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Bad Ems

Kränchen, Kuren und sprudelnde Quellen

Heidrun Braun

Zwischen Westerwald und Taunus liegt Bad Ems an der Lahn, einer der ältesten und geschichtsträchtigsten Badeorte Europas. Die Liste der prominenten Besucher liest sich wie ein Geschichtsbuch der europäischen Politik, Kunst und Literatur. Der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski arbeitete in Bad Ems an seinem weltberühmten Roman „Die Brüder Karamasow“. Über Bad Ems schrieb er 1874 in einem Brief an seine Frau Anna: „Das Städtchen Ems liegt in einer tiefen Schlucht zwischen bewaldeten Hügeln. An Felsen, die malerischsten der Welt, lehnt sich das Städtchen. Es gibt Promenaden und Gärten, und alles ist reizend.“

Jacques Offenbach blieb sogar zwölf Jahre lang als Konzertmeister in Bad Ems und ließ sich zu seiner burlesken Oper „Orpheus in der Unterwelt“ inspirieren. Neben Carl Maria von Weber, Victor Hugo und Johann Wolfgang von Goethe fühlte sich auch Richard Wagner an der Lahn wohl und komponierte auf Schloss Balmoral die Oper „Parzifal“. Der geniale Friedensreich Hundertwasser setzte auf die Qualität der Keramik aus Bad Ems: Ab 1984 ließ er über zwei Jahrzehnte seine Bauelemente vom Baukeramikbetrieb Ebinger-Schnaß liefern.

Angezogen wurden sie alle von dem Wasser aus den 15 Bad Emser Quellen. Das Besondere am Emser Wasser ist sein Salzgehalt. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten der Emser Kurarzt Dr. Ludwig Spengler, der Apotheker August Weber und der Hausverwalter Georg Hasslacher ein Verfahren, mit dem das Thermalwasser verdampft und der salzhaltige Rest zu Pastillen gepresst wird. Die Emser Pastille ist heute noch ein Renner unter den Halsschmerztabletten. Viele schwören auf das weiße Gold für die Atemwege und die Stimme aus dem Kaiserbad. Besonders beeindruckend ist der Robert-Kampe-Sprudel, der als Quelle des Emser Salzes täglich 800.000 Liter Wasser aus eigener Kraft zutage fördert. Mit einer Wassertemperatur von 57 Grad gehört sie zudem zu den heißesten Quellen im Land und kann bis zu acht Meter hoch sprudeln.

Prominentester Stammgast in Bad Ems war wohl Kaiser Wilhelm I., der zwischen 1867 und 1888 regelmäßig nach Bad Ems kam. Das Kaiserdenkmal im Kurpark zeigt den Kaiser im Freizeitoutfit, der sich sonst immer nur in Uniform zeigte. Außerdem ist dort in Stein gemeißelt, dass alle Kaiser des späteren Dreikaiserjahres in Bad Ems kurten. Des Kaisers Sommerresidenz ist heute das erste Hotel am Platz. In der Brunnenhalle in Häcker‘s Hotel entspringt das „Emser Kränchen“, dessen Wasser um 1900 so hoch geschätzt war, dass jährlich mehr als zwei Millionen Liter davon in Tonkrügen in alle Welt verschickt wurden. Es soll des Kaisers Lieblingsquelle gewesen sein. Mit der „Emser Depesche“ ging der Badeort in die Weltgeschichte ein. Auf der Kurpromenade erinnert ein Gedenkstein an die Gespräche mit dem französischen Botschafter Vincent Benedetti, der im Auftrag von Napoleon III. Wilhelm I. das Versprechen abnehmen sollte, dass kein Hohenzoller je im Norddeutschen Bund kandidiert. Der Kaiser versprach nichts, und Otto von Bismarck verarbeitete diese Nachricht aus Bad Ems in einer Pressemitteilung, die als Auslöser des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 gilt. Prächtige Häuser, der Marmorsaal in Häcker’s Grandhotel, die russisch-orthodoxe Kirche mit ihren Zwiebeltürmchen und die älteste Spielbank Deutschlands erinnern in Bad Ems an die Zeit, da Kaiser, Zaren und Könige auf der Kurpromenade im Tal zwischen Limburg und Koblenz flanierten. Heute hat Bad Ems eine der modernsten Thermen Deutschlands. Sie steht direkt am Lahnufer und wird vom Emser Thermalwasser gespeist.

Der Renner ist eine Fluss-Sauna. Sie schwimmt auf der Lahn und ist von der Emser Therme aus über einen Steg erreichbar. Gerade an kalten und grauen Novembertagen steigt die Sehnsucht nach wohliger Wärme, die in der Therme zum Beispiel mit einer Hot-Stone-Massage oder Aromakerzenmassage im Hamam oder „Kaiserbad“ erfüllt wird. Auf Spaziergängen gibt es viel zu sehen. Prunkvolle Barockbauten und Bäderarchitektur wechseln sich ab. Eine Standseilbahn verbindet das Stadtzentrum mit dem Kurgebiet auf der Bismarckhöhe.

Ein schöner Wanderweg führt hinauf zum Panoramarestaurant und Aussichtsturm mit einmaliger Sicht auf das Lahntal und das kaiserliche Bad. Heidrun Braun

Nähere Informationen beim Stadt- und Touristikmarketing Bad Ems, Bahnhofplatz, Bad Ems, Telefon 02603/941 50, E-Mail info@bad-ems.info

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