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Fünf gute Corona-Nachrichten: Von kleinen und großen Gesten in der Krise

Es hält uns alle in der Zange. Es lähmt unser Leben, kann es sogar gefährden. Corona produziert laufend schlechte Nachrichten, da tut es gut, an dieser Stelle einmal durchzuatmen. Denn die Krise ist nicht nur düster, es glimmen Trotz und Lebensfreude durch ihre Finsternis, es gibt Gutes und Aufbauendes, durch Deutschland weht ein solidarischer Geist wie lange nicht. Wir haben bereits viel über Hilfsaktionen und nette Gesten in der realen und digitalen Welt berichtet – und wir tun es weiterhin gern. So viele Menschen setzen der Krise kreative Ideen entgegen, um die soziale Distanzierung abzumildern, um Danke zu sagen, um aufzumuntern oder Einzelhändler und Gastronomen ihrer Stadt zu unterstützten. Mit einem Mal werden die sozialen Netzwerke ihrem Namen wieder viel gerechter. All das ist schön, all das baut auf – so wie diese Aktionen, Projekte und Gesten.

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1 Mit bunten Steinen ein Lächeln zaubern

Seit wir täglich in vielen Artikeln über die Corona-Pandemie berichten, setzen wir in die Texte über das Virus das Logo „Die Corona-Krise“. Daraus zieht der kleine Alois Dietrich aus Koblenz ganz eigene Schlüsse: Er rückt dem Virus mit der Papierschere auf die Pelle. Wieso er das tut, verrät seine Mama Sophia Dietrich auf Instagram: Ihr Dreijähriger hat die Mission, das Virus aus der Rhein-Zeitung auszuschneiden, damit es „bald ganz weg ist“. Wie schön wäre es doch, wenn Alois mit seiner Kinderlogik recht hätte. Wir würden alle mitschnippeln, kleiner Mann!

Das Virus beschäftigt auch die Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo (oben) sowie Polizei und Feuerwehr in der Städteregion Aachen: Sie zeigen Herz für ältere Menschen und Kinder.

picture alliance/dpa

„Ein Lächeln ist nicht ansteckend“: Mit diesem Spruch hat ein kleiner Junge mit einem großen Herzen ein Bild versehen, das er mit Kreide in den Hof der Seniorenwohnanlage Grimm in Tiefenstein, einem Stadtteil von Idar-Oberstein (Landkreis Birkenfeld), gemalt hat. Der kleine Künstler, Jan Hendrik sein Name, darf sich sicher sein, dass er mit dieser Aktion all den Senioren und Mitarbeitern ein schönes Geschenk gemacht hat. Denn ein Lächeln kann sehr wohl anstecken – aber im positiven Sinne. Und noch größer war die Freude bei Bewohnern und Personal, dass Jan mit seinem Bruder Ole Brusius noch eine andere schöne Geste in der Krise eingefallen ist: Die beiden Jungs haben den alten Herrschaften mit 222 bunten Kieselsteinen gezeigt, dass man sie trotz Kontaktsperre und Besuchsverbot nicht vergisst. Die Jungen haben die Steine gesammelt, bemalten sie und schrieben nette Worte darauf, brannten und lackierten sie und sorgten mit Mama Katja dafür, dass die bunten Grüße in der Einrichtung verteilt wurden – natürlich desinfiziert. Die kleinen Überraschungen freuten die Bewohner. Die sowie die Heimleitung bedankten sich mit einer Spende bei den Jungen, 400 Euro insgesamt, die auf Wunsch der Brüder aus Göttschied, einem Stadtteil von Idar-Oberstein, an das Wildfreigehege Wildenburg und eine Reitschule gespendet werden. Freude haben die Senioren auch an einem neuen Angebot in der Wohnanlage, damit die Zeit, bis sie ihre Familien wieder in die Arme schließen dürfen, nicht noch härter wird: Es wurde eine „Facetime-Zelle“ eingerichtet, eine Ecke, in der Bewohner zu bestimmten Zeiten und nach Absprache per Video mit ihren Angehörigen chatten können. Das tröstet.

2 Immer wieder geht die Sonne auf

Damit ältere Menschen, insbesondere allein lebende ältere Nachbarn in Zeiten der sozialen Distanz nicht vergessen werden, haben sich Feuerwehr und Polizei in der Städteregion Aachen in der Corona-Krise eine bemerkenswerte Aktion einfallen lassen: Lautsprecherfahrzeuge der Feuerwehr fahren durch die Straßen und spielen den Udo-Jürgens-Song „Immer wieder geht die Sonne auf“ ab. Der Evergreen ist von dem singenden Aachener Kommissar Oliver Schmitt und einem Chor aus Polizisten und Feuerwehrleuten neu aufgenommen worden. Dazu gibt es auf dem YouTube-Kanal der Stadt Aachen ein Video zum Lied, in dem die Rettungskräfte und Polizisten an alle Bürger appellieren, ein Auge auf alleinstehende ältere Menschen zu haben. Denn gerade in Krisenlagen, wenn Kontakte reduziert würden, seien solche Menschen besonders gefährdet, vergessen zu werden und im schlimmsten Fall einsam zu sterben. Polizeipräsident Dirk Weinspach sagte zum Abschluss: „Achten Sie auf ältere Menschen in Ihrer Nachbarschaft! Kümmern Sie sich, wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt!“ Das Video finden Sie unter dem Link ku-rz.de/hilfe.

3 Theologischer Lieferdienst

Weil viele ältere Menschen nicht so fit mit dem Internet sind, hat sich eine Gemeindepfarrerin im Rhein-Lahn-Kreis ein besonderes Angebot einfallen lassen: einen Lieferdienst für Andachten. Der funktioniert so: „Auf Bestellung“ per Telefon fährt Anneke Peerenboom nun mit Gitarre und Bibel vor die Häuser in den Ortschaften, die zur Kirchengemeinde gehören, und „feiert“ vor geöffneten Haustüren und Fenstern in gebotenem Abstand eine zehnminütige Kurzandacht für betagte Paare, Alleinstehende oder auch ganze Familien, die in die eigenen vier Wände verbannt sind. „Manche hören auch vom Balkon aus zu oder im Garten“, sagt die Theologin. Die Idee für den christlichen Lieferdienst kam ihr, als sie darüber grübelte, wie sie die verbotenen Gottesdienste kompensieren kann. Sie erinnerte sich an den Auftrag Jesu: „Gehet hin.“ Das tut sie nun.

4 Kinder können mit Weltmeisterin trainieren

Ein großes Herz für ihre Mitmenschen in der Krise beweist auch die Weitsprungweltmeisterin und Sportlerin des Jahres, Malaika Mihambo: Sie lädt Grundschüler zur täglichen Übungsstunde auf YouTube ein – und damit quasi in ihr Wohnzimmer. „Es sind unsichere Zeiten. Für uns Sportler, aber eben auch für alle“, sagte die 26-Jährige aus Oftersheim in Baden-Württemberg. Sie will vor allem Kindern eine Abwechslung bieten, die aktuell weder in die Schule noch zum Training in ihren Sportverein gehen können, sagte die Weltmeisterin dem Portal leichtathletik.de. Ihr Projekt nennt sie „Herzsprung“. „Wenn ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dem Alltag der Kinder auch in dieser Zeit etwas Struktur zu geben, sie für den Sport begeistern kann, dann möchte ich das gern machen“, erklärte Mihambo. Also startet die Spitzensportlerin, die zudem Umweltwissenschaften studiert, im Livestream kleine Wettbewerbe, vermittelt Wissen und hält die Kids auf Trab. Mihambo leitete bereits vor der Corona-Pandemie einmal in der Woche eine Sport-AG in der Theodor-Heuss-Schule in Oftersheim.

5 Yoga mit Narendra Modi

Indiens Premierminister Narendra Modi höchstpersönlich zeigt auf seinem YouTube-Kanal Yogaübungen. Mit dieser Aktion will der Politiker während der Ausgangssperre seinen Landsleuten Tipps für Fitness, Gesundheit und mentale Gelassenheit geben. Der 69-Jährige schrieb über Twitter: „Ich bin weder Fitnessexperte noch medizinischer Experte. Yoga zu praktizieren, ist seit vielen Jahren ein wesentlicher Teil meines Lebens, und ich finde es wohltuend.“ Auf seinem YouTube-Kanal „Yoga with Modi“ ist eine animierte Version seiner selbst zu sehen, die Yogaübungen zeigt, eine Stimme aus dem Off erklärt die Schritte. Die Videos gibt es in verschiedenen Sprachen, auch auf Deutsch. Modi schrieb: „Ich hoffe, ihr beginnt auch bald, regelmäßig Yoga zu machen.“

Diese kleinen Geschichten erzählen von großen Gesten, die in der Krise ein Geschenk sind. Dass in schlechten Zeiten die Solidarität wächst, ist ein gutes, ein wichtiges Zeichen für unsere Gesellschaft. Wie schrieb schon Friedrich Dürrenmatt: „Der Mensch lernt in der Katastrophe, menschlich zu leben, was er im Frieden nicht kann.“

ame/vm/dpa