Archivierter Artikel vom 01.12.2020, 21:02 Uhr
Trier

Amokfahrt: Fünf Tote in Trier

Ein Mann hat bei einer Amokfahrt mit einem Sportgeländewagen in der Trierer Innenstadt fünf Menschen getötet, darunter ein neuneinhalb Wochen altes Baby. Zu den Opfern zählen auch eine 73 Jahre alte Frau, eine 25-Jährige und ein 45 Jahre alter Mann aus Trier. Ein weiteres Opfer verstarb am Abend.

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In einer Fußgängerzone in Trier hat ein Auto mehrere Menschen erfasst und mindestens fünf von ihnen tödlich verletzt. Die Polizei konnte einen 51-Jährigen aus dem Keis Trier-Saarburg festnehmen.

picture alliance/dpa | Harald Tittel

In einer Fußgängerzone in Trier hat ein Auto mehrere Menschen erfasst und mindestens fünf von ihnen tödlich verletzt. Die Polizei konnte einen 51-Jährigen aus dem Keis Trier-Saarburg festnehmen.

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Die Mutter des Babys liegt im Krankenhaus. 15 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Die Polizei nahm unmittelbar nach der Tat einen 51-jährigen Deutschen aus Trier fest, der laut Staatsanwaltschaft psychisch krank sein könnte. Der Tatverdächtige, der 1969 in Trier geboren wurde, war betrunken, konnte aber vernommen werden. Hinweise auf einen politischen, religiösen oder terroristischen Hintergrund gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Das Motiv des Täters ist unklar.

Der Tatverdächtige saß demach allein im Auto und ist in der Vergangenheit noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Ermittelt werde gegen ihn wegen Mord in vier Fällen und gefährlicher Körperverletzung in einer ganzen Reihe weiterer Fälle, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. „Wir gehen davon aus, dass er bei dem Angriff in der Innenstadt heimtückisch handelte, das Fahrzeug als Waffe benutzt hat und deshalb mit gemeingefährlichen Mitteln handelte.“ Es gebe Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Krankheitsbild. Ein Arzt habe den Mann begutachtet, es werde wohl ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Laut Fritzen wurde bei dem 51-Jährigen ein Atemalkoholwert von 1,4 Promille gemessen.

„Wir haben ein klares Bild von dem Verdächtigen“, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD). Der Fahrer sei gezielt vorgegangen: Er sei „Zickzacklinien“ gefahren, um gezielt Leid zuzufügen. Das sei in ganz schlimmem Maße geschehen. Der Mann habe offenbar „wahllos“ Menschen angefahren. Er sei „vier Minuten nach Ersthinweis“ festgenommen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr der Tatverdächtige um 13.45 Uhr, aus Richtung Basilika kommend, über den Hauptmarkt in Richtung Porta Nigra. Augenzeugen berichteten, dass nahe der Porta Nigra Menschen durch die Luft geschleudert wurden.

„Dieses Ereignis erschüttert ganz Deutschland“, sagte Lewentz weiter. Die Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sprach von einem „schlimmen und schrecklichen Tag“. Mitten an einem ganz normalen Tag seien Menschen aus dem Leben gerissen worden, sagte die Triererin. „Das ist einfach sehr schlimm für uns alle.“ Sie sei mit ihren Gedanken bei den Verletzten und Schwerverletzten und hoffe und bete, dass sie überlebten und gesundeten. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sagte: „Es ist der schwärzeste Tag der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Er sei nach dem Vorfall durch die Innenstadt gelaufen. „Es war einfach nur schrecklich. Wir sehen solche Bilder im Fernsehen ganz oft und denken, das kann bei uns nicht passieren. Jetzt ist es auch in Trier passiert.“ In einer Stellungnahme von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) heißt es: „Die Nachrichten aus Trier machen mich sehr traurig. Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Menschen, die so jäh und gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden. Ich denke aber auch an diejenigen, die zum Teil schwere Verletzungen erlitten haben, und wünsche ihnen viel Kraft.“ Die CDU-Politiker Julia Klöckner und Christian Baldauf äußerten sich ebenfalls schockiert und betroffen.