Archivierter Artikel vom 22.01.2018, 18:08 Uhr
Mainz

Historische Fahrzeuge verlost: Oldtimer-Freunde sind eine Stütze im Kampf gegen Krebs

Einen wesentlichen Beitrag zur Arbeit der Kinderkrebsstationen der Unikliniken Mainz und Gießen im Kampf gegen die tückische Krankheit und deren Folgen leistet die VF Verlagsgesellschaft in Mainz. Verleger und Geschäftsführer Dr. Olaf Theisen überreichte im Rahmen einer Spendenaktion der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ jetzt einen Scheck über 370.000 Euro.

Ein schöner Tag nicht nur für Oldtimer-Freunde: Dr. Olaf Theisen (vorn rechts) gratuliert im Namen der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ allen Gewinnern der Leseraktion und überreicht einen Scheck über 370.000 Euro.  Fotos: Werner Dupuis
Ein schöner Tag nicht nur für Oldtimer-Freunde: Dr. Olaf Theisen (vorn rechts) gratuliert im Namen der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ allen Gewinnern der Leseraktion und überreicht einen Scheck über 370.000 Euro. Fotos: Werner Dupuis
Foto: Werner Dupuis
„Für unsere Arbeit ist dieses Geld existenziell“, sagte Prof Dr. Dietrich Körholz von der Uniklinik Gießen anlässlich der Preis- und Spendenübergabe im Verlagsgebäude in Mainz. Die Spende trägt, wie sein Mainzer Kollege Prof. Dr. Jörg Faber bei dem traditionellen jährlichen Bericht der renommierten Professoren ausführte, wesentlich zur „Verbesserung der Heilungschancen von Kindern mit Krebs“ bei.

Die Freude der Mediziner teilte bei der Übergabe der Spenden insbesondere Jürgen Völker aus Gangelt bei Geilenkirchen. Der Oldtimer-Freund aus Nordrhein-Westfalen hatte sich wie viele andere Leser des Magazins mit einer Spende von mindestens 5 Euro an der Verlosung beteiligt, bei der es hochwertige historische Fahrzeuge zu gewinnen gibt, die wiederum von Lesern der Zeitschrift zu diesem Zweck gespendet wurden. Anhänger klassischer Wagen können sich auf diese Weise einen Traum erfüllen – und Patienten helfen, die an Krebs erkrankt sind.

Völker konnte sein Glück kaum fassen, als er im Hof des Verlagsgebäudes seinen restaurierten RO 80 in Augenschein nahm. Ein Fotobuch, das er ebenso erhielt, berichtet, welche Geschichte hinter dem azurblauen Wagen steckt, der 1974 von den NSU Motorenwerken gebaut wurde. „Das Auto stand 30 Jahre lang in einer Tiefgarage“, erzählte Ronald Werner vom NSU RO 80 Club aus Liederbach, „er war restlos nass und total verrostet.“ Der Wagen musste vollständig aufgearbeitet werden. „Jede Schraube hat sich gewehrt“, sagte Werner. Monatelang haben fünf begeisterte RO-Freunde restauriert, bevor sie den Wagen für die Aktion der VF Verlagsgesellschaft spendeten. „980 Arbeitsstunden stecken im Auto“, erklärte Werner.

Ein Traum in Blau: Jürgen Völker (rechts) nimmt seinen RO 80 in Empfang, den der NSU RO 80 Club um Vorsitzenden Ronald Werner (links) restauriert hat.
Ein Traum in Blau: Jürgen Völker (rechts) nimmt seinen RO 80 in Empfang, den der NSU RO 80 Club um Vorsitzenden Ronald Werner (links) restauriert hat.
Foto: Werner Dupuis
„Ich kann noch gar nicht glauben, dass ich den Wagen wirklich gewonnen habe“, jubelte Völker bei der Preisverleihung. Die zeitlose Klassik des tadellos restaurierten Fahrzeugs strahlte den Gewinner genauso an wie ein MG B-Cabrio aus dem Jahr 1976, ein originaler Opel Kadett von 1982, eine 1973 gebaute Yamaha DS 7, eine 1985er BMW R 80 RT sowie ein 23 Jahre alter Suzuki Swift die weiteren Sieger. Ein besonderes Erlebnis erwartet den Gewinner eines von der „Mercedes Benz Classic“ ausgelobten Beifahrerplatzes bei der legendären Mille Miglia.

Bereits seit 27 Jahren gibt es die Spendenaktion der VF Verlagsgesellschaft, die inzwischen fast 8 Millionen Euro eingebracht hat. „370.0000 Euro ist kein neuer Rekord, aber eine Summe, mit der sich im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten lässt“, erklärte Dr. Olaf Theisen, dessen Haus von Beginn an sehr gezielt Forschung und Therapie der Unikliniken in Mainz und Gießen unterstützt.

Für Prof. Dr. Dietrich Körholz von der Uniklinik Gießen ist diese Spende ein wesentlicher Grundstock, um bei Institutionen wie der Deutschen Krebsgesellschaft oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft weitere Drittmittel zu beantragen und damit das Budget für Forschungsarbeiten zu erhöhen. Die Spenden sind der entscheidende Schlüssel, um bedeutende Projekte initiieren zu können. „Ohne Spendengelder könnten wir in der Kinderonkologie keine Forschung machen“, sagte Körholz. Die Gelder verbessern damit nachhaltig Heilungschancen.

Körholz schilderte, wie die hohen Spendengelder der Aktion bereits in den vergangenen Jahren vielen Kindern unmittelbar geholfen haben. So konnte ein europaweiter Datenaustausch aufgebaut werden, der hinsichtlich Therapieansätzen und Heilungschancen deutliche Verbesserungen bringt. Von Gießen aus wird so ein europaweiter Datentransfer gesteuert, der zum einen dem fachlichen Austausch der Experten dient und dadurch zum anderen eine sehr individuelle und optimierte Steuerung von Behandlungen ermöglicht.

Am Beispiel von Krebserkrankungen, die sich über die Lymphbahnen verbreiten, erläuterte Körholz, wie sich dank gezielter Forschungsarbeit der Einsatz von Bestrahlungen heute massiv reduzieren lässt und dadurch die Belastung von Patienten abnimmt. Gerade bei Mädchen, die im jungen Alter an Krebs erkranken und durch eine Bestrahlung therapiert werden, bestehe die erhöhte Gefahr einer erneuten Krebserkrankung im späteren Leben, erläuterte der erfahrene Onkologe. „Zielsetzung ist es, die Bestrahlung zu reduzieren“, sagte Körholz, der mit seinen Kollegen seit Jahren daran arbeitet, auf diese Weise mögliche Spätfolgen von Krebserkrankungen und -therapien zu verringern.

Wie passgenau die Forschung aufeinander abgestimmt werden kann, macht das Beispiel der Spendenaktion der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ deutlich. Parallel zur Arbeit in Gießen setzt sich seit vielen Jahren an der Mainzer Uniklinik das Team der Kinderkrebsstation für die Nachsorge junger Patienten ein. „Medizinische Forschung braucht einen langen Atem“, sagte Prof. Jörg Faber, Leiter der Mainzer Kinderkrebsstation. Mit seinem Team um Dr. Arthur Wingerter forscht Faber daran, welche Folgeerkrankungen entstehen und wie diese reduziert oder sogar vermieden werden können. „Es gelingt uns heute, vier von fünf Kindern dauerhaft zu helfen“, sagte Faber.

Eine Erkenntnis der jahrelangen Mainzer Arbeit ist, dass Patienten nach einer in jungem Alter erlittenen Krebserkrankung und deren Therapie ein deutlich höheres Risiko von Herz-Kreislauf-Erkranungen haben. Dank der Mainzer Studie können frühzeitig Maßnahmen begonnen werden, um solchen Nachfolgeerkrankungen zu begegnen. Ohne die Spendenaktion der Oldtimer-Freunde wäre dies wohl nicht möglich. Volker Boch