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Speyer

Der spannende Fall Richard Löwenherz

Richard Löwenherz regierte England zehn Jahre. Davon verbrachte er nur sechs Monate in England, und es wird sogar in Zweifel gestellt, ob er überhaupt Englisch sprach. Nach seiner, verglichen mit anderen Königen, kurzen Herrschaftszeit und seinem frühen Tod mit 41 Jahren gelang es ihm, in glanzvoller Erinnerung zu bleiben. Sein Ruhm als Held, der stets in der ersten Reihe kämpfte, überstrahlte alle seine Fehler und Niederlagen.

Burg Trifels zeigt die Ausstellung „Der Fall Richard Löwenherz“ bis 15. April. Fotos: Historisches Museum der Pfalz Speyer
Burg Trifels zeigt die Ausstellung „Der Fall Richard Löwenherz“ bis 15. April. Fotos: Historisches Museum der Pfalz Speyer
Foto: Historisches Mus

„Keiner konnte ihm widerstehen, seine Handlungen und Entscheidungen waren stets eindeutig, er bot seinen Anhängern Sicherheit und Erfolg und verkörperte wie kein anderer Zeitgenosse die königliche Autorität. „Das Königreich England gelangte unter ihm zu größtem Ansehen“, fasst Stefan Weinfurter, Professor an der Universität Heidelberg, die Voraussetzung für den Mythos um Richard Löwenherz zusammen. Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates zur Ausstellung „Richard Löwenherz. König – Ritter – Gefangener“, die noch bis zum 15. April im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen ist. Das Interesse an der Ausstellung ist groß, denn obwohl die Historiker Richard I. wohl nicht zu Unrecht als schlechten König bezeichnen, der seinen Ruhm als Ritter über die Interessen der Bevölkerung seines Reiches stellte, hat sich diese wissenschaftliche Erkenntnis in der öffentlichen Meinung nie durchgesetzt. Richard Löwenherz wird in einem Atemzug mit großen Persönlichkeiten wie Kaiser Barbarossa oder Karl dem Großen genannt. Für die grandiose Ausstellung wurden mehr als 150 Exponate aus Museen und Bibliotheken in Deutschland, Österreich, England, Frankreich, Dänemark, den Niederladen und der Schweiz akribisch zusammengetragen. Zu sehen sind wertvolle Handschriften, Waffen, Skulpturen und Reliquiare.

Interessant sind auch die vielen Kurztexte, in denen Aufstieg, Macht und Niedergang des Königs erzählt werden. An seiner glorreichen Geschichte arbeitete Richard Löwenherz erfindungsreich mit. Kurz nach seiner Krönung im Jahr 1189 fanden Mönche im englischen Kloster Glastonbury das vermeintliche Grab von König Artus und seiner Gemahlin Guinevere. König Artus war seinerzeit das Ideal eines jeden Königs. Für Richard war der Grabfund Anlass genug, sein Königshaus in die Tradition des sagenumwobenen Königs zu stellen. Der Chronist Roger von Howden behauptete sogar, Richard von Löwenherz hätte das berühmte Schwert Excalibur besessen.

Das Leben und die Legenden um Richard Löwenherz geben Stoff für mindestens zehn spannende Staffeln, die der HBO-Serie „Game of Thrones“ den Rang ablaufen könnte. Auf dem Heimweg vom Dritten Kreuzzug ins Heilige Land wird Richard Löwenherz, der unter den europäischen Herrschern inzwischen mehr Feinde als Freunde hat, 1192 in Erdberg bei Wien von Herzog Leopold V. gefangen genommen. Der Herzog fühlte sich beleidigt, weil Richard dessen Ansprüche auf die besiegte israelische Hafenstadt Akkon mit dem Herunterreißen des österreichischen Banners ignorierte.

Um Richard Löwenherz ranken sich zahlreiche Mythen.
Um Richard Löwenherz ranken sich zahlreiche Mythen.
Foto: Historisches Mus

In Speyer wurde Löwenherz der Prozess gemacht. Kaiser Heinrich VI. verlas höchstselbst die lange Liste der Anklage, in der es vor allem um den von Richard ausgehandelten Frieden mit Sultan Saladin ging, der den Muslimen das Heilige Land überließ, aber auch um den Verlust von Zypern und Sizilien. Richard Löwenherz soll sich in einer zu Tränen rührenden Rede verteidigt haben, die den Kaiser veranlasste, sich offiziell mit Richard zu versöhnen. Der englische König blieb bis Februar 1194 trotzdem in Haft, denn der Kaiser brauchte Geld für seinen Sizilienfeldzug.

Da kam ihm eine Finanzspritze gerade recht, die er nicht als Lösegeld, sondern als Ausgleich für seine Vermittlung zwischen Richard und dem französischen König Philipp II., mit dem Löwenherz einst eng befreundet, aber inzwischen auch verfeindet war. Die Forderung nach 23 Tonnen Silber war hoch und entsprach etwa dem dreifachen Jahreseinkommen des englischen Königshauses. Zusätzlich sollte England 50 Schiffe und 200 Ritter für die Zurückeroberung Siziliens stellen, was schließlich in 50.000 Mark in Silber umgewandelt wurde, die Richard in Raten zahlen durfte. Um den Druck auf England zu erhöhen, wurde Richard Löwenherz auch auf der rund 40 Kilometer von Speyer entfernten Burg Trifels gefangen gehalten. Dort ist bis zum 18. April die Ausstellung „Der Fall Richard Löwenherz“ zu sehen.

Heidrun Braun

Informationen und Eintrittskarten gibt es im Internet unter www.loewenherz-ausstellung.de. Infos zum Historisches Museum der Pfalz in Speyer, Domplatz 4, Speyer, unter Telefon 06232/ 132 50.

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