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  • Rheinhessin erlebt "ungeheuerliche" Demo

    Frankfurt/Rheinhessen - Mit einem Großaufgebot hat die Polizei den Protestmarsch der Blockupy-Bewegung in der Frankfurter Innenstadt am Samstag zum Stillstand gebracht, kaum dass er sich in Bewegung gesetzt hatte. Die Beamten kesselten über 900 kapitalismuskritische Protestler über Stunden ein und verhinderten damit die Hauptkundgebung. Wie eine Demonstrantin der MRZ im Interview berichtet, waren auch Demo-Teilnehmer außerhalb des Kessels massivem Druck seitens der Polizei ausgesetzt.

    Die friedliche Fluglärmgegnerin Hannelore Feicht aus Rheinhessen hat bei der Blockupy-Demo in Frankfurt massive Polizeigewalt erfahren.
    Die friedliche Fluglärmgegnerin Hannelore Feicht aus Rheinhessen hat bei der Blockupy-Demo in Frankfurt massive Polizeigewalt erfahren.
    Foto: man

    "Es ist ungeheuerlich, was ich da erlebt habe", sagt Hannelore Feicht noch immer Kopf schüttelnd. Sie ist Fluglärmaktivistin aus Rheinhessen und hat mit etlichen anderen Gesinnungsgenossen aus Rhein-Main an der Blockupy-Demo teilgenommen, um ihre Solidarität kundzutun. "Denn die Profitgier eines Unternehmens wie Fraport ist kein Einzelphänomen, sondern ein europaweites - Menschen werden dem Profit geopfert. Da heißt es zusammenhalten und protestieren."

    Zu Beginn der Demo verlief alles ruhig, erzählt die 67-Jährige. "Familien mit Kleinkindern waren da, die Stimmung war fröhlich und aufgelockert." Auffällig sei nur die Omnipräsenz der Polizei gewesen. "Die Polizisten waren nicht zu übersehen, sie standen an allen Ecken." Mit ihrem Banner ‚Wir ziehen an einem Strang’ reihten sich die Fluglärmgegner in den Protestzug ein und marschierten los.

    Doch schon kurze Zeit später ging nichts mehr. "Über Handys und Megafone haben wir von der Einkesselung erfahren und dass unser Zug damit abgetrennt worden war. Da wir durch die Montagsdemos als friedliche Protestler bekannt sind, wurden wir gebeten, uns vorne gut sichtbar zu zeigen. Wir haben uns also nach vorne geschlängelt und fanden uns Bauch an Bauch mit einer massiven, fünfreihigen Polizeifront wieder. Und da musste ich tief Luft holen", schildert Feicht, "weil mir da erst auffiel, dass die Polizisten voll auf Kampf ausgerüstet waren, mit Kampfanzügen, Gesichtsmasken, Mundschutz, Pistolen und Schlagstöcken. Das war schon sehr bedrohlich." Zumal es kein Entkommen gegeben habe: Links ein Hochhaus, rechts Einsatzwagen Stoßstange an Stoßstange und vorne die Polizeimauer.

    Mehr als eineinhalb Stunden tat sich nichts. Wie ein Polizist bestätigte, liefen in dieser Zeit Verhandlungen: Die Polizei forderte die Umleitung des Protestzugs, während die Demoleitung auf der vom Gericht genehmigten Route bestand. "Plötzlich gab es ein lautes Kommando bei der Polizei, die Beamten holten ihre Schlagstöcke heraus und kamen als Front langsam immer näher", führt Feicht weiter aus. "Sie haben gnadenlos die Menschen eingepfercht und immer weiter nach hinten gedrückt. Keiner von uns war vermummt, keiner hatte eine Waffe. Wir waren dieser Aggression ausgeliefert." In einem Moment der Unaufmerksamkeit seitens der Polizisten fand sie schließlich ein Schlupfloch und brachte sich in Sicherheit. "Vor Schreck zitternd habe ich dann beobachtet, wie etwa ein Dutzend Demonstranten aus der Menge in Richtung Sanitäter herausgestolpert kam. Ihnen floss das Wasser in Strömen aus den Augen, das kann nur Tränengas gewesen sein", erzählt die Rentnerin sichtlich erschüttert. Aufhören kommt für sie trotz dieser Erfahrung aber nicht in Frage. "Ich weiß jetzt, wie wichtig es ist, unser Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Und ich weiß jetzt, wie sich Polizeigewalt anfühlt, welche Bedrohung das sein kann. Du fühlst dich hilflos, ohnmächtig und hast keine Chance." man

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