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    Moralische Abgründe

    Millionen-Provisionen und Steuerflucht: Während sich im Profifußball einmal mehr Abgründe auftun, gibt es auch Protagonisten, die ein Gegengewicht bilden. Zum Freiburgs Trainer Christian Streich.

    Klaus Reimann.
    Klaus Reimann.

    Klaus Reimann blickt auf den Spieltag zurück

    Über die moralischen Abgründe des Profifußballs ist an dieser Stelle schon des Öfteren berichtet worden. Aber schlimmer geht bekanntlich immer. Nicht, dass die finanziellen Abgründe, die sich nach den vom Magazin "Spiegel" veröffentlichten Daten der Enthüllungsplattform "Football Leaks" dieser Tage auftun, noch irgendjemand ernsthaft verwundern würden. Gleichwohl ist unsereiner doch immer wieder bass erstaunt über die Unverfrorenheit, mit der sich die Protagonisten bei diesem Kicker-Monopoly die Millionen zuschieben.

    Es geht um geradezu obszöne Spielergehälter, um fragwürdige Bonuszahlungen, um exorbitante Beraterhonorare und auch um die Flüchtlingsproblematik - freilich eine der etwas anderen Art: Die Flucht der balltretenden Millionarios in die Steueroasen dieser Welt. Wie gesagt, die üblichen Auswüchse des an Kopf und Gliedern kranken Systems Profifußball. Und doch treibt der Exzess immer neue, seltsame Blüten. Nicht zuletzt auch in der von uns so heiß geleakten, äh, geliebten Bundesliga.

    Im Hause des Leverkusener Profis Julian Brandt beispielsweise bleibt die Kohle im besten Wortsinne in der Familie. Bayer Leverkusen nahm Vater Jürgen 2013 als Spielerberater unter Vertrag. Damals spielte der Filius noch beim VfL Wolfsburg. Vater Jürgen sollte Sohn Julian nach Leverkusen vermitteln. Kam dann ja auch so. Honorar für Jürgen Brandt: 300 000 Euro. Zudem soll der Herr Papa bis zu eine Viertelmillion Euro für jede Saison erhalten, die Sohn Julian bei Bayer spielt - bislang sind das nach "Spiegel"-Berechnungen 1,135 Millionen Euro.

    Werder Bremen soll nach Angaben des "Spiegel" 2009 für die Vertragsverlängerung mit dem Spieler Naldo 450 000 Euro an zwei Spielerberater überwiesen haben, deren Firma im Steuerparadies Virgin Islands ansässig war. Für die Vertragsverlängerung von Toni Kroos in Madrid kassierte die Agentur seines Beraters die stolze Summe von 5 Millionen Euro. So ließe sich die Reihe der finanziellen Obszönitäten beliebig fortsetzen. Und noch sind längst nicht alle Daten der Enthüllungsplattform ausgewertet. Fortsetzung folgt.

    Gibt es irgendetwas, das Hoffnung macht in diesem Sumpf aus illegalen Zahlungen und findigen Geldverstecken? Gibt es. Vergangene Woche hatte diese Hoffnung einen Namen: Christian Streich. Der Freiburger Trainer ist bekannt für seine kritischen Worte zu Themen, die über den Tellerrand des Fußballs hinausgehen. Dieses Mal setzte er zu einer Brandrede gegen Rassismus und Fremdenhass an. Weil er den Generalverdacht gegen Afghanen im Besonderen und Flüchtlinge im Allgemeinen für unerträglich hält, nachdem in Freiburg eine Studentin mutmaßlich von einem 17-jährigen Afghanen vergewaltigt und getötet wurde. "Wir kennen das ja aus diesem Land. Das Unfassbare, was hier passiert ist", sagte Streich und erinnerte an Zeiten, in denen die Juden zum Sündenbock gemacht wurden. Er zeigte sich schockiert darüber, wie viel Hass diese Tat ausgelöst hat. "Ich habe Angst", bekannte der Trainer. Moralische Abgründe kennt eben nicht nur der Fußball.

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