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    KoblenzLehre für 23-Jährigen: Von Valencia in eine Koblenzer Backstube

    Bäcker ist Joan Serra Antonis Traumberuf. Dass sein Lehrbetrieb knapp 1700 Kilometer von zu Hause entfernt sein würde, hatte sich der junge Mann aus dem spanischen Valencia nach Abschluss der Schule allerdings nicht vorgestellt.

    Joan Serra Antoni (von links) lässt sich in seinem neuen Ausbildungsbetrieb "Klein’s Backstüffje" in der Koblenzer Altstadt von seinen prominenten Besuchern über die Schulter schauen: Dolmetscher und Seniorexperte Dr. Jürgen Hübbe, Bernd Hammes, Heidrun Schulz, Ulrike Mohrs und Frank Klein.
    Joan Serra Antoni (von links) lässt sich in seinem neuen Ausbildungsbetrieb "Klein’s Backstüffje" in der Koblenzer Altstadt von seinen prominenten Besuchern über die Schulter schauen: Dolmetscher und Seniorexperte Dr. Jürgen Hübbe, Bernd Hammes, Heidrun Schulz, Ulrike Mohrs und Frank Klein.
    Foto: honorarfrei

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die die Arbeitslosigkeit in seiner Heimat in den letzten Jahren steil ansteigen ließ, hat jedoch genau dies bewirkt: Gerade hat der 23-Jährige bei "Klein’s Backstüffje" in der Koblenzer Altstadt seinen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Er ist damit einer von 30 jungen Spaniern, die seit Sommer 2013 eine Handwerkerausbildung im Bezirk der Handwerkskammer Koblenz aufgenommen haben oder dies in den nächsten Monaten noch tun werden.

    Drei Monate sollte sein Praktikum dauern, dann wollte sein Chef Frank Klein endgültig entscheiden, ob er es mit dem 23-Jährigen versuchen will. Doch für den Innungsmeister steht schon nach vier Tagen fest: Joan passt hervorragend in das kleine Team - deshalb wird auch gleich der Ausbildungsvertrag unterzeichnet. Ein Wagnis, räumt Kleins Frau, Ina Balthasar, ein. Aber ein kalkulierbares. "Wir bilden seit vielen Jahren aus und geben auch immer wieder solchen jungen Leuten eine Chance, die beim Blick aufs Zeugnis nicht unbedingt überzeugen konnten. Da entwickelt man mit der Zeit ein gutes Gespür dafür, wer passt."

    Mit insgesamt 33 Angestellten, von denen 13 noch in der Ausbildung sind, und drei Standorten in Koblenz, gehört der Betrieb zu den Kleinen der Branche. "Da muss man sich was einfallen lassen, um genügend Fachkräfte zu bekommen", weiß Frank Klein. Dass es schwieriger wird, auf dem Markt den passenden Nachwuchs zu finden, haben die Bäckersleute längst festgestellt - und begegnen der Herausforderung mit Mut und Kreativität. Dazu gehört nicht nur das Aufbrechen verwurzelter Rollenklischees: Im "Backstüffje" stehen überwiegend Frauen am Ofen, während die Kunden vorn im Laden auch schon mal von einem männlichen Verkäufer bedient werden.

    Klein und Balthasar kooperieren auch gern mit Kammer und Arbeitsagentur, sei es nun beim Spanienprojekt, als Partner in der außerbetrieblichen Ausbildung und der Einstiegsqualifizierung oder als Arbeitgeber für schwerbehinderte Menschen und Migranten. "Das Wichtigste ist, dass ein neuer Mitarbeiter engagiert ist und gut ins Team passt", erklärt Ina Balthasar. So wie Joan. Der versteht zwar längst noch nicht alles, was um ihn herum gesprochen wird, aber von seiner Stelle und den neuen Kollegen ist er bereits begeistert. Wie es nach der Ausbildung weitergehen soll, kann er allerdings noch nichts sagen.

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