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  • Krebs: Der Redebedarf ist riesig

    Koblenz. Letztlich reichten drei Worte, um zu beschreiben, was Krebspatienten vor und nach der Behandlung am besten hilft, um mit ihrer völlig neuen Lebenssituation klarzukommen: "Sprechen, sprechen, sprechen."

    Nach der Diagnose Krebs ist der Arzt auch als Vertrauensperson gefragt – zum Beispiel beim Thema Sexualität. Foto: dpa
    Nach der Diagnose Krebs ist der Arzt auch als Vertrauensperson gefragt – zum Beispiel beim Thema Sexualität.
    Foto: dpa

    Es war Dr. Roxana Schwab, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Unimedizin Mainz, die dies am Ende ihre Vortrags über Sexualität und Krebs während des dritten rheinland-pfälzischen Krebstags in Koblenz aussprach. Krebsgesellschaft und Tumorzentrum Rheinland-Pfalz hatten die Veranstaltung organisiert.

    80 Prozent der Krebspatienten wünschen sich laut Dr. Schwab mehr Informationen über die Beeinträchtigung ihrer Sexualität durch eine Krebserkrankung. Doch 91 Prozent trauen sich nicht, ihren Arzt darauf anzusprechen. Gerade in diesem wohl intimsten Bereich des Lebens ist der Redebedarf von Krebspatienten enorm hoch und die Scham zugleich riesig. Dabei ist das Reden mit Arzt und Partner etwa über Haarausfall oder Gewichtszunahme nach der Behandlung extrem wichtig, sagte Dr. Schwab. Und gerade beim Thema Lust-Verlust gebe es viele effektive Mittel wie Präparate aus der Maca-Knolle, um die sexuelle Energie zu steigern. Auch zu gemeinsamen Krafttraining riet die Expertin. Dabei würden lustfördernde Hormone ausgeschüttet.

    Nicht nur beim Thema Sexualität gilt: Der Arzt ist gefragt als Kommunikator, Psychologe, als Vertrauensperson. Wohl nirgendwo sonst ist der Bedarf nach einer sprechenden Medizin so groß wie in der Onkologie, besonders in der Nachsorge nach einer Behandlung, wenn Patienten zumeist erst in das Loch einer psychischen Belastung fallen. Dieser Grundgedanke durchzog viele Vorträge beim Krebstag. So berichtete die Leipziger Psychoonkologin Prof. Dr. Anja Mehnert, dass sich 67 Prozent der Krebspatienten einen festen Ansprechpartner für Fragen zur Erkrankung und Behandlung wünschen, 34 Prozent mehr Freundlichkeit im Krankenhaus und 32 Prozent, "behandelt zu werden wie ein Mensch, nicht wie ein Fall". Allein, beklagte Prof. Mehnert, "es ist einfach zu wenig Geld da, um mit dem Patienten zu sprechen".

    Mehr noch: Durch die Trennung zwischen stationärem und ambulantem Bereich in Deutschland gerieten Patienten oft dann aus dem psychoonkologischen Visier, wenn seelische Probleme meist erst auftreten - nach der Krebsbehandlung in der Klinik. Prof. Mehnert setzte sich daher für ein Screening von belasteten Patienten ein, was jedoch auch schwierig sei, weil viele Angst vor einer Stigmatisierung hätten. Dabei sei mittlerweile durch internationale Studien erwiesen, wie sehr Psychoonkologen Ängste von Patienten lindern und ihre Lebensqualität verbessern könnten.

    Ralf Rambach, Chef des Hauses der Krebs-Selbsthilfe in Bonn, berichtete von seiner eigenen Krebs-Biografie, wie schwer es ist, als Patient eigenverantwortlich zu entscheiden. Er erzählte von einer Krebsmedizin, die Patienten nicht mit einfachen Worten erklären kann, was mit ihnen geschehen soll. Er sagte aber auch: "Helfen ist eine Zweibahnstraße." Und der ehemalige Berufsoffizier berichtete auf ergreifende Weise, wie er nach seiner Behandlung einen Teil seines Gedächtnisses verlor und sich nur widerwillig in Psychotherapie begab. Seinen männlichen Leidensgenossen, die nach wie vor seltener Hilfe suchen, sagte er: "Es gibt kaum Hoffnung, dass nach der Krebsbehandlung alles wieder so wird, wies es einmal war. Aber es gibt die Chance, dem eigenen Leben eine andere Richtung zu geben."

    Von unserem Redakteur Christian Kunst

    Krebs-Schock – und dann? Psychoonkologin im Interview
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