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    Kreis AhrweilerEnergiewende: Betriebe kompensieren Kosten

    Die Energiewende wird nicht zum Nulltarif zu haben sein. Der deutsche Mittelstand erwartet steigende Kosten. Unsere Zeitung befragte im Kreis Ahrweiler Vertreter verschiedener Branchen zu den Konsequenzen des Ausstiegs aus der Kernenergie für ihr Unternehmen, darunter die Marienhaus GmbH, die Kliniken Bad Neuenahr GmbH, der Privatbrunnen Tönissteiner Sprudel und das Unternehmen Akro-Plastic aus Niederzissen.

    Windpark
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    Foto: dpa

    Kreis Ahrweiler - Die Energiewende wird nicht zum Nulltarif zu haben sein. Der deutsche Mittelstand erwartet steigende Kosten. Unsere Zeitung befragte im Kreis Ahrweiler Vertreter verschiedener Branchen zu den Konsequenzen des Ausstiegs aus der Kernenergie für ihr Unternehmen, darunter die Marienhaus GmbH, die Kliniken Bad Neuenahr GmbH, der Privatbrunnen Tönissteiner Sprudel und das Unternehmen Akro-Plastic aus Niederzissen.

    Was bedeutet es für das Unternehmen, wenn die Energiepreise steigen?

    Tilmann Kerstiens vom Mineralbrunnen fasst die Konsequenzen in einem Satz zusammen: „Für uns bleibt als Lösung nur das Sparen.“ Die Branche stehe durch gestiegene Preise für Konzentrate, Zucker oder Personal ohnehin schon unter einem besonders hohen Kostendruck, der ebenso wenig wie anziehende Energiepreise an den Handel und damit an den Endverbraucher weitergereicht werden könne. „Da wir auch bei den Rückerstattungsmöglichkeiten der Stromsteuer inzwischen schlechter gestellt werden als in den vergangenen Jahren, ist auch hier eine indirekte Kostensteigerung spürbar.“

    Andreas Stuber, Geschäftsführer der Akro-Plastic GmbH, sieht in steigenden Energiekosten einen großen Wettbewerbsnachteil. „Die Compoundierung (Aufbereitung) von Kunststoffen ist sehr energieintensiv. Große Produzenten haben deutliche Vorteile, da sie zum Teil mit den Versorgern günstigere Verträge abschließen können und durch die Bundesregierung subventioniert werden. Importware aus dem Ausland, wo die Energiepreise deutlich geringer sind, bedeutet weiteren Druck auf den deutschen und europäischen Markt.

    Wie reagieren Unternehmen auf die angekündigte Energiewende?

    Akro-Plastic sieht kaum sinnvolle alternative Möglichkeiten: „Wir sind auf eine gleichmäßige und dauerhaft zuverlässige Energieversorgung in großen Mengen angewiesen, sodass alternative Energiegewinnungsmöglichkeiten an unserem Standort in Niederzissen leider nicht möglich sind“, erklärt Stuber.

    Für die Kliniken Bad Neuenahr berichtet der geschäftsführende Gesellschafter, Günter Kill, dass langfristige Verträge mit einem großen Versorger abgeschlossen wurden. Im Visier dabei: der günstigste Anbieter. Die Ahrtal-Werke waren dagegen für ihn kein Thema. Auf eine Gesprächsanfrage habe das Unternehmen nicht reagiert, so Kill. Von einer Wärmedämmung der problematischen Hochhausfassade habe man abgesehen. Sie würde sechs Millionen Euro kosten. Einspareffekt: 25 Prozent der Energiekosten. „Erst nach 100 Jahren würde sich diese Investition amortisieren.“

    Das Krankenhaus Maria Hilf investiert bei der aktuellen Sanierung auch in energetische Maßnahmen für die Gebäudehülle, hat sich aber bereits vor Fukushima dem Thema gestellt: Mit vorhandener Technik und günstigen Installationen schaffte es das Krankenhaus, vor allem seine Heizkosten entscheidend zu senken. Ein Beispiel: Gekippte Fenster bei laufender Heizung gehören der Vergangenheit an, denn über eingebaute Fensterkontakte reduziert sich nun die Heizleistung, wenn das Fenster geöffnet ist. Dafür wurde das Haus mit dem Umweltpreis der St.-Franziskus-Umweltstiftung ausgezeichnet. Das Krankenhaus St. Josef in Adenau ist seit 2009 außerdem an eine Hackschnitzelanlage zur Nahwärmeerzeugung angeschlossen, die auf eine langfristige Versorgung mit regionalem Holz setzt.

    Gibt es ein Energiemanagement im Unternehmen?

    Akro-Plastic ist bereits seit etlichen Jahren nach ISO 14001 zertifiziert, einer Norm, die auch ein Energiemanagement fordert. Darin eingeschlossen ist eine Gebäudeleittechnik sowohl für die Produktion als auch für das Verwaltungsgebäude.

    Energieberatung ist in den Kliniken Bad Neuenahr inzwischen ein eigenes Segment. „Ohne Energieberater geht es nicht mehr“, erklärt Günter Kill. In der Summe seien es oft Kleinigkeiten, die Energiespareffekte bringen wie Bewegungsmelder für Licht oder Sparlampen.

    Der Privatbrunnen Tönissteiner ist derzeit dabei, zahlreiche Energiemessgeräte in den verschiedenen Verbrauchsstellen einzubauen. „Messen heißt wissen“, meint Tilmann Kerstins. „So wird es möglich, an zahlreichen kleinen Stellschrauben zu drehen und die Energieverbräuche zu optimieren.“

    Denken Betriebe über neue Lösungen für die Zukunft nach?

    „Wir haben bereits 2005 die Zeichen der Zeit erkannt und in China einen Produktionsstandort gegründet. 2010 haben wir die Produktionskapazität mit dem Umzug an einen neuen, größeren Standort bereits verdoppelt. Das Werk ist auf Wachstum ausgelegt“, berichtet Andreas Stuber.

    Der Privatbrunnen Tönisstein will über intelligente Möglichkeiten nachdenken, um den Verbrauch zu reduzieren. „Wir haben beispielsweise beim Thema Drucklufterzeugung (einer der großen Energiefresser) in den vergangenen Monaten eine Lösung gefunden, indem wir in modernere Kompressoren investiert haben, die kaskadenförmig durch eine spezielle Steuerung zugeschaltet werden“, so Tilmann Kerstins.

    Über den Bau eigener Blockheizkraftwerke denken sowohl die Marienhaus GmbH für das Krankenhaus Maria Hilf nach als auch die Kliniken Bad Neuenahr. „Wir planen in diesem Bereich eine größere Investition“, verriet Günter Kill für die Kliniken.

    Von unserer Redakteurin Beate Au

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