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    Teures Vergnügen: „Einmol Prinz zo sin“

    Rheinland-Pfalz/Koblenz - Viele Karnevalsgesellschaften klagen über zunehmende finanzielle Belastungen. Auch die Suche nach Prinzen und Prinzessinnen ist nicht einfach. Denn auf Prinzenpaare kommen oft mehrere Tausend Euro Kosten zu.

    „Bis zu 15 000 Euro muss das Prinzenpaar ansparen. Wenn man wirklich will, ist es auch erschwinglich.“
    „Bis zu 15 000 Euro muss das Prinzenpaar ansparen. Wenn man wirklich will, ist es auch erschwinglich.“

    Von Jennifer de Luca

    In Wagen eins der Prinzenflotte wird noch schnell die Frisur gerichtet, Wagen drei macht sich über eine Packung Kekse her. Im Eiltempo geht es durch die Stadt zum nächsten Auftritt, für lange Pausen bleibt keine Zeit. Kurzes Innehalten vor der Hallentür, die Gruppen des Gefolges sortieren sich, der Prinz geht als Letztes. Dann der Einmarsch: Im Laufschritt durch die jubelnde Menge im Saal, rauf auf die Bühne. Jeder weiß, wo er hingehört, es soll ja schön aussehen, die Kostüme und Uniformen sollen zur Geltung kommen. „Olau“ rufen, gute Laune versprühen, Grußworte sprechen, Orden verleihen und bützen. Dann geht es wieder an der jubelnden Menge vorbei, rein in die Autos und auf zum nächsten Termin.

    Wenn am 11.11. um 11.11 Uhr der Startschuss für die fünfte Jahreszeit fällt, stehen bis Aschermittwoch für den Koblenzer Prinzen und sein Gefolge mehr als 350 Termine an. Mit viel Unterstützung von Verein, Arbeitgeber und Familie ist das zu stemmen. Doch vielerorts schauen die Karnevalsprinzen traurig in ihr Portemonnaie. Denn für ihren Traum, „einmol Prinz zo sin“, wie Wicky Junggeburth es 1993 interpretierte, legen sie oft fünfstellige Beträge auf den Tisch. Je nach Material schlagen das Prinzenornat, die Kappe mit den Pfauenfedern, Schuhe, Handschuhe und Geschenke für das Gefolge schnell mit rund 10 000 Euro zu Buche.

    In Köln sollen es gerüchteweise rund 100 000 Euro sein, die ein Prinz für seinen Traum ausgeben muss. Auch die Prinzessinnen müssen vor ihrer Session sparen, denn Schuhe und Kleider, Blumen und Frisur gibt es auch bei ihnen nicht kostenlos. Spaß am Schunkeln allein reicht also nicht aus, um Prinz zu werden. Die härteste Arbeit liegt darin, Sponsoren zu finden, die den Traum Wirklichkeit werden lassen können. Doch auch die Geldgeber tun sich in Zeiten der wirtschaftlich angespannten Lage schwer, sind sich viele der befragten Vereinsvorsitzenden einig.

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    Marius Schenkelberg, Sitzungspräsident der KG Herschbach im Westerwald, sagt: „Hauptsächlich finanziert sich unser Prinzenpaar mit seinem Gefolge selbst. Dazu wird über Jahre im Verein gesammelt.“ Ganz grob könne man pro Gefolgemitglied 1000 Euro rechnen. „Damit werden Prinzenwagen, Wurfmaterial, Bühnenbild, Prinzenempfang, Kostüme und der Sprit zu den Auftritten bezahlt.“ Im Narren-Club Waschem (NCW), der in der aktuellen Session den Koblenzer Prinzen stellt, haben zum Beispiel Hofdamen und Minister zwischen 1200 und 2500 Euro für ihre Kostüme und Uniformen bezahlt. Rund 200 000 Euro kostet den Verein die Prinzensession insgesamt. „Vieles davon ist allerdings durch Sponsorenverträge der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval gedeckelt“, sagt Hofmarschall Ernst Knopp. „Aber auf jeden Fall kostet es einen Verein viel Energie“, betont er. Wann der NCW, der eher zu den kleinen Koblenzer Vereinen gehört, wieder einen Prinzen stellen kann, steht in den Sternen. Denn jedes Jahr bewerben sich in der Rhein-Mosel-Stadt mehrere Vereine um „ihr Jahr“ – trotz der hohen Kosten.

    In Wagen fünf wird ein kleines Kästchen gezückt. Ein Harlekin aus dem Gefolge hat seine Glitzersteinchen verloren, zwei Neue müssen ihm fein säuberlich ins Gesicht geklebt werden. „Das geht auch ganz schön ins Geld mit der Schminkerei“, ruft einer aus der zweiten Wagenreihe. „Wer schön sein will, muss leiden“, brüllt ein anderer. Viel Zeit zum Schimpfen bleibt nicht, die Auftritte sind halbstündig getaktet. „Olau“ rufen, gute Laune versprühen, Grußworte sprechen, Orden verleihen und bützen. Warum tut man sich das eigentlich an? „Ich trage das karnevalistische Gen einfach im Blut“, sagt Prinz Markus. „Ich lebe die Tradition Karneval durch und durch.“ Ein Clown aus dem Gefolge bestätigt sein Gefühl: „Es ist wunderbar, wenn die Menschen sich über uns freuen und mit uns feiern.“

    Doch Euphorie und Skepsis liegen nah beieinander. Denn schon seit einigen Jahren klagen viele Karnevalsgesellschaften über zunehmende finanzielle Belastungen. „Nicht nur eine Prinzenstellung ist teuer, der Karneval an sich ist teuer geworden“, sagt Thomas Appelbaum, Präsident des Festausschusses Bendorfer Karneval. „Und leider müssen die Vereine ihre Kosten auch ein wenig an ihre Gäste weitergeben. Ticket- und Getränkepreise ziehen an.“ Die Vereine sparen über den Sommer und richten Feste aus, um an Geld zu kommen. Allein an Rosenmontag wirft der Elferrat der Bendorfer Narrenzunft Kamelle im Wert von rund 1000 Euro vom Wagen unter die Jecken am Straßenrand. „Das muss ja irgendwie finanziert werden“, sagt Appelbaum, „ein Glück finden sich bislang noch Sponsoren.“

    Auch die Wagenbauer müssen sich ihr Geld für das Material gut einteilen. Wer im Umzug auf dem Wagen mitfahren will, muss in vielen Vereinen einen Obolus zahlen – zwischen 50 und 100 Euro. Beim NCW gehen pro Session rund 10 000 Euro für Sitzungen, Wagenbau und Umzüge über den Tisch. Knopp sagt, die Kosten seien in den vergangenen Jahren explodiert. Er räumt aber auch ein, dass in seinem Verein vieles nicht mehr selbst gemacht, sondern beauftragt wird.

    Bei den Fidelen Möhnen Rübenach ist es ebenfalls eine Geldfrage, ob es ein Möhnenpaar gibt und wie pompös es sich zeigt. „Schlange stehen die Kandidatinnen nicht, da dieses Amt natürlich mit finanziellen Kosten und auch mit erheblich Freizeit belegt ist“, heißt es aus dem Verein. Wenn sich niemand freiwillig meldet, gibt es auch mal kein Möhnenpaar. Wenn doch, bleibt es für zwei Jahre im Amt. Irene Klass und Michaela Reif haben die Jahre 2011 bis 2013 gestemmt und sagen trotz der großen Verantwortung: „Es ist einfach eine fantastische und unvergessene Zeit mit tollen Erlebnissen und Erfahrungen. Wir wollen diese zwei Jahre nicht missen.“

    In Bendorf gibt es erst im Jahr 2015/2016 wieder ein Prinzenpaar. „Zwischen 10 000 und 15 000 Euro müssen die beiden bei uns ansparen“, rechnet Appelbaum. „Meist erfüllen sich die Kandidaten ihren Traum zu einem eigenen Jubiläum wie einem runden Geburtstag oder so etwas. Und wenn man wirklich will, ist es auch erschwinglich.“

    Eine im Jahr 2012 von der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK) in Auftrag gegebene Studie hat übrigens ergeben: Der Karneval in Koblenz kostet nicht nur Geld, er ist durchaus auch ein Wirtschaftsfaktor. Die Karnevalisten – ob aktiv im Verein oder als Gäste auf Sitzungen, in Kneipen oder bei Umzügen – bewegen in der fünften Jahreszeit 23,4 Millionen Euro (Sitzungskarneval 6,8 Millionen, Straßenkarneval 9,8 Millionen und Kneipenkarneval 6,8 Millionen). Sie kaufen Tickets und Kostüme, fahren Taxi oder Bus, besorgen Orden, Wurfmaterial sowie Bühnen- und Wagendekoration, mieten Hallen, und sie essen und trinken fleißig. Damit halten die Jecken mehr als 530 Angestellte auf Trab. „Die Zahlen sind wichtige Argumentationshilfen, wenn es um die Pflege von Veranstaltungen und das Anwerben von Sponsoren geht“, sagt AKK-Präsident Franz-Josef Möhlich. In Köln werden im Karneval rund 460 Millionen Euro bewegt.

    Weder der ideelle noch der finanzielle Aufwand hält die Jecken in den meisten Orten im RZ-Land offenbar von ihren Träumen ab. „Bei uns in Herschbach ist der Posten des Prinzenpaares auf Jahre ausgebucht. Die nächste freie Stelle ist im Jahr 2022/2023“, sagt Schenkelberg.

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