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Diez

Grafen, Grachten und Geschichten

Die Farbe Orange hat in Diez eine ganz besondere Bedeutung. Ein Rundgang durch die charmante Stadt an der Lahn erinnert an vielen Ecken an die Verbindung zu den Niederlanden. In der einstigen Residenzstadt der Oranier entstanden im Lauf der Geschichte viele sehenswerte Bauten und Kunstwerke, die das rege Kunst-, Kultur- und Geistesleben widerspiegeln.

Das Grafenschloss
Das Grafenschloss
Foto: Heidrun Braun/Rh

Die Schulstraße und die Kanalstraße bilden in Diez das „Holländische Viertel“. Zwischen Bruchsteinmauern bahnt sich der im 18. Jahrhundert verlegte Lauf der Aar, ein Nebenfluss der Lahn, seinen Weg. Fürstin Henriette Amalie von Nassau-Diez veranlasste 1707 den einer Gracht nachempfundenen Bau als Hommage an die Niederlande. Die Brückenbogen stellen die Verbindung von Straßenzug zu Straßenzug her. Der mittlere trägt die Initialen „AA“ (Amalie Anhaltina) der Fürstin, die aus dem Haus Anhalt-Dessau stammte. Die Verbindung zu den Niederlanden geht auf ihre Mutter Henriette Katharina zurück, die eine Tochter des Fürsten Friedrich Heinrich von Oranien war.

Neben geführten Stadtrundgängen zu verschiedenen Themen wird das Erkunden der Stadt in eigener Regie leicht gemacht. Ein ausgeschilderter Stadtrundgang führt in etwa zweieinhalb Stunden an vielen schönen Fachwerkhäusern, einladenden Gaststätten und Läden zu Grafenschloss, Stadtmauer und Stiftskirche. Alle Sehenswürdigkeiten sind mit Informationstafeln bestückt, die als öffentliches Lesebuch kurz und knapp das Wichtigste erläutern.

Die heutige Altstadt liegt unterhalb der Diezer Burg und umfasst die Altstadtstraße, die Pfaffengasse, den Schlossberg und im Mittelpunkt den Alten Markt mit dem Säckerbrunnen. Der Brunnen erinnert an die Tagelöhner, die das Getreide auf ihrem Rücken von den Lastkähnen am Lahnufer in die 500 Meter weiter gelegenen Speicher transportierten.

Idyllische Ansicht von Diez an der Lahn Fotos: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH
Idyllische Ansicht von Diez an der Lahn Fotos: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH
Foto: Heidrun Braun/Rh

In der Stiftskirche sind die Gräber der Grafen von Diez und Fürsten von Nassau-Diez zu sehen. Der älteste Grabstein gehört Ritter Gerhard VI., der 1343 starb. Im rechten Seitenschiff steht ein reich verzierter Sarkophag aus schwarzblauem Lahnmarmor. Hier ruht Fürstin Amalie von Nassau-Diez. In der Fürstengruft wurden ihre fünf Töchter beigesetzt. Sie sind die Vorfahren von Königin Beatrix, die bis heute den Titel Prinzessin von Oranien-Nassau trägt.

Direkt durch die Stadt führt die 16. Etappe des Lahnwanderweges von Limburg nach Balduinstein. Aus der Stadt geht es in Serpentinen hinauf auf den Guckenberg. Von dort ist der Blick auf das schneeweiße Grafenschloss mit Turm und Türmchen besonders schön. Das Museum im Schloss ist der Hüter der wechselvollen und oft dramatischen Geschichte der Stadt. Die spannende Zeitreise durch die Geschichte führt durch Ausstellungsräume auf vier Etagen und spannt den Bogen von rund 380 Millionen Jahre alten Versteinerungen aus der Devonzeit bis zur Elektrotechnik der frühen Moderne. Sonderausstellungen, Mitmachaktionen sowie die moderne und klare Gestaltung des Museums, in dem es immer etwas zum Anfassen, Hören, Riechen und Ausprobieren gibt, machen den Rundgang auch für Kinder interessant, die in historische Rollen als Strafgefangene, Wappenmaler, Schreiber oder Münzschläger schlüpfen können.

Die Grafen von Nassau gestalteten die Burg Diez zu einem Renaissanceschloss um. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts war das Schloss Witwensitz für Sophie Hedwig von Braunschweig-Lüneburg und Albertine Agnes von Oranien-Nassau. Eine Fürstengalerie mit wertvollen Porträtmalereien niederländischer Meister zeigt die Regentenpaare aus den Linien Nassau-Diez und Nassau-Oranien. Nach dem Bau von Schloss Oranienstein diente das Grafenschloss als Amtsgebäude und war bis 1928 Gefängnis. Seit 1953 gibt es auf dem Schloss eine Jugendherberge, die heute zu den schönsten des Landes zählt.

Auf dem Gelände hinter den Museumsräumen wird eine Auswahl von Arzneipflanzen angebaut, die zu den typischen Rohstoffen der alten Diezer Apotheke gehörten. Sie wurde per Erlass der Fürstin Albertine von Nassau-Oranien 1674 als Diezer Hofapotheke gegründet. Viele Gerätschaften des Apothekers zum Wiegen, Messen, Zerkleinern und Destillieren aus dieser Zeit sind im Museum ausgestellt. Seit 1860 befindet sich die Amtsapotheke in der Wilhelmstraße 9 und wird in der achten Generation von der Familie Wuth geführt. Heidrun Braun

Nähere Informationen: Tourist-Information Diez; Wilhelmstraße 63, Diez, Telefon 06432/954 32 11, urlaub-in-diez.de, www.gastlandschaften.de/lahntal.

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