Archivierter Artikel vom 18.03.2020, 18:28 Uhr

Gute Geschichten gegen die Virusdepression: Virtuelle Gottesdienste, Klopapierjonglage und ganz viel Applaus

Sinngemäß hat Immanuel Kant einmal gesagt: „Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht zu den vielen Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.“ Und was vor gut 200 Jahren richtig war, das ist heute nicht falsch – auch und gerade in Zeiten der Corona-Krise. Deswegen wollen wir heute erneut versuchen, Ihnen beim Befolgen des Kant'schen Ratschlags zu helfen, und präsentieren acht Nachrichten, die hoffentlich beim Lachen und bei der Hoffnung helfen. Lediglich beim Schlaf – da können wir Ihnen nicht helfen.

Foto: dpa

1 Wir nähern uns einem möglichen Impfstoff

Klar ist: Ein Impfstoff wäre ein gigantischer Erfolg im Kampf gegen das neuartige Coronavirus – je früher, desto besser. Und genau deshalb macht die Tendenz einiger Nachrichten Mut, denn auch wenn es keine wissenschaftlich belegte Zusage gibt: Vielleicht müssen wir auf das Mittel nicht so lange warten wie noch vor Tagen angenommen. So sagte beispielsweise EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen dieser Tage: „Ich hoffe sehr, dass wir vor Herbst Impfstoffe auf dem Markt haben.“ Zuvor hatte sie mit dem Tübinger Pharmaunternehmen Curevac gesprochen, das an solchen Mitteln forscht. Auch deren Miteigentümer Dietmar Hopp hält es für möglich, dass bereits im Herbst ein Impfstoff geliefert werden kann. Im Podcast des ehemaligen Chefredakteurs und Herausgebers des „Handelsblatts“, Gabor Steingart, sagte Friedrich von Bohlen und Halbach, Aufsichtsratsmitglied bei Curevac: „Ich bin zu 99 Prozent davon überzeugt, dass es Impfstoffe gegen Corona geben wird.“ Die Betonung liegt auf Stoffe, denn seiner Meinung nach wird es zukünftig gleich mehrere Mittel geben. Ein wenig gedämpft wird die Hoffnung vom Robert Koch-Institut. Präsident Lothar Wieler geht davon aus, dass ein Impfstoff im Frühjahr 2021 auf den Markt kommt. Immerhin: Auch er geht davon aus, dass es einen geben wird.

2 Der Applaus für die Helfer nimmt kein Ende

Fest steht: Viele Forscher werden derzeit zu Helden im Kampf gegen das Virus. Und das gilt ebenso für die unzähligen Ärzte und Pfleger – und viele andere Unermüdliche – in ihrem Kampf gegen Covid-19. Was dabei schön zu sehen ist: Die Gesellschaft honoriert den enormen Einsatz und bringt ihren Dank lautstark zum Ausdruck – europaweit. Denn nachdem es ähnliche Aktionen in Spanien, Italien und Griechenland gab, haben auch die Franzosen ihren Alltagshelden applaudiert. Am Dienstagabend feierten die Pariser sie um 20 Uhr von ihren Balkonen und aus geöffneten Fenstern minutenlang mit Klatschen und Rufen. Auch in Deutschland erhielten die Helfer kräftigen Applaus, in Köln spendeten um 21 Uhr Hunderte Menschen denjenigen Beifall, die für die Gesundheit und Sicherheit aller im Einsatz sind.

3 Solidarität und Vernunft haben Konjunktur

Die aktuelle Krisensituation befördert also Zusammenhalt und Vernunft. Das hat auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beobachtet: „Ich sehe in meinem Umfeld viel Besonnenheit.“ Die historische Erfahrung werde uns verändern, erwartet Bedford-Strohm. „Und ich hoffe, sie wird uns zum Positiven verändern. Menschen machen die Erfahrung, welche Kraft es gibt, wenn man zusammensteht und nicht den Kopf in den Sand steckt. Und vielleicht kann uns das viel bewusster leben lassen und viel bewusster wahrnehmen lassen, wie kostbar bestimmte Dinge sind.“

4 Wir verlieren den Humor nicht

Solidarität und Vernunft sind in der jetzigen Situation unabdingbar – doch genau so wichtig ist, erinnern wir uns wieder an Immanuel Kant, das Lachen. Darum, dass das nicht zu kurz kommt, kümmert sich derzeit auch Ex-Fußballnationalspieler Jérôme Boateng. Bei der Internetplattform Instagram zeigte der 31 Jahre alte Verteidiger des FC Bayern ein Video von sich, in dem er statt eines Fußballs eine Rolle Toilettenpapier jongliert – das prägnante Symbol der deutschen Hamsterkäufe. „Ich sollte in diesen Tagen die Hymne der Champions League hören“, schrieb Boateng. „Stattdessen jongliere ich Toilettenpapier. Okay, Herausforderung akzeptiert.“ Er „nominierte“ zugleich mehrere ehemalige und aktuelle Mitspieler, die es ihm gleichtun sollten. Was sie dann auch prompt erfüllten und Videos veröffentlichten, in denen sie ebenfalls mit Klopapier jonglierten. Vielleicht ein Vorbild für den einen oder anderen übereifrigen Klopapier-Hamsterer bei uns?

5 Es muss nicht immer Klopapier sein

Apropos Hamsterkäufe und Klopapier: Unsere europäischen Nachbarn zeigen uns, dass es auch anders geht – und bestätigen dabei ganz nebenbei ein paar liebenswerte Vorurteile. Viele Italiener beispielsweise finden das Klopapierhorten seltsam, schließlich haben Bäder in Italien ein Bidet. Doch auch die Italiener stehen derzeit mitunter vor leeren Regalen – im Land des Dolce Vita wird der Wein gehamstert. Ein Problem, dass der Italiener nicht alleine hat, auch in Spanien sind mancherorts die Weinregale bedenklich geleert. In der Türkei hingegen gibt es derzeit keine Chance, noch an „Kolonya“ zu kommen – die türkische Form des Kölnisch Wasser. Es wird traditionell Besuchern gereicht, aber auch auf Reisen kann man sich damit die Hände erfrischen. Vor allem: Mit einem Ethylalkoholgehalt von etwa 80 Prozent wirkt es desinfizierend. In den USA ist stilles Wasser gefragt. In Bulgarien verschwanden Zitrusfrüchte aus den Märkten. Die Niederländer hamsterten offenbar Marihuana: Kurz vor der Schließung der Coffeeshops standen die Menschen Schlange.

6 Kein Verzicht auf Gottesdienste

Nicht verzichten hingegen müssen die Menschen in Roxheim im Naheland (Kreis Bad Kreuznach) auf ihren Gottesdienst – obwohl die Kirche geschlossen ist. Denn wenn abends die Glocken zum Gebet rufen, steht Pfarrer Sebastian P. Gutzeit wie gewohnt am Altar und betet vor leeren Stuhlreihen. Der Gedanke allein soll eine Verbindung schaffen – und die Möglichkeiten der Internetplattformen helfen Pfarrer Gutzeit dabei. Seine Worte werden live übertragen und anschließend ins Internet gestellt.

7 Virtuell rollt der Ball – für den guten Zweck

Nicht nur die Kirche setzt in der Krise auf die Hilfe durch das Internet, auch der Fußballgott findet dort ein neues Plätzchen – und das liegt am SV Waldhof Mannheim. Der Fußball-Drittligist will die ausgesetzte Saison virtuell zu Ende spielen und einen Teil der Einnahmen spenden. Die E-Sportler des Vereins, eine Art professionelle Videospieler, absolvieren die aktuell ausgefallenen Partien alle auf der Spielekonsole und übertragen die Matches ins Internet. Los geht es am 27. März mit der Begegnung Waldhof Mannheim gegen KFC Uerdingen. Der Clou: Fans können sich für das virtuelle Spiel ab sofort ein Ticket sichern. Die Preise beginnen bei einem obligatorischen Euro und enden bei einem VIP-Solidaritätsticket für 100 Euro. Ein Drittel der Einnahmen will der Verein unter allen Drittligisten verteilen. Ein weiteres Drittel der Erlöse soll an die Weltgesundheitsorganisation gespendet werden.

8 Das große Kino kommt schneller nach Hause

Auch die Cineasten können in der Krise ihre Hoffnungen auf das Internet setzen, dass ihre Trauer ob der geschlossenen Kinos geschmälert wird. Denn Universal Pictures will mehrere neue Filme per Streaming verfügbar machen – zunächst allerdings nur in den USA. Der Preis wird mit 20 Dollar für eine Leihdauer von 48 Stunden angesetzt. Zunächst werden in den USA mehrere Filme wie „The Hunt“ und „Emma“ in den Heimverleih kommen. Das Vorgehen in anderen Ländern ist noch unklar. Wir machen es also wie Kant – und hoffen.

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So sehen sie aus, die Helden der Corona-Krise: Das Team der Zentralen Notaufnahme der Uniklinik in Essen steht dabei stellvertretend für alle Ärzte, Pfleger, Helfer und viele andere. Auch wir sollten ihnen unsere Dankbarkeit zeigen – und ihren Appell befolgen.

Foto: ZNA Nord/Universitätsklinik Essen
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