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Worms

Kaiserdom und Dackelheiliger: Worms feiert das Jubiläumsjahr von St. Peter mit neuem Geläut

Bischof Burchard steht in Bronze gegossen vor dem Dom St. Peter in Worms und hat die Hand wie zum Gruß erhoben. Dieser gilt in diesen Tagen vor allem den fünf neuen Glocken, die zu Pfingsten das erste Mal erklingen. Sie erweitern das bisher nur dreistimmige Geläut zu einem achtstimmigen.

Eine Perle des Doms ist der Hochaltar von Balthasar Neumann.  Fotos: Rheinland-Pfalz Tourismus/Heidrun Braun
Eine Perle des Doms ist der Hochaltar von Balthasar Neumann. Fotos: Rheinland-Pfalz Tourismus/Heidrun Braun
Foto: Heidrun Braun

Die von Sponsoren finanzierten Glocken leistet sich der Dombauverein anlässlich eines großen Jubiläums. Der Dom wird in diesem Jahr 1000 Jahre alt. Zurzeit wird der Einbau der Glocken im Glockenstuhl vorbereitet. Am Aschermittwoch läutete die Bußglocke zum letzten Mal. Sie ist eine der drei Glocken, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Notgeläut zu den Gottesdiensten riefen.

Der Dom St. Peter gehört gemeinsam mit den Domen in Mainz und Speyer zu den drei romanischen Kaiserdomen. Das Jubiläum bezieht sich auf den 9. Juni 1018, als Bischof Burchard im Beisein des Kaisers Heinrich II. den Dom weihte. Der heutige Dom wurde auf den Fundamenten des Burchard-Domes Mitte des 12. Jahrhunderts gebaut. Seit der Auflösung des Bistums Worms Anfang des 19. Jahrhunderts ist der Dom Pfarrkirche, seit 1862 Propsteikirche und trägt seit 1925 den päpstlichen Ehrentitel Basilica minor.

In seiner 1000-jährigen Geschichte war der Dom Schauplatz großer historischer Ereignisse, wie zum Beispiel die Papstwahl Leos IX. im Jahr 1048. Besucher des Doms überrascht immer wieder, dass der erste deutsche Papst Bruno von Kärnten aus Worms kam. Nur 24 Jahre alt, wurde der einstige Domschüler vom gerade mal 17-jährigen Kaiser Otto III. protegiert und 996 zum Papst Gregor V. gewählt. Heute erinnert in Worms eine Kopie seiner Grabplatte im Petersdom in Rom an ihn. Sie hängt in der salischen Grablege des Doms direkt über dem Sarkophag seiner Mutter, Herzogin Judith von Kärnten.

Martin Luther, der 1521 zum Reichstag in Worms geladen war, um seiner Lehre abzuschwören, durfte den Dom offiziell nicht betreten, weil der Papst den Mönch exkommuniziert hatte. Ob er trotzdem einen Blick hineingeworfen hat, bleibt dahingestellt. Abgeschworen hat er nicht.

Eine barocke Perle des Doms ist der prachtvolle Hochaltar, den der berühmte Baumeister Johann Balthasar Neumann aus vergoldetem Holz und Marmor schuf.

Oft übersehen wird ein zweiter Hingucker: ein Dackel am Südportal des Doms. Den prominenten Platz, der sonst nur einem Heiligen zukommt, hat sich das Schlappohr offensichtlich redlich verdient. Bei Renovierungsarbeiten 1920 soll er seinen Herrn, den Dombaumeister Philipp Brand, mit einem beherzten Angriff auf dessen Bein vor einem herabstürzenden Stein gewarnt und ihm so das Leben gerettet haben.

Seit 2002 ist der Dom in jedem Sommer die beeindruckende Theaterkulisse für die große Freilichtbühne, wo während der Nibelungenfestspiele die deutsche Heldensage in allen Variationen und jedes Jahr neu inszeniert wird.

Doch im Jubiläumsjahr treten Geschichte, Kunst und Anekdoten hinter der Spannung auf die fünf neuen Glocken zurück. Den Auftrag für den Guss der fünf aufwendig verzierten Glocken erhielt die traditionsreiche Glockengießerei Rincker im 150 Kilometer entfernten Sinn bei Wetzlar. Die Brüder Hanns Martin und Fritz Georg führen das seit 1590 bestehende Familienunternehmen in der 13. Generation. Die zusammen 5500 Kilogramm schweren Glocken wurden von dem Wormser Künstler Klaus Krier entworfen. Jede Glocke wird einem Heiligen geweiht und zeigt die Weiheinschrift und den Patron. Die Entwürfe für die sogenannte Glockenzier sind im Nordquerhaus des Domes ausgestellt.

Im Jubiläumsjahr gibt es viele Konzerte, Ausstellungen und Festgottesdienste unter dem Motto „Aufgeschlossen“, das Bezug auf den Himmelsschlüssel des Apostels Petrus nimmt, der Patron des Doms ist. Der Schlüssel ist auch Bestandteil der Wappen des Domes und der Stadt Worms. Ein erster Glanzpunkt ist die Weihe der neuen Kirchenglocken am Ostermontag, 2. April, die der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf übernimmt. Am ersten Juniwochenende ist der Domplatz Mittelpunkt des Rheinland-Pfalz-Tages, dem bis zum 10. Juni die eigentliche Dom-Festwoche folgt. Das komplette Programm des Jubiläumsjahres gibt es im Internet unter www.pg-dom-st-peter-worms. bistummainz.de.

Am Palmsonntag, 25. März, lädt der Dom zum Passionskonzert mit dem Mainzer Domchor ein. Beginn ist 18 Uhr. Heidrun Braun

Nähere Informationen gibt es bei der Tourist-Information Worms, Neumarkt 14, Worms, Telefon 06241/853 73 06, www.worms.de/tourismus

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