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  • Rheinland-PfalzE-Auto-Alltagstest: Jede Fahrt im E-Mobil ein Organisationsakt [mit Video]

    Kann man mit einem Elektroauto durch den Alltag kommen? Diese Frage klären wir mit einem Praxistest: Fünf Familien aus unserer Region fahren zwei Wochen lang elektrisch durchs Land und berichten über ihre Erfahrungen. Wir besuchen jede von ihnen und fragen nach ihren Eindrücken. Heute: Harald Skär, 51, Pressesprecher der Kreisverwaltung in Bad Kreuznach.

    Foto: Stefan Munzlinger

    Vorsicht vor der Bleifuß-Technik

    Er fährt einen E-Up von VW mit 60 KW (82 PS), wichtiger noch: Die Batterie des Kleinwägelchens mit vier Türen hat ein Speichervolumen von 18,7 kWh, was ihn bei errechneten 12,7 kWh Verbrauch auf 100 Kilometern theoretisch etwa 150 Kilometer weit bringen kann.

    Wenn, ja wenn man keine Berge vor der Nase hat, keine großen Verbraucher wie die Klimaanlage laufen und man diszipliniert zwischen 80 und 100 km/h fährt. Und: wenn die Reichweiten-Angabe tatsächlich stimmt. Eine kurze Steigung, und schon nimmt das Stromreservoir der Batterie ruck, zuck ab.

    Schon bei der ersten Fahrt zu Testbeginn von Koblenz in sein 260 Einwohner kleines und 100 Kilometer entferntes Heimatdorf Bärweiler im Kreis Kreuznach musste er, trotz moderater Geschwindigkeit, wenige Kilometer vorm Ziel an der Tankstelle des Waldböckelheimers Karl-Werner Kaul Strom nachladen - an einer Haushaltssteckdose. Eine Stunde laden für etwas mehr als zehn Kilometer Reichweite. Schon das nervte ziemlich.

    Die Liste der Einschränkungen im E-Up, um auf eine passable Reichweite zu kommen, ist lang. Zu lang, wie Harald Skär nach fünf Tagen seines Praxistests findet. Ja, er ist ernüchtert, bestieg das 1,2 Tonnen schwere Gefährt als glühender E-Mobil-Fan, der schon konkret den Kauf eines solchen Autos erwogen hatte. Mittlerweile denkt er ein wenig anders über das Fahren ohne Verbrenner. Der Grund liegt im Emotionalen, nicht im Rationalen. Keinen Schadstoffausstoß zu verursachen: Das macht ein gutes Gefühl. Auch der grandiose Anzug, die Qualität, das Handling des Wagens. Alles top! Andererseits immer dem Reichweiten-Stress ausgesetzt zu sein? Das macht jede Fahrt zum Organisationsakt. Und damit zu einer Belastung: "Wenn ich meinen RAV 4 abends abstelle, ist das Thema Auto für mich erledigt", sagt der gelernte Autoschlosser, "völlig anders beim E-Mobil. Da muss ich mir Gedanken um jede Fahrt machen." Alles will geplant sein. Schade, der überzeugte E-Mobil-Fan freute sich, von weit über 1100 Teilnehmern einer der Fünf zu sein, die für den 14-Tage-Test ausgelost wurden.

    Dass E-Mobil nicht gleich Verbrenner ist, das wusste er wohl. Doch die Realität der Reichweiten-Problematik hatte er sich dann doch so grau nicht vorgestellt. "Mein ideales E-Auto fährt von Bärweiler bis München, und zwar in einem Durchgang, ohne zu laden. Das wäre ideal und ein Grund, einen solchen nicht gerade billigen Wagen zu kaufen." Dann, so Harald Skär, schrumpfe auch die Problematik des momentan noch lückenhaften Ladestationennetzes.

    16.000 Euro? Das wäre okay!

    Bei 20.000 Euro sieht unser Tester die halbwegs verträgliche Obergrenze für E-Mobile. Die gemeinsame Prämie von Bund und Hersteller, 4000 Euro, abgezogen, blieben 16.000 Euro für den automobilen Stromer: "Das wäre okay."

    Jetzt gilt's, genau zu rechnen. Der 31. Oktober ist minutiös geplant. Dann geben alle fünf Test-Familien ihre Autos in Koblenz wieder ab. Für den in Bad Kreuznach startenden Harald Skär heißt das: "Ich fahre nicht über die Moselbrücke bei Winningen, sondern die Karthause hinunter." Zum einen, weil diese Strecke 79 Kilometer und damit sechs Kilometer kürzer ist. Und zum anderen, weil durch das Bergabfahren mit der Rekuperation, wenn der Motor bremsend wie ein Dynamo die Batterie mit Strom speist, wertvolle Kilometer Reichweite hinzukommen. Das schont die Umwelt - und die Nerven.

    Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

     

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