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    WingendorfGärtner mit Hackschnitzelanlage: Ein Vorbild fürs Gewerbe

    Der Wingendorfer Gärtner Schlechtriemen hat 170.000 Euro in eine Hackschnitzelanlage investiert. Mit der regenerativen Energiegewinnung ist er Vorbild für Unternehmen im Kreis Altenkirchen.

    Die neue Hackschnitzelanlage der Gärtnerei Schlechtiremen in Wingendorf ist Vorbild-Signal für den Kreis.
    Die neue Hackschnitzelanlage der Gärtnerei Schlechtiremen in Wingendorf ist Vorbild-Signal für den Kreis.
    Foto: Peter Seel

    Von unserem Redakteur Peter Seel

    Längst heizen kommunale Einrichtungen wie die IGS Horhausen, das Betzdorfer Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Daadens Hermann-Gmeiner-Realschule, das Seniorenheim in Friesenhagen oder der Nahwärmeverbund Glockenspitze in Altenkirchen mit Hackschnitzeln - jetzt hat sich als eines der ersten im Kreis ein Unternehmen für eine solche Anlage der regenerativen Energiegewinnung entschieden: Rund 170 000 Euro hat Rainer Schlechtriemen von der gleichnamigen Gärtnerei in Wehbach-Wingendorf dafür investiert. Seine neue Hackschnitzelanlage wurde am Mittwoch vorgestellt und kann - nach mehreren gelungenen Testläufen - in den ersten kühlen Herbsttagen ihren Betrieb aufnehmen. Dass sie für den Kreis ein Vorbild-Signal darstellt, demonstrierten Landrat Michael Lieber, Oliver Schrei von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des AK-Landes und Lars Kober als Klimaschutzreferent des Kreises durch ihre Anwesenheit.

    "Diese Technologie rückt mehr und mehr in den Fokus, weil sie immer ausgereifter wird", erklärte Lieber, "die Anlage hier ist ein gutes Beispiel für andere Gewerbebetriebe im Kreis." Und Lars Kober fügt an: "Eine 300-Kilowatt-Anlage baut man nicht einfach so, das ist schon ein großes Projekt - und sollte andere Unternehmen ermuntern, sich zumindest mal mit der Technik auseinanderzusetzen und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung machen zu lassen."

    Zwischen 20 und 30 Einfamilienhäuser könnte mit der Anlage beheizt werden, schätzt Ingenieur Werner Klein (WFK Energiekonzepte, Marburg) und macht auf die finanziellen Aspekte aufmerksam: Nicht nur, dass die KFW-Bank solche Projekte fördert und zinsgünstige Darlehen vergibt - Rainer Schlechtriemen: "Die haben uns sehr geholfen!" Auch zahle sich die im Vergleich zu Gas- und Ölheizungen höhere Investition mit den Jahren aus. Zum Vergleich erklärt Klein: "Zweieinhalb Kilo Hackschnitzel ersetzen etwa einen Liter Heizöl. Der Liter liegt derzeit bei 80 Cent, die zweieinhalb Kilo Hackschnitzel kosten nur rund ein Drittel davon." Und da beim Rohstoff Holz bei Weitem nicht mit Preissteigerungen zu rechnen sei wie bei Öl und Gas, fügt er hinzu: "Ab einem Heizölverbrauch von 20 000 Litern im Jahr lohnt sich eine Hackschnitzelanlage in jedem Fall auch für Gewerbebetriebe."

    Mit der neuen Anlage beheizt Schlechtriemen nicht nur seine Gärtnerei und Treibhäuser mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern, sondern auch ein Einfamilien- und ein Dreifamilienhaus. "Die alte Heizungsanlage war völlig überholt", sagt er, "und eine Investition war ohnehin unvermeidlich. Die Kosten waren zwar wesentlich höher als bei Öl oder Gas, aber die Anlage macht sich langfristig bezahlt." Ganz klar gab es für den Unternehmer auch das Argument, nachhaltig mit Ressourcen wirtschaften zu wollen: "Als Gärtner habe ich mich auf jeden Fall auch der Umwelt zuliebe für diese Anlage entschieden."

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