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Bernkastel-Kues

Wappentier in Bernkastel-Kues: Meister Petz am sprudelnden Pütz

Der Bär ist in Europa ein beliebtes Wappentier. Auch Bernkastel-Kues an der Mosel hat einen Bären in seinem Wappen, genauso wie Berlin, Bernburg oder Bern. Seit dem Mittelalter taten die Europäer alles, um den Braunbären loszu werden. Er galt nicht nur als gefährliches Raubtier, sondern war in seinem Revier auch sehr besitzergreifend.

In Deutschland soll der letzte Braunbär 1835 erlegt worden sein und gilt seither als ausgestorben. Seiner Stärke zollten die Menschen nicht nur Respekt, sondern vor allem Bewunderung. Grund genug, um ihn neben dem ebenso häufig verwendeten Löwen, der in Europa allerdings nie heimisch war, als stolzes Wappentier auszuwählen. In Bernkastel-Kues ist der Bär an einigen alten Häusern zu finden, zum Beispiel am Rathaus, an der ehemaligen Volksschule und an der Michaeliskirche.

Bis 1951 waren auf dem Stadtwappen sogar zwei Bären zu sehen. Nach einer Abstimmung im Stadtrat wurde mit knapper Mehrheit beschlossen, einen Bären gegen einen Krebs einzutauschen, um den in Kues geborenen berühmten Gelehrten Nikolaus Cusanus zu ehren. Sein ursprünglicher Familienname war Kryfftz, was – vielleicht – mit Krebs übersetzt werden kann. In Bernkastel erzählt man sich, dass diese Wappenänderung nur zustande kam, weil die Kueser Stadträte in der Mehrzahl waren.

Möglicherweise ist das auch ein Grund, warum die Bernkasteler den Bärenbrunnen in der Graacher Straße bauen ließen. Bis es moderne Wasserleitungen gab, standen in Bernkastel auf dem Marktplatz, am Kapuzinerkreuz, am Graachertor und auf dem Rauscheplatz Ziehbrunnen, die, abgeleitet vom lateinischen Wort puteus, einfach Pütz genannt wurden. Der Bärenbrunnen steht am ehemaligen Rauscheplatz, wo einst der Bärenpütz sprudelte. Der Bildhauer Johannes Scherl aus Wittlich modellierte 1968 zwei sehr lebendig wirkende Bären, die fast lebensgroß und in Bronze gegossen in einem Trog aus Basaltlava stehen. Ein Stück vom Marktplatz entfernt, ist er einer der schönsten Brunnen der Stadt. Und es gibt viele schöne Brunnen in den vier Stadtteilen von Bernkastel-Kues. Vor dem Renaissancerathaus am Marktplatz zeigt der St. Michaelsbrunnen mit einem filigranen Brunnengitter aus dem Jahr 1606 den Schutzpatron der Stadt, den Erzengel Michael. Er wird umringt von einem geradezu malerischen Ensemble aus mittelalterlichen Fachwerkhäusern. Besonders originell ist das Spitzhäuschen, das auf einem schmalen Sockel balanciert und doch vom Weinkeller bis zum hohen Vorratsspeicher unterm Dach alles hat, was ein moselländisches Winzerhaus ausmacht.

Der Brunnen auf dem Karlsbader Platz ist ein Geschenk der Partnerstadt Karlovy vary, besser bekannt als Karlsbad. Der tschechische Künstler Jan Kotek symbolisiert mit dem Kaskadenbrunnen das ewige Leben, den Tag und die Nacht. Was auf den ersten Blick wie ein Januskopf aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein Mädchengesicht für den Tag und ein Jungengesicht mit geschlossenen Augen für die Nacht. Im Stadtteil Kues steht der Floriansbrunnen aus rotem Eifelsandstein, im Stadtteil Wehlen der Eulenbrunnen mit Eulen aus grünem Dolomit und im Stadtteil Andel der Goldbrunnen. Er erinnert mit drei Goldwäschern an die Zeit, als im Andeler Bach Gold gefunden wurde.

Fast könnte man meinen, Bernkastel-Kues sollte den Beinamen „Brunnenstadt“ tragen, würde nicht der von Reben umrankte, gusseiserne Doctorbrunnen vor der der ehemaligen kurfürstlichen Kellerei daran erinnern, dass es die hervorragenden Weinlagen sind, die der von Weinbergen umgebenen Stadt schon genug Ruhm einbringen. Er ist eine Hommage an die berühmte Weinlage „Doctorberg“, die direkt hinter den Häusern von Bernkastel aufragt. Jahrhundertelang wurden hier Trauben für erstklassige Weine gelesen. In besonders guten Weinjahren erreichten die Rieslingtrauben vom Doctorberg Mostgewichte von mehr als 300 Grad Öchsle. 150 Öchsle reichen schon für die höchste Stufe der Weinprädikate, die Trockenbeerenauslese. Überliefert ist, dass der Trierer Kurfürst Boemond der Weinlage den Namen gab. Als er einst in Bernkastel erkrankte, half ihm keine Medizin. Ein Winzer empfahl ihm den Wein der steilen Lage. Der Fürst trank den Wein und genas innerhalb weniger Tage.

Für den Spaziergang durch die mittelalterliche Altstadt beginnt jeden Samstag um 14.30 Uhr eine offene Stadtführung am Gestade 6,Karlsbader Platz. Die Teilnahme kostet für Erwachsene 6 Euro.

Heidrun Braun

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