Nürburgring: Freikarten für Formel 1 sieht Korruptionsexperte kritisch
Nürburgring. Mit einer großzügigen Geste überraschte die Nürburgring Automotive GmbH im Vorfeld des Formel-1-Rennens die Ortsbürgermeister in den umliegenden Gemeinden und brachte sie gleichzeitig in Verlegenheit.
Sie spendierte pro Dorf jeweils zehn Freikarten im Wert von mehr als 265 Euro pro Karte für das Rennwochenende mit der Maßgabe, sie an verdiente Bürger zu verteilen. Nach Informationen der Nürburgring Automotive waren es insgesamt 1000 Karten, die aber nicht in die Verkaufsstatistik und -kalkulation eingeflossen sind. Nach Auskunft von Pressesprecherin Stefanie Hohn handelte es sich um eine „gut gemeinte Aktion“ mit dem Ansinnen, den Menschen in der Region etwas zurückzugeben.
Kritik vom Korruptionsexperten
Strafrechtlich kritisch bewertet das allerdings der von der RZ zu dieser Geschenkaktion befragte Wolfgang J. Schaupensteiner aus Oberursel, einst bundesweit erster Korruptionsstaatsanwalt und nach seiner Zeit als Korruptionsbeauftragter der Deutschen Bahn heute selbständiger Berater.
Einem Amtsträger dürften keine geldwerten Vorteile gewährt werden, weder ihm selbst noch über ihn an Dritte. Auch die rheinland-pfälzische Gemeindeordnung (PDF) schreibt in Paragraf 94 vor: Über die Annahme oder Vermittlung von Sponsoringleistungen, Schenkungen und ähnlichen Zuwendungen entscheidet der Gemeinderat. Ein entsprechendes Angebot ist „der Aufsichtsbehörde unverzüglich anzuzeigen“.
Nachdem das Windkraftunternehmen Provento 5000 Mark im Taunusörtchen Allendorf für den örtlichen Spielplatz an die Gemeindekasse spendete, wurde die Justiz hellhörig. Insgesamt hatte die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Spenden von Provento gegen 15 Bürgermeister aus Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg wegen Vorteilsnahme ermittelt. Die meisten Verfahren waren gegen Geldzahlungen eingestellt worden.
Vielleicht ist auch vor dem Hintergrund die Gemeinde Nürburg selbst leer ausgegangen. Deren Ortsbürgermeister Reinhold Schüssler ist aber auch in der Vergangenheit mit kritischen Äußerungen zu dem Ring-Management aufgefallen. „Ich habe davon gehört“, sagt Schüssler gegenüber unserer Zeitung zur Freikartenaktion. Er ergänzt aber auch: „Selbst wenn ich Karten bekommen hätte, wären sie wieder zurückgeschickt worden.“




















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