Archivierter Artikel vom 15.06.2021, 23:48 Uhr
Rheinland-Pfalz

Corona-Boom flacht ab: Tierschützer befürchten Rückgabewelle

Die befürchtete Abgabewelle von in der Pandemie angeschafften Tieren ist zwar noch nicht eingetreten. Doch noch geben Tierschützer keine Entwarnung. Bundesweit hatten Tierheime und Züchter in den vergangenen Monaten eine extreme Nachfrage nach Haustieren verzeichnet. Viele Menschen wollten sich nach Einschätzung der Stiftung „Vier Pfoten“ die Corona-Zeit durch die Anschaffung eines Haustieres erträglicher machen.

Landen mit den Lockerungen wieder mehr Tiere im Heim?  Foto: dpa
Landen mit den Lockerungen wieder mehr Tiere im Heim?
Foto: dpa

„Schon vor Corona haben sich Menschen Tiere angeschafft, ohne genau darüber nachzudenken, ob sie in die Lebensphilosophie oder Familienplanung passen. Das ist in der letzten Zeit natürlich noch verstärkt worden und wird jetzt noch mehr solcher Problemfälle nach sich ziehen“, fürchtet Andreas Lindig, Landesvorsitzender des Tierschutzbundes in Rheinland-Pfalz.

„Die Tierheime werden die Probleme noch bekommen“, ist er überzeugt. „Bis zum Winter – und je mehr sich die Corona-Bestimmungen lockern, umso mehr Tiere werden wieder abgegeben.“ Nicht nur, weil für viele dann das Homeoffice endet, wieder Urlaub möglich ist und die Tierhaltung neue Probleme mit sich bringt, sondern auch, weil sie feststellen, dass Hunde oder Katzen Zeit und Geld kosten.

Viele Tierheime haben in den vergangenen Wochen verstärkt Wert auf die Auswahl der richtigen Halter gelegt. „Wir hatten mehr Anfragen als sonst, aber bei uns war nicht das Motto ,Hauptsache raus', sondern wir waren sehr vorsichtig und haben viele lange Gespräche geführt“, berichtete Ilena Ertner aus dem Tierheim Mainz. Nicht jeder, der ein Tier haben wollte, habe es tatsächlich auch bekommen. „Nur die, die sich Gedanken gemacht haben, wie es nach dem Homeoffice weitergeht, ob der Hund dann noch versorgt ist oder ob er dann mit ins Büro genommen werden kann.“ Dass man noch keinen „Rückläufer“ bekommen habe, führt Ertner auch auf die gewissenhafte Auswahl der Interessenten zurück: „Wenn sie berufstätig waren, mussten sie teilweise wirklich dokumentieren, wie die Tiere nach dem Lockdown weiter versorgt sind oder ob sie beispielsweise einen Gassigehservice haben.“

Doch nicht alle Hunde, die in Corona-Zeiten angeschafft wurden, stammten ja tatsächlich aus deutschen Tierheimen oder von seriösen Züchtern, die die Tiere bei Problemen auch wieder zurücknehmen. „Wir warnen zwar gebetsmühlenartig davor, aber leider gibt es immer noch viele, die die Hunde im Internet und von Importvereinen kaufen“, sagt Andreas Lindig. Und diese Tiere würden dann nach ein paar Wochen oder Monaten wieder im Tierheim landen.

Auch der Saarbrücker Tierschützer Frederick Guldner teilt die Befürchtung, dass es zu einer Rückgabewelle kommen könnte. Er hoffe, dass es sich nicht um die Ruhe vor dem Sturm handle. Guldner glaubt, dass die Besitzer ihre Hunde nicht nur abgeben wollen, weil sie nicht wüssten, wohin mit ihnen, wenn sie jetzt wieder in den Urlaub fahren könnten, sondern auch deshalb, weil sie mit der Erziehung überfordert sind.