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    Koblenz/RegionMitarbeiterflut bei Amazon in Koblenz

    350 neue Mitarbeiter werden bei Amazon am Koblenzer Kreuz eingestellt - allein in dieser Woche. In der nächsten Woche kommen noch einmal 350 hinzu.

    In den zahllosen Regalreihen im Amazon-Logistikzentrum sammeln jetzt mehr als doppelt so viele Mitarbeiter die bestellten Waren ein: Für das Saisongeschäft wurden Hunderte zusätzliche Kräfte befristet eingestellt.
    In den zahllosen Regalreihen im Amazon-Logistikzentrum sammeln jetzt mehr als doppelt so viele Mitarbeiter die bestellten Waren ein: Für das Saisongeschäft wurden Hunderte zusätzliche Kräfte befristet eingestellt.
    Foto: Sascha Ditscher

    Insgesamt 4100 Menschen werden dann in der Weihnachtszeit die Päckchen für die deutschen Kunden packen, sagt Standortleiter Gregory Bryan im Pressegespräch. 2012 - in der ersten Weihnachtssaison im neuen Logistikzentrum - waren es noch knapp 3000.

    Nun arbeiten mehr als doppelt so viele Menschen bei Amazon in Koblenz wie zu "normalen" Zeiten. Dann sind um die 1800 Männer und Frauen damit beschäftigt, Waren in Empfang zu nehmen, in 450 000 Fächer in endlosen Regalreihen oder auf 7000 Paletten zu räumen, die bestellten Waren wieder herauszusuchen, einzupacken und zu verschicken. Während an anderen Standorten gestreikt wird, läuft der Betrieb in Koblenz auf Hochtouren. 3,9 Millionen Artikel - 45 pro Sekunde - wurden am umsatzstärksten Tag 2012, dem 16. Dezember, von den deutschen Logistikzentren versandt. 40 bis 50 Lastwagen bringen zurzeit pro Tag neue Waren nach Koblenz, in zwei Wochen werden es 50 bis 70 sein.

    Das bedeutet Stress für die Mitarbeiter, die laut Betriebsrat viele Überstunden machen und die zahlreichen Kollegen auf Zeit einarbeiten müssen. Bei einigen praktischen Problemen hat man Abhilfe geschaffen, sagt Gregory Bryan: Der Busfahrplan wurde angepasst, ein zusätzliches Kantinenzelt aufgebaut, die Pausenregelung überarbeitet. 1000 neue Parkplätze werden derzeit nebenan gebaut, die für viele problematische Fahrgemeinschaftspflicht wird aufgehoben.

    Einige der neuen Mitarbeiter sind schon seit dem Sommer dabei, als kilometerlange Fließbänder eingebaut wurden, die das gesamte Logistikzentrum durchziehen und die Waren von einer Abteilung in die andere transportieren. Für die Einführung brauchte Amazon zusätzliche Kräfte, die aber ebenfalls nicht dauerhaft bleiben können: "Teils laufen die Verträge bis Ende Dezember, teils bis Ende Februar", sagt Bryan zu den Mitarbeitern auf Zeit, die momentan die Hallen füllen. "Das ist nun mal die Realität: Wir haben ein Saisongeschäft."

    Auch von den rund 1800 Mitarbeitern, die der Onlineversandhändler zuletzt dauerhaft beschäftigt hat, haben nur knapp 1200 einen unbefristeten Vertrag, das sind etwa 67 Prozent. Als Ziel gibt Amazon eine Quote von 80 Prozent an. Die Entfristung möglichst vieler Verträge ist denn auch ein vorrangiges Ziel des Betriebsrats. "Wir führen fast täglich Gespräche mit dem Personal- oder Standortleiter, viele wurden schon entfristet", sagt der Vorsitzende Reimar Flöck. Als "reine Willkür" kritisiert hingegen Gewerkschaftssekretärin Angela Bankert, bei Verdi zuständig für Amazon, die Entscheidung über Be- oder Entfristung. Befristete Verträge würden dafür genutzt, den Druck auf Beschäftigte aufrechtzuerhalten. "Da werden akkordähnliche Leistungen verlangt." Tatsächlich werden die Leistungen erfasst und am Abteilungsschnitt gemessen. "Wenn der Wert darunter liegt, wollen wir wissen, warum", sagt Bryan. "Wir verlangen Leistung von den Mitarbeitern."

    90 Prozent der Mitarbeiter sind über die Agentur für Arbeit vermittelt worden, knapp 400 werden jetzt noch über Zeitarbeitsfirmen rekrutiert, so der Standortleiter. Diese verdienen Bryan zufolge das Gleiche wie die anderen Einsteiger: 9,90 Euro pro Stunde plus Bonus. Bei denen, die vor Juni eingestellt wurden, kommen neuerdings noch 400 bis 600 Euro Weihnachtsgeld sowie Aktien hinzu. Die Durchschnittseinkünfte liegen bei insgesamt 1800 Euro im Monat. Unterkünfte für die Saisonkräfte, die für Negativschlagzeilen gesorgt hatten, werden übrigens nicht mehr gestellt. "Wir brauchen keine mehr, alle unsere Mitarbeiter kommen aus der Region", sagt Sprecher Stefan Rupp.

    Bei Amazon in Bad Hersfeld und Leipzig wird derweil für einen Tarifvertrag gestreikt. In Koblenz ist dies aktuell kein Thema. "Wir sind seit einem Jahr hier, da gibt es erst mal andere Themen", sagt Flöck. Verdi will zwar auch hier erreichen, dass nach Tarif gezahlt wird, "aber wir sind noch nicht so weit für einen Streik", sagt Bankert. "Wir müssen noch aktionsfähig werden."

    Mehr Fotos sehen Sie auf rhein-zeitung.de/koblenz

    Stephanie Mersmann

    Wirtschaft
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