Fast 1900 erkrankten seit Anfang Juli an Borreliose
Rheinland-Pfalz - Seit Einführung der Meldepflicht für die Zeckenerkrankung Borreliose Anfang Juli dieses Jahres wurden beim Landesuntersuchungsamt (LUA) insgesamt 1874 Erkrankungen gemeldet. Das sind deutlich mehr als im gesamten vergangenen Jahr.
Die Zahl der Fälle in 2010 schätzt das LUA auf 1400 bis 1500. Bei den Erkrankungen in diesem Jahr handelt es sich laut LUA ganz überwiegend (1663 Fälle) um das klinische Bild einer sogenannten Wanderröte, dem „Erythema migrans“. Die restlichen Meldungen betreffen Neuroborreliosen und Lyme-Arthiritis. In keinem der Fälle mussten die Patienten nach Angaben des LUA stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Außerdem gab es keinen Todesfall durch Borreliose.
Besonders viele Borreliose-Erkrankungen gab es in den ländlichen Gebieten im nördlichen Rheinland-Pfalz: Spitzenreiter ist der Westerwaldkreis mit 152 Fällen, gefolgt vom Rhein-Hunsrück-Kreis mit 140 Fällen und dem Landkreis Bad Kreuznach mit 138 gemeldeten Erkrankungen. Ebenfalls dreistellige Fallzahlen erreicht der Kreis Neuwied (118), der Rhein-Lahn-Kreis (108) sowie der Kreis Birkenfeld (100). In Koblenz sind es indes nur 36 Fälle, in Mainz 12 und in Trier 45.
Laut LUA-Sprecherin Kerstin Stiefel liegen "die bisherigen Meldezahlen deutlich über denen, die aufgrund der Meldungen aus den neuen Ländern, in denen Borreliose auch in der Vergangenheit schon meldepflichtig war, zu erwarten waren". Die Ursachen dafür sind laut der Sprecherin noch unklar. Im Mainzer Gesundheitsministerium geht man davon aus, dass es drei bis vier Jahren braucht, ehe man nach der Ausrufung der Meldepflicht sichere Aussagen über die Entwicklung der Borreliose in Rheinland-Pfalz machen kann. Als mögliche Ursachen für die hohen Borreliose-Zahlen in diesem Jahr vermutet LUA-Sprecherin Stiefel "die intensive Information der Fachöffentlichkeit im Zusammenhang mit der Einführung der Meldepflicht und eine hohe und erfreuliche Mitwirkungsbereitschaft der Ärzteschaft und Gesundheitsämter". Außerdem sei die Meldepflicht "in einer Jahreszeit inkraftgetreten, in der eine saisonale Häfung zu erwarten ist, sodass sich die Zahlen im Jahresmittel voraussichtlich wieder anders darstellen werden".
Bevor das Landesuntersuchungsamt jetzt die offiziellen Borreliose-Zahlen auf Nachfrage der Rhein-Zeitung vermeldete, hatte es bei Selbsthilfegruppen im Land Irritationen gegeben. Hintergrund war, dass die Borreliose-Zahlen Anfang September plötzlich aus den statistischen Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts (RKI) verschwunden waren. Sowohl das RKI als auch das Mainzer Gesundheitsministerium widersprachen jedoch Behauptungen, wonach die Zahlen vertuscht werden sollten. Tatsächlich habe das Landesuntersuchungsamt die Rohdaten direkt an das RKI weitergegeben. Dies sei jedoch anders vereinbart worden. Deshalb, erklärt das Gesundheitsministerium, habe man die Rohdaten zunächst auf ihre Plausibilität prüfen müssen und daher zurückgezogen. Daher seien die Daten vorübergehend über die statistische Datenbank des RKI nicht mehr abrufbar gewesen. Dies soll jedoch in Kürze unter der Adresse http://www3.rki.de/SurvStat/ wieder möglich sein.
Von unserem Redakteur Christian Kunst




















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