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  • "Rheintal21": Bahnlärm mobilisiert immer mehr Menschen

    Rüdesheim/Mainz - Am Ende sah er abgekämpft aus – aber hochzufrieden. „Wir haben mit 1000 Teilnehmern gerechnet. Dass es so viele wurden, ist auch für uns eine Überraschung“, sagte Willi Pusch, Vorsitzender der „Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn“. Mehr als 1500 Menschen kamen zur Anti-Bahnlärm-Demonstration in Rüdesheim – rund doppelt so viele wie bei der Erstauflage im vergangenen Jahr. Erstmals gab es auch eine offenkundige Verbindung zu Stuttgart21-Gegnern.

    Gut 1500 Menschen kamen nach Rüdesheim zur Kundgebung gegen den Bahnlärm am Mittelrhein. So viel Protest hatte die Bürgerinitiative bisher noch nicht auf die Beine gebracht.
    Gut 1500 Menschen kamen nach Rüdesheim zur Kundgebung gegen den Bahnlärm am Mittelrhein. So viel Protest hatte die Bürgerinitiative bisher noch nicht auf die Beine gebracht.
    Foto: Ulrike Bletzer

    „Das ist der Anfang einer Bewegung“, stellte Burkhard Albers, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, bei der Abschlusskundgebung an der Bromserburg angesichts der großen Teilnehmerzahl fest. Eine Bewegung, die auch die Landesregierungen nicht unberührt lässt: Innenminister Roger Lewentz berichtete, dass Rheinland-Pfalz und Hessen mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen im Hinblick auf eine gemeinsame Bundesratsinitiative kontra Bahnlärm und pro Ausweichtrasse in Kontakt stehen. „Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir die Trasse mit vier Bundesländern im Boot nicht hinbekämen“, kommentierte Willi Pusch. Er ist inzwischen optimistischer - auch wegen einer Begebenheit am Tag zuvor: Vertreter der Bahn seien auf ihn zugekommen, mit dem Vorschlag, sich an einen Tisch zu setzen: „Offensichtlich merkt man dort jetzt, dass man am Widerstand, den die Menschen im Mittelrheintal leisten, nicht vorbeikommt.“

    Bei der Kundgebung fiel auch auf, dass sich neben etlichen Kommunal- und Regionalpolitikern auch Bundestags- und Europaabgeordnete in die Protestierenden einreihten. Und sie hörten klare Worte in Richtung Berlin von Karl Ottes, Weltkulturerbe-Dezernent des Rheingau-Taunus-Kreises. „Der Bahnlärm hier hat inzwischen einen Namen: Dr. Peter Ramsauer.“ Damit spielte Ottes auf die ablehnende Haltung des Bundesverkehrsministers gegenüber einer Alternativtrasse an. Denn die, darin waren sich in Rüdesheim alle einig, ist ein absolutes Muss. „Stichtag dafür ist 2015, wenn der neue Bundesverkehrswegeplan fortgeschrieben wird“, betonte Willi Pusch. „Falls wir es nicht schaffen, dass das Projekt darin aufgenommen wird, haben wir unsere Chance auf viele Jahre hinaus vertan.“

    Auch in punkto kurzfristige Maßnahmen wurden hinlänglich bekannte Forderungen laut: Nachtfahrverbot, Reduzierung der Geschwindigkeit, Einführung eines lärmabhängigen Trassenpreissystems und vor allen Dingen eine Umrüstung der Güterzüge auf leises Fahrmaterial.

    Ein schweres Versäumnis der Bundesbahn sei es gewesen, die 2001 fertiggestellte Trasse Köln – Frankfurt ausschließlich für Personenzüge zu konzipieren, kritisierte der Probst der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau,Sigurd Rink. Und das angesichts der Aussichten, die durch den Gotthard-Tunnel drohen: Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, betonte: „Das Güterzugaufkommen wird sich nach der Fertigstellung in einigen Jahren voraussichtlich verdoppeln. Wenn dann sogar im Zwei- bis Vier-Minuten-Takt Züge hier durchbrausen, wird das Tal vollends im Lärm untergehen.“
    Und die Gegner von "Rheintal21", wie die Bahnlärmbetroffenen inzwischen das Thema auch nennen, haben inzwischen auch Verbindungen zu dem Stuttgart21-Protest: Auf den Seiten von CamS21, die alle Proteste und Veranstaltungen rund um das Bahnhofsprojekt in Stuttgart übertragen und früh als "Volksreporter" gefeiert wurden, sind auch Video-Bilder von der Bahnlärm-Demo zu sehen. Jörg Schiller aus dem Hessischen ("es war auch meine Demo-Premiere!") hatte eigentlich live übertragen wollen, die Internet-Verbindung an der Halle war aber zu schlecht. Deshalb waren die Bilder dann nicht direkt abrufbar.

    Museumseisenbahner Schiller sieht einen Zusammenhang zwischen dem künftigen ÖPNV auch in Hesen und Rheinland-Pfalz und dem Bahnhofsprojekt in Stuttgart. Seine Begründung: "Wenn in Stuttgart gebaut wird, bekommen alle anderen Bundesländer über den Ländesfinanzausgleich diesen Quatsch zu spüren. Und das ist dann Geld, das dann zum Beispiel bei den Regionalisierungsmitteln für den ÖPNV gespart wird."

    Von unserer Mitarbeiterin
 Ulrike Bletzer

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