Archivierter Artikel vom 03.05.2020, 18:12 Uhr
Mainz

Neue Hoffnung für den Raubwürger: Naturschutzprogramme im Land zeigen Erfolg

Hoffnungsschimmer für eine in Rheinland-Pfalz vom Aussterben bedrohte Vogelart: Zwei Biologiestudenten haben den einst häufigen Raubwürger auf einer Streuobstwiese bei Boppard gesichtet. Diese Fläche wird im Landesartenschutzprogramm der „Aktion Grün“ gefördert. „Damit werden jetzt positive Effekte des 2015 gestarteten Programms sichtbar“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne). „Auf drei weiteren Flächen haben wir solche positiven Ergebnisse gesehen“, fügt die Ministerin hinzu und nennt die Heuschreckenart der Steppen-Sattelschrecke, die Gelbbauchunke auf dem Gelände eines ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Koblenz und die Smaragdeidechse im Tauberbachtal.

Der Raubwürger war früher in Rheinland-Pfalz weit verbreitet. Nun scheint er sich langsam wieder wohlzufühlen.  Foto: dpa
Der Raubwürger war früher in Rheinland-Pfalz weit verbreitet. Nun scheint er sich langsam wieder wohlzufühlen.
Foto: dpa

„Die Art ist in Rheinland-Pfalz extrem selten geworden“, sagt Marc Schendzielorz, der die Vogelbestände im Naturschutzgebiet „Hintere Dick“ zusammen mit Marian Sarpkan im vergangenen Jahr für ein Forschungspraktikum der Universität Koblenz untersucht hat. Damals war der Raubwürger (Lanius excubitor) noch nicht da. „Wir haben uns sehr gefreut, als wir ihn gesehen haben.“ Zu den gezielten Maßnahmen in der „Hinteren Dick“ gehören die Freistellung von Gehölzen und ihre anschließende Beweidung.

„Die Sichtung bedeutet, dass der Raubwürger sich hier wohlfühlt“, erklärt der Vogelkundler Schendzielorz. „Mit dem Wechsel von gehölzlosen Flächen, niedrigen Büschen und hohen Bäumen ist das genau die Landschaft, die der Raubwürger braucht.“ Schon bei der Bestandserfassung im vergangenen Jahr habe er an diese Art gedacht, zumal dabei der mit dem Raubwürger verwandte Rotrückenwürger oder Neuntöter (Lanius collurio) mit mindestens fünf Brutpaaren festgestellt werden konnte.

Sein Auge für diese Vogelgattung konnte Schendzielorz zuletzt bei einer Exkursion im rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda schulen – „dort haben wir sechs verschiedene Würgerarten gesehen, die alle ein ähnliches Verhalten zeigten wie unsere heimischen Arten“.

In der „Hinteren Dick“ konnten bislang 73 Vogelarten registriert werden – das Gebiet ist damit artenreicher als ein reines Waldgebiet mit durchschnittlich 35 bis 40 Vogelarten. „Für mich persönlich ist es das Schönste zu sehen, wie viele Arten nebeneinander in einem Gebiet leben können“, sagt Schendzielorz. Bisher hat er den Raubwürger dort nur allein gesehen, aber er hofft, dass sich noch ein passender Partner findet und es so zur Bildung eines neuen Brutplatzes kommen könnte.

„Ich bin eher skeptisch, dass dort eine Brut stattfinden wird“, sagt der Vogelexperte Christian Dietzen. Zuletzt waren in der Osteifel noch fünf Brutpaare des Raubwürgers registriert worden. „Wir machen uns große Sorgen um die Erhaltung der Art in Rheinland-Pfalz“, sagt Dietzen. Bei einer derart kleinen Population sei es fraglich, ob die Art hier dauerhaft erhalten bleibe.

Dabei war der Raubwürger im ausgehenden 19. Jahrhundert „auf dem gesamten Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz in unterschiedlicher Siedlungsdichte weit verbreitet“, heißt es in der von Dietzen als Hauptautor mitverfassten „Vogelwelt von Rheinland-Pfalz“. Für das Jahr 1962 gab es noch eine Schätzung von 500 bis 700 Brutpaaren.

Dietzen hofft, dass ein Teil der in den Stürmen zu Beginn des Jahres entstandenen Kahlschlagflächen nicht wieder aufgeforstet werden, sondern mit gezielten Maßnahmen als offene Wiesenflächen gestaltet werden können. So könnten neue Biotope für darauf angewiesene Arten entstehen. Umweltministerin Höfken zeigt sich offen dafür: „Sicher können wir einige Flächen finden, die dafür geeignet wären.“

Tausende tote Meisen

Eine Krankheit bedroht derzeit die Blaumeisen in Deutschland: Beim Naturschutzbund (Nabu) gingen bundesweit bis zum 22. April innerhalb von nur zwölf Tagen Meldungen zu etwa 26.000 toten Tieren ein. Als Erreger wurde das Bakterium Suttonella ornithocola ermittelt, das erst seit 1996 bekannt ist.

In Rheinland-Pfalz gab es bis zum 26. April mindestens 1689 Meldungen, teilte ein Referent des Nabu mit. Die meisten stammen aus den Kreisen Birkenfeld, Rhein-Hunsrück, Cochem-Zell, Rhein-Lahn, Altenkirchen und dem Westerwaldkreis. Der Nabu empfiehlt, in diesen Regionen die Fütterung und den Betrieb von Vogeltränken einzustellen, da sich die Krankheit an Orten mit der Begegnung vieler Vögel leichter ausbreiten könne. Der Vogelkundler Christian Dietzen sagt, bei Meisen könnten alle paar Jahre wieder Krankheiten zu vorübergehenden Bestandseinbrüchen führen, die meist aber schnell wieder ausgeglichen werden könnten. Der Erreger sei für Menschen und Haustiere ungefährlich, erklärte der Nabu-Referent.
Rheinland-Pfalz
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