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    MoselregionKönnen Schleusen am Hochwasser nichts ändern?

    Die Schleusen und (Hoch-)Wasser der Mosel – ein komplexes Zusammenspiel, wissen Fachleute. Und eine explosive Mischung, wie eine Diskussion am Mittwochabend in Ediger-Eller gezeigt hat.

    Die Schleuse in Bruttig-Fankel: Würde sie früher geöffnet, wäre ein Hochwasser weniger schlimm, meinen Moselaner. Nicht so die Fachleute.
    Die Schleuse in Bruttig-Fankel: Würde sie früher geöffnet, wäre ein Hochwasser weniger schlimm, meinen Moselaner. Nicht so die Fachleute.
    Foto: Kevin Ruehle

    Die CDU-Landtagsabgeordnete Anke Beilstein hatte dazu den Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Koblenz, Günther Werner, und Norbert Busch von der Bundesanstalt für Gewässerkunde eingeladen. Die These der beiden Experten: Schleusen können Hochwasser zwar mildern, jedoch nicht an der Mosel. Die etwa 70 kritischen Zuhörer, meist ältere Moselaner, wollen das nicht glauben: dass sie dem Wasser ausgeliefert sein sollen, dass sich keine andere Regulierung der Schleusen zumindest ausprobieren lässt, wo sie doch wissen: „Was weg ist, ist weg.“

    Die Veranstaltung ist zu Ende, doch die Moselaner diskutieren weiter.
    Die Veranstaltung ist zu Ende, doch die Moselaner diskutieren weiter.
    Foto: Dorothea Müth

    Anke Beilstein berichtet zunächst von ihrer Kleinen Anfrage an die Landesregierung und der Antwort, aus der sie nicht richtig schlau wird: Die Schleusen können Hochwasser bis HQ2 beeinflussen, also Hochwasserstärken, wie sie über einen Zeitraum von 100 Jahren durchschnittlich alle zwei Jahre vorkommen, heißt es. Und: Zur Stromerzeugung sei am Stauwehr normalerweise eine Differenz von zwei Metern zwischen Ober- und Unterpegel notwendig. Bei Hochwasser würden die Wehrverschlüsse jedoch so gesenkt, dass das Wasser ungehindert abfließen könne.

    Welche Normwerte aktuell für den Pegel (in Cochem) gelten, erklärt Günther Werner: Durchschnittlich bringt die Mosel 313 Kubikmeter Wasser pro Sekunde (m3/s) durch. Ab 400 m3/s wird der obere Wasserstand an der Staustufe Bruttig-Fankel schrittweise von 9,20 auf 8,50 Meter abgesenkt; der untere Wasserstand an der weiter oben liegenden Staustufe St. Aldegund gibt den Takt an. Erst, wenn 1500 m3/s Wasser im Moselbett fließen, wird die Schifffahrt eingestellt.

    In der ersten Januarwoche diesen Jahres ist die Mosel schneller angestiegen als bei den drei vorherigen Hochwassern 1997, 1995 und 1993. Dagegen lässt sich aber aus zwei Gründen nichts machen, sagt Norbert Busch: Die Moselwehre können ein Hochwasser nicht abmildern, weil die Mosel kein geschlossenes Speichersystem darstellt – dafür müsste man Dämme bauen, die den Blick auf den Fluss versperrten – und weil die mittlere Fallhöhe des Wassers kleiner ist als das natürliche Wasserschwankungspotenzial. Heißt: Selbst, wenn man in Erwartung eines Hochwassers (stärker als HQ2) das Wehr in Fankel komplett flachlegt, „holt sich die Mosel alles wieder“. Weil die Mosel dann frei fließt und den geschaffenen Raum wieder auffüllt. Nur an Flüssen, die Speicher mit großen Rückhaltevolumen haben wie etwa an den Moldau-Kaskaden vor Prag, ist das anders.
    Für Busch ist ein Hochwasser ein Naturereignis von einer Gesetzmäßigkeit, die er mit der Erdanziehungskraft vergleicht, die einen Apfel zu Fall bringt. Dass er das Hochwasser auch als Medienereignis bezeichnet, das Zell „zum Nullkostentarif“ bekommen habe – wofür er sich später entschuldigt – sorgt für Unmut unter den Zuhörern: „Wie zynisch! Wir hätten gern darauf verzichtet.“

    Die Moselaner äußern viele Ideen, wie dieses Ereignis für sie glimpflicher gestaltet werden könnte: den höchsten schiffbaren Wasserstand senken, das Energieunternehmen RWE früher dazu verpflichten, die Stromerzeugung einzustellen, ein neutrales Institut mit einem Gutachten beauftragen. Anke Beilstein bringt es auf den Punkt: „Ist es möglich, die Probe aufs Exempel zu machen und die Schleusen wenigstens einmal früher zu öffnen?“ „Da gibt es Verwaltungsvorschriften, und wir wären gegenüber der Schifffahrt regresspflichtig“, sagt Werner. „Wir leben in einem Land, wo Recht und Ordnung herrschen“, meint Busch. Viele Zuhörer lachen über diese Antworten, doch auch bei den beiden Fachleuten ist die Ironie am Ende eines kontroversen Abends nicht zu überhören.

    Dorothea Müth

    Rheinland-Pfalz
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