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Kaub

Burg Pfalzgrafenstein hält keinen Winterschlaf

Mit der Größe der stattlichen Rheinburgen im Mittelrheintal kann die Zollburg Pfalzgrafenstein nicht konkurrieren. Sie ist nur 47 Meter lang und steht am Rheinkilometer 546 vom Wasser umspült auf einer kleinen Insel vor Kaub. Dicke Mauern, Türme, Burghof, ein Fallgitter vor dem Burgtor und eine Menge Schießscharten machten sie wehrhaft und ihren großen Brüdern, die majestätisch auf den Rheinhöhen thronen, ebenbürtig. Ihre Geschichte und Lage verschaffen ihr absolute Einzigartigkeit.

Ab dem 30. März können Besucher der Burg Pfalzgrafenstein auf die Spur des preußischen Feldmarschalls Blücher gehen, der sein gesamtes Heer 1814 von Kaub über den Rhein nach Bacharach brachte.  Foto: Heidrund Braun
Ab dem 30. März können Besucher der Burg Pfalzgrafenstein auf die Spur des preußischen Feldmarschalls Blücher gehen, der sein gesamtes Heer 1814 von Kaub über den Rhein nach Bacharach brachte.
Foto: Heidrund Braun

Sie ist eine Perle unter den Rheinburgen, wurde nie zerstört und ist seit Jahrhunderten favorisiertes Motiv für Malereien, Fotografien und schwärmerische Beschreibungen. „Mitten im Rhein auf einem Felsen erhebt sich ein längliches Gebäude über die Wasserfläche, dessen Vorder- und Hinterteil wie Bug und Heck eines Schiffes in den Wellen stehen. Dieses steinerne Schiff, ewig auf dem Rhein schwimmend und ewig vor der Stadt vor Anker, dieser Palast ist die Pfalz“, schrieb der französische Schriftsteller Victor Hugo, der die Burg auf seiner Rheinreise 1840 sah.

Wahrscheinlich hat er sie nie von innen gesehen, denn ein „Palast“ ist sie wahrlich nicht. Sie war nie als Wohnburg gedacht, sondern als Zollburg eine Warnung für alle Schiffe, in Kaub anzulegen und den Zoll zu entrichten. Von der Burg aus konnten die Soldaten den Rhein über viele Kilometer einsehen. Alle Schiffe mussten auf der rechtsrheinischen Seite die Burg passieren, denn auf der linken Seite machten viele Klippen und eine starke Strömung ein Durchkommen nahezu unmöglich.

Seit 1277 gehörte Kaub den Pfalzgrafen am Rhein aus dem Haus der Wittelsbacher, die damit auch das Anrecht auf die Zollrechte gewannen. Pfalzgraf Ludwig der Bayer, der sich 1314 zum römisch-deutschen Kaiser krönen ließ, erkannte die perfekte Stelle am Rhein als wahre Goldgrube. Papst Johannes XXII., ein Franzose, der schon die Krönung nicht anerkannte, gefällt die lukrative Zolleinnahme gar nicht. Doch es fehlt ihm an Druckmitteln gegenüber Ludwig, der selbst von dem ihm auferlegten Kirchenbann unbeeindruckt bleibt. Diese Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Vorherrschaft geht in die Geschichtsbücher ein.

Ludwig der Bayer baut als Reaktion auf den Zorn nicht zurück, sondern aus. Was erst nur ein Zollturm war, wird ab 1339 mit Wehrmauer, Schießscharten und einem Fallgitter vor der schweren Holztür befestigt. Bis 1866 blieb die so bewehrte Burg Pfalzgrafenstein Zollstation. Die Wachen hatten es außer in Sachen freier Sicht in alle vier Himmelsrichtungen in der spartanisch eingerichteten Burg nicht sonderlich gemütlich. Das wird heute jedem Besucher schnell klar. Sie wärmten sich an offenen Feuern und vertrieben sich die Wartezeiten mit einfachen Spieltafeln aus Schiefer. Selbst die Wohnung des Kommandanten war sehr schlicht eingerichtet. Immerhin verspricht der alte Backes in der Burg, dass es ab und zu frisches Brot gab.

Als Napoleon 1806 die Burg Gutenfels in Kaub teilweise sprengen ließ, blieb die Burg Pfalzgrafenstein verschont. Die Zolleinnahmen waren ihm sicher wichtiger. Damals ahnte er nicht, dass die Burg ein paar Jahre später mit dazu beitrug, das Ende seiner glorreichen Ära einzuläuten. Beim Rückzug von der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 war ihm das schlesische Heer auf den Fersen. Die Rede ist von der grandiosen Rheinüberquerung in Kaub. Über eine Pontonbrücke gelang es dem preußischen Generalfeldmarschall Blücher in der ersten Januarwoche 1814, in nur fünf Tagen sein gesamtes Heer mit rund 50.000 Soldaten, 15.000 Pferden und 182 Geschützen bei eisiger Winterkälte von Kaub auf die Bacharacher Uferseite zu bringen.

Für den Bau der Brücke musste auch so manche Tür und mancher Fensterladen aus Kaub herhalten, die mit Leinwandpontons zu einer Brücke zusammengezurrt wurden. Für die Bevölkerung bedeutete diese Aktion manche Entbehrung. Das vornehme Barockpalais, in dem sich damals der Gasthof „Zur Stadt Mannheim“ befand, ist seit 1913 das Blüchermuseum. Der legendäre preußische Feldherr bewohnte dort die Privaträume des Kommerzienrates und Besitzers Johann Daniel Kilp. Im Museum ist die Rheinüberquerung mit Zinnsoldaten nachgestellt, und es gibt persönliche Dinge Blüchers zu sehen. Auch viele Einrichtungsgegenstände, Tapeten und Öfen aus der Zeit blieben erhalten.

Mit dem Kombiticket, das den Eintritt ins Museum und in die Burg Pfalzgrafenstein sowie die Fährüberfahrt enthält, kann man ab dem 30. März auf die Spur von Blücher und seiner legendären Rheinüberquerung gehen. Es kostet für Erwachsene 9,50 Euro und für Kinder 5,50 Euro. Die Burg Pfalzgrafenstein hält keinen Winterschlaf und kann schon jetzt an den Wochenenden von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Heidrun Braun

Info: Romantischer Rhein Tourismus GmbH, „An der Königsbach“ 8, Koblenz, Telefon 0261/ 973 84 70, www.romantischer-rhein.de

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