Archivierter Artikel vom 31.10.2016, 18:20 Uhr
Mittelrhein

Meistgeklickte Texte auf burgenblogger.de: Was sich tatsächlich tut im Mittelrheintal [mit Video und Fotos]

Rausgehen, sich an die Orte der Probleme bewegen, mit den Menschen sprechen: Im vergangenen halben Jahr hat Burgenblogger Moritz Meyer die Topthemen des Mittelrheintals auf den Punkt gebracht. Zeit fürs Fazit nach seinem Ausstand, mit zwei Dutzend Akteuren. – Urteilen auch Sie: anhand der Statistik seiner zehn meistgeklickten Texte.

Von Marcus Schwarze

Jetzt hat ihn die Familie wieder: Burgenblogger Moritz Meyer (35) mit seiner Frau Anna Pfau (35) und den Kindern Hannah (6) und Karl (3). Ein halbes Jahr lebte Meyer auf Burg Sooneck und der Festung Ehrenbreitstein, um über das Tal zu berichten. Zu seinem Ausstand kamen viele Weggefährten, darunter ...

Sascha Ditscher

... Gerd Kesten: Er leitet als „Zugezogener“ den Kesterter Heimatverein. Darum, so sagte er schmunzelnd, darf er manches hinterfragen. Der Kirschsorte “Kesterter Schwarze„ verhalf er zur Wiederbelebung. Die Geschichte auf burgenblogger.de. Darunter auch ...

Sascha Ditscher

... Sandra Bruns. Sie gibt dem Mittelrheintal im Fotonetzwerk Instagram unter anderem mit dem Konto “rhinestagram„ ein Gesicht. 4400 Fans folgen ihr dort. Die Geschichte auf burgenblogger.de. Ebenso zählten zu den Gästen des Burgenbloggers ...

Sascha Ditscher

... Kristina und Christos Theodoropoulos. Die beiden übernahmen am Mittelrhein ein Weingut, machen nun manches anders. Da spielt ein DJ schon mal beim “Grillen, Chillen, Weine killen„. Die Geschichte auf burgenblogger.de

Sascha Ditscher

Claus Hoffmann von der Koblenz-Touristik, mit Ruth Spiekermann, sagt: “Das Burgenblogger-Projekt war eine innovative Art und Weise, mit Historie umzugehen und die neuen Medien zu nutzen.„ Mehr über die Koblenz-Touristik auf burgenblogger.de

Sascha Ditscher

Tanja Paschek hilft beim Betreuen von Flüchtlingen in St. Goar und Oberwesel. “Wir helfen bei der Schulanmeldung, Arztbegleitung, Behördengängen.„ Die Flüchtlingshilfe mit etwa 20 Helfern gibt auch ehrenamtlich Deutsch-Unterricht oder mal einen Nähkurs. Dazu wurde ein kleines Flüchtlingscafé eingerichtet. Zum Bericht auf burgenblogger.de

Kevin Kalfels vom Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz schätzt den Burgenblogger als Ideengeber. Ihm hat besonders der Beitrag über die Kanutour gefallen. „Er war ein objektiver Betrachter, der subjektiv erzählt hat, wie es wirklich war.“ Zum Bericht auf burgenblogger.de

Nadya König-Lehrmann, Welterbemanagerin des Zweckverbands Welterbe, beklagte am Rande des Sektempfangs für den Burgenblogger die aus ihrer Sicht „schleppende Berichterstattung“ über die Themen des Mittelrheintals und forderte, die Lücke beim Austausch in der Region zu schließen.

Jana Gräf will in Niederheimbach einen Einkaufsdienst für Ältere schaffen. “Der nächste Einkaufsmarkt ist elf Kilometer entfernt„, sagt sie.

Sascha Ditscher

Reichlich verschnauft stand manch einer auf der Burg Sterrenberg auf dem obersten Plateau, hatte nach beschwerlichen Treppenstufen, einer halsbrecherisch erscheinenden Zugangskonstruktion neben der zurzeit gesperrten Holzbrücke zur Burg und schließlich einer kopfgefährlichen Wendeltreppe die oberste Etage des Mittelrheintals über Kamb-Bornhofen erklommen. Die Erlösung! Die Gruppe von etwa zwei Dutzend Gästen erhaschte durch die Zinnen dort oben wunderbare Blicke aufs Mittelrheintal. Der nahende Sonnenuntergang tauchte Wälder und Flora in herbstliches Gelb und vergehendes Rot. Einfach schön.

Blick auf Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein aus der Luft.
Blick auf Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein aus der Luft.
Foto: Jennifer de Luca

Und dann eilte ein IC durchs Tal. Der Bahnlärm schepperte auch hier nach oben. Ein Teilnehmer fragte ernsthaft nach WLAN – natürlich Fehlanzeige. Ein Sektglas ging zu Bruch. Und was passiert jetzt eigentlich mit der Rheinquerung, über die alle reden? „Um 16 Uhr geht ein neuer Blogbeitrag online. Julia Klöckner hat mir gesagt, wenn man will, schafft man die Brücke in zehn Jahren‘“, sagte Moritz Meyer trocken.

Zack, so geht ein kleiner weiterer Schritt bei der öffentlichen Meinungsbildung: Die CDU-Politikerin, immerhin Oppositionsführerin im Landtag von Rheinland-Pfalz, hat da mal eben über den Blog von Meyer aus dem „Ja, aber“ eines Landrats ein „Ja, aber bestimmt“ gemacht. Und dem Vorhaben sogar eine Frist gesetzt. Am nächsten Tag steht die Kurzfassung des Interviews von www.burgenblogger.de auf der Titelseite der Rhein-Zeitung.

Ja, der Blog hat sich etabliert.

Die meistgeklickten Texte des Burgenbloggers 2016

  1. TalToTal abgesagt nach Unwettern – das sind die Gründe
  2. Schafft den Titel „Weinkönigin“ ab! – Ein Rant über eine veraltete Institution
  3. Das Geheim-Parkhaus von Oberwesel – Eine Facebook-Diskussion und ihre Geschichte
  4. Der Flutmontag von Oberheimbach – Protokoll einer Dorfkatastrophe
  5. Die Anti-Loreley – Erste Eindrücke von Maria Ruh
  6. Eugen sucht eine Frau. Oder: Die Geschichte einer schwimmenden Kontaktanzeige
  7. Ganz chillig hier – Meine ersten Eindrücke von Rüdesheim bei Tag
  8. Biergarten geöffnet. Nicht. – Erste Eindrücke von der Loreley
  9. Lichte Reihen, lichtes Haar: Meine Eindrücke von der Demo gegen Bahnlärm in Koblenz
  10. Krachlederner Erfolg: Mittelrhein setzt auch bei Souvenirs auf seine Hopfentradition

Es tut sich was im Mittelrheintal. Kleine Schritte sind es. Jeder der Gäste des Burgenbloggers bei diesem Sektempfang kann hierzu eine kleine Geschichte erzählen. „Wir wollen einen Einkaufsdienst für Ältere schaffen. Der nächste Einkaufsmarkt ist elf Kilometer entfernt“, sagt Jana Gräf, Mitglied im Niederheimbacher Gemeinderat. „Wir helfen bei der Schulanmeldung, Arztbegleitung, Behördengängen“, sagt Tanja Paschek von der Flüchtlingshilfe St. Goar-Obwesel. „Das ist nicht das wichtigste Thema, aber die Kesterner Schwarze wird wieder häufiger nachgefragt“, sagt Gerd Kesten, nachdem er als „Zugereister“, einheimisch Gewordener die besondere Zucht der Schwarzen Kirsche allen voran beworben hat.

In der Spitze bis zu 1900 Aufrufe an einem Tag zählte Burgenblogger Moritz Meyer im Blog, an normalen Tagen waren es durchschnittlich 300. Monatlich kamen 5000 bis 8000 Nutzer auf seine Seiten.

Sascha Ditscher

Journalismus verändert sich: RZ-Redakteurin Jennifer de Luca interviewte den Burgenblogger mit minimaler Ausstattung – einem iPhone auf einem Selfiestick. Auch für Moritz Meyer zählt das Smartphone neben dem Laptop zu den wichtigsten Arbeitsgeräten, um Fotos und Kurzvideos aufzunehmen, zu facebooken, zu snapchatten und zu twittern.

Sascha Ditscher

Vor farbenprächtiger herbstlicher Mauer: Burgenblogger Moritz Meyer hatte seine wichtigsten Informanten, Helfer und Akteure vom Mittelrheintal eingeladen, um sich zu verabschieden.

Sascha Ditscher

Die Menschen draußen waren für Burgenblogger Meyer die wichtigste Qelle für seine Geschichten. Veröffentlicht wurden sie nicht nur auf www.burgenblogger.de. Bei Facebook, Instagram, Twitter und Snapchat war Meyer aktiv (Link zu privater Seite Meyers; der Burgenblogger auf Snapchat ist über die Snapchat-App aufrufbar), auf Instagram auch mit Storys (die sind nur mit der Instagram-App abrufbar) und bei Facebook auch mit Live-Videos.

Abschied feiern im Mittelrheintal: Auch aus der Luft machte die Burg Sterrenberg an diesem wunderschönen Tag eine gute Figur. Im Hintergrund: Die Burg Liebenstein.

Jennifer de Luca

Das bunte Herbstlaub macht die Burgen am Rhein zu dieser Jahreszeit noch attraktiver.

Jennifer de Luca

Seelenruhig schlängelt sich der Rhein am kulturellen Erbe vorbei...

Jennifer de Luca

Fast 40-mal musste der Burgenblogger die Fähre nehmen, um über den idyllischen Rhein zu gelangen. Dass eine Mittelrheinbrücke daran viel ändern würde, ist allerdings nicht ausgemacht, kommentierte Meyer.

Sascha Ditscher

Plausch auf Burg Sterrenberg: “Als Ein-Mann-Unternehmen ohne Redaktion hat der Burgenblogger im Tal große Akzeptanz gefunden„, sagte Rainer Zeimentz (Zweiter von rechts) von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz über die Arbeit des Kölner Journalisten. Neben der Agentur, die das Honorar für den Burgenblogger bezahlt, sind die Generaldirektion Kulturelles Erbe (als Vermieterin) und die Rhein-Zeitung (als technischer Dienstleister und inhaltlicher Ratgeber) Projektpartner des Burgenblogger-Projekts.

Kleiner Scoop am Schluss: Julia Klöckner, Landesvorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz, besuchte den Burgenblogger, nachdem er sich öffentlich überrascht gezeigt hatte, dass er mit der Politikerin in einer Frage einig sei: Fürs Amt der Deutschen Weinkönigin müsste sich in Zukunft einiges ändern. Das nutzte der Burgenblogger für ein Interview, in dem sich Klöckner für die Mittelrheinbrücke stark machte: „Wenn man will, kriegt man das in zehn Jahren hin.“

Sascha Ditscher

Kleine Geschenke zum Abschied – als Erinnerung an die Zeit im Mittelrheintal.

Marcus Schwarze

Da kann man schon mal romantisch einen Abschied des Burgenbloggers feiern: Auf Burg Sterrenberg oberhalb von Kamp-Bornhofen lädt ein kleines Restaurant zum Besuch ein. In seiner Mitte steht der quadratische, weiß verputzte Bergfried auf steilem Schiefersockel. Dort gibt es eine kleine Dauerausstellung zur Geschichte der Burg. Die erste gesicherte Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1190.

Marcus Schwarze

An dem Flussabschnitt des Rheins zwischen der Mündung der Nahe bei Bingen und derjenigen der Sieg gegenüber von Bonn leben rund 450.000 Menschen. Das Obere Mittelrheintal reicht von Bingen bis Koblenz und ist 67 Kilometer lang. Es ist mit seinen fast 50 Gemeinden seit 2002 Weltkulturerbe.

Sascha Ditscher

Diese und viele weitere Menschen sind es, die Burgenblogger Meyer aufgespürt und deren Geschichten er im vergangenen halben Jahr erzählt hat. Das tat er unaufgeregt, sicher, herantastend, insbesondere über neue Akteure in den digitalen Medien.

  • Da ist etwa Sandra Bruns, die mit dem Hashtag (und parallel einem gleichlautenden Account) #rhinestagram dem Mittelrheintal auf der Fotoplattform Instagram ein Gesicht gegeben hat.
  • Da ist zum Beispiel Nadya König-Lehrmann, die als Welterbemanagerin des Zweckverbands Welterbe die aus ihrer Sicht schleppende Berichterstattung beklagt und am Rande des Sektempfangs für den Burgenblogger fordert, die Lücke beim Austausch in der Region zu schließen.
  • Und da ist Claus Hoffmann von der Koblenz-Touristik, der sagt: “Das Burgenblogger-Projekt war eine innovative Art und Weise, mit Historie umzugehen und die neuen Medien zu nutzen. Es hat für künftige Arbeiten Pioniercharakter.„

Auch RZ-Chefredakteur Christian Lindner lobt: „Sie haben einen beeindruckenden Job gemacht, das Tal belebt, Maßstäbe als Burgenblogger gesetzt.“

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Der Sorge um manche verstaubt erscheinende Darstellungen der Tourismusattraktionen im Tal versucht die Landesregierung von Rheinland-Pfalz mit einer Bewerbung auf die Bundesgartenschau 2031 zu begegnen. Auch hier sprach der Burgenblogger mit, moderierte etwa eine Podiumsdiskussion mit mehr als 100 Besuchern.

Bereits im Vorjahr hatte die Journalistin Jessica Schober den Blog begründet und mit einem Interview mit dem damaligen Kulturstaatssekretär Walter Schumacher für erstes Aufsehen gesorgt. Seine Äußerungen über manche „Siff“-Erscheinungen in der Region wurden Thema in Leserbriefspalten ebenso wie im Fernsehen und sogar im Landtag von Rheinland-Pfalz. Auch wenn das Projekt 2015 nicht ganz bis zum geplanten Schluss durchgehalten werden konnte, war doch ein starker Pflock gesetzt, auch durch die bundesweite Resonanz. In einer von ihr gegründeten Facebook-Gruppe „Du weißt Du kommst vom Mittelrhein“ diskutieren noch heute intensiv die Menschen über das Leben und Fortkommen am Mittelrhein – zuletzt gab es 3200 Leser.

„Was 2016 gelungen ist, ist eine hohe Akzeptanz für den Burgenblogger“, sagte Rainer Zeimentz von der Entwicklungsagentur. Das Tal hatte bisher nach seinen Worten kein gemeinsames Medium, die Medienlandschaft sei dort „zersplittert“, zwischen Rhein-Zeitung, Allgemeiner Zeitung und gelegentlicher Berichterstattung durch den SWR. Kommunal hat der Blog nach seinen Worten rund 50 Orte erreicht. „Das würden wir gerne weitermachen, aber die Frage ist, wie können wir das weiterentwickeln?“ Thomas Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe dankte Meyer dafür, dass er den Akteuren im Tal „etwas zurückgegeben“ hat.

Das Fernsehen und die anderen Medien: Der SWR nahm, ebenso wie die „Allgemeine Zeitung“ in Mainz und einige überregionale Medien, den Burgenblogger nicht nur wahr, sondern auch ernst. Diese Medien berichteten beispielsweise hier (SWR), hier (SWR), hier (Welt) und hier (AZ).

Zur Zukunft des Burgenblogger-Projekts

2017 soll es mit dem Burgenblogger weitergehen. Die Suche nach einem Nachfolger fürs nächste Jahr läuft bei den Projektpartnern, der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, der Generaldirektion Kulturelles Erbe und der Rhein-Zeitung.

Gesucht wird nach einer Person mit journalistischen Kenntnissen und beiden Beinen im Leben – und mit der Fähigkeit, ein halbes Jahr durchaus manchmal einsam auf Burg Sooneck und in der Festung Ehrenbreitstein zu leben. Digitale Fertigkeiten auf allen relevanten Kanälen sind dabei Pflicht. Weitere Auskünfte gibt Moritz Meyer unter der E-Mail-Adresse moritz@burgenblogger.de.

Von unserem Digitalchef Marcus Schwarze