinder und Jugendlicher nicht mehr fortführen zu können.“

Gewinner Klaus Hofmann (am Steuer) freut sich mit Sohn Jan über den aus dem Westerwald gespendeten Mercedes, den Matthias Niewiem (links) als Geschäftsführer der VF Verlagsgesellschaft überreichte. Fotos: Stephan Lindloff
Gewinner Klaus Hofmann (am Steuer) freut sich mit Sohn Jan über den aus dem Westerwald gespendeten Mercedes, den Matthias Niewiem (links) als Geschäftsführer der VF Verlagsgesellschaft überreichte. Fotos: Stephan Lindloff
Foto: Stephan Lindloff

Begeistert reagierte Körholz mit seinem Team auf die Nachricht, dass eine Rekordsumme durch „Oldtimer Markt“ erzielt wurde. Die Forschung zum Lymphdrüsenkrebs im Kindes- und Jugendalter werde so maßgeblich unterstützt. „In den vergangenen Jahren konnten wir durch diese Spenden parallel zu der weltweit größten und von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie zum Hodgkin-Lymphom im Kindes- und Jugendalter eine Reihe wissenschaftlicher Begleitprojekte durchführen. Es werden Laboruntersuchungen zur molekularen Charakterisierung der Erkrankung durchgeführt. Durch den Vergleich der Laborergebnisse mit den Behandlungsdaten aus der genannten Studie ergeben sich viele neue Erkenntnisse“, erklärte Körholz. „Auf dieser Basis werden wir in Zukunft die Behandlung noch stärker als bisher auf das individuelle Risiko der Patienten abstimmen können.“

Wichtiges Ziel neben der Heilung ist es, Langzeitnebenwirkungen von Behandlungen – wie beispielsweise erneute Krebserkrankungen – zu vermeiden. Gerade Strahlentherapien wurden durch diese Forschungsarbeit als risikobehaftet ausgemacht und die Behandlungen entsprechend optimiert.

Eleganter Sportwagen aus einer britischen Edelmanufaktur

Aufgrund der Pandemie wurden die Preise in diesem Jahr einzeln und unter strengen Hygienevorgaben anstatt wie gewohnt in einem kleinen Festakt überreicht. Die Freude der Beschenkten schmälerte dies nicht. Dass er jemals einen Jensen CV 8 steuern werden dürfe, hätte sich Olaf Hülsmann aus Georgsmarienhütte bei Osnabrück schließlich nie träumen lassen. Der elegante Sportwagen aus der kleinen britischen Edelmanufaktur erinnert nicht nur durch seine Linienführung an preisintensive GT-Klassiker aus dem Haus Aston Martin – die beiden Gründer des einstigen Kleinserienherstellers fertigten auch für große Unternehmen wie Volvo oder Austin Healey. Ihr Herz gehörte aber innovativen Sportwagen, die sie selbst entwickelten.

Jörg Hüsken aus Radebeul in Sachsen spendete den aerodynamischen und kraftvollen Sportwagentraum in Dunkelrotmetallic gern als Hauptgewinn für die Aktion. Zum einen, weil er die tiefe innere Freude an Jensen weitergeben möchte und dieses Fahrzeug aus seiner feinen kleinen Privatsammlung zuletzt nicht genug genutzt hatte. Zum anderen war eine Krebserkrankung in seinem engen privaten Umfeld Auslöser für seine großzügige Spende des restaurierten Wagens. „Jetzt war eine schöne Gelegenheit gekommen, um meinen CV 8 für diesen guten Zweck weiterzugeben“, sagte der Unternehmer, „diese Spendenaktion hat mich schon immer begeistert, denn sie ist ein wichtiger Multiplikator für weitere Forschungsgelder.“ Schließlich werden dadurch ergänzende Fördergelder zur Forschung überhaupt erst möglich gemacht.

Der 51 Jahre alte Lehrer Olaf Hülsmann konnte sein Glück über den Hauptgewinn kaum fassen. „Seit vielen Jahren mache ich bei der Leseraktion mit, für mich ging es dabei auch nie in erster Linie darum, etwas zu gewinnen.“ Der Jensen Baujahr 1964 verschlug ihm dann schon die Sprache: „Das ist eine echte Rarität. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, damit zu fahren, es ist ein echtes Schmuckstück.“ Gregor Schulz aus der Redaktion von „Oldtimer Markt“, ergänzte: „Es ist das teuerste Auto, das wir je verlosen durften.“

Mit großer Freude nahmen die Gewinner aller sieben Fahrzeuge ihre „Schätzchen“ entgegen, darunter ein feiner Mercedes eines Lesers aus dem Westerwald, der den stets von seiner Frau gefahrenen und gehegten Wagen gern für den guten Zweck bereitstellte. Auch ein historischer Traktor wurde aus dem Westerwald gestiftet. Der Schlepper stand bei der Übergabe genauso im Rampenlicht wie der Jensen CV 8 – und der Kampf gegen den Krebs. Volker Boch