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  • KoblenzKoblenzer Studentin möchte Chemo-WG gründen

    In ihrer ersten Chemo-Phase ist Friederike Kaup in ihrer Wohnung in Darmstadt geblieben und nach Frankfurt in die Klinik gefahren. "Aber das war einfach zu anstrengend. Manchmal konnte ich tagelang kaum aufstehen und mich nicht allein versorgen."

    Friederike Kaup trainiert auf ihrem Liege-Dreirad. Vor eineinhalb Jahren wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Doch den hat sie besiegt.
    Friederike Kaup trainiert auf ihrem Liege-Dreirad. Vor eineinhalb Jahren wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Doch den hat sie besiegt.

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Die Konsequenz: Die damals 25-Jährige zog wieder zu ihren Eltern nach Frücht (Rhein-Lahn-Kreis), während sie im Stiftungsklinikum in Koblenz die Chemobehandlung hatte. "Und damit fühlt man sich aber wieder, als wäre man 14", sagt die junge Frau und lacht.

    Dann wird sie ernst. "Außerdem belastet man die Familie sehr stark, weil Eltern und Geschwister hilflos danebenstehen müssen, wenn es einem so schlecht geht." Aber über ein halbes Jahr lang gab es keine Alternative für die Soziologie-Studentin. Jetzt, wo sie wieder auf dem Weg der Besserung ist, sagt sie: "Mit anderen Betroffenen in einer Chemo-WG zu wohnen, das wäre das Richtige für mich gewesen."

    Auch in ihrem Studium beschäftigt sich die sportliche junge Frau, bei der vor eineinhalb Jahren eine Art Knochenkrebs diagnostiziert wurde, mit unterschiedlichen Wohnformen. Und schnell wird ihr auch in Gesprächen mit anderen Krebspatienten klar: In einer WG könnte jeder genügend Hilfe finden, um auch während einer akuten Chemo klarzukommen, andererseits bleibt genügend Freiraum. Das Alter der WG-Bewohner möchte Friederike Kaup gern auf 20 bis 35 beschränken - Jüngere leben sowieso meist noch bei den Eltern, Ältere haben oft andere Themen, die sie umtreiben.

    Drei bis vier Patienten in der WG, das sieht das Konzept von Friederike Kaup vor. Da alle von Krebs betroffen sind, ist das Verständnis für die Situation der anderen größer. "Denn es können nur die wenigsten Menschen trotz wirklicher Bemühungen nachvollziehen, was man während einer Chemotherapie erleiden muss." Und auch ganz pragmatische Dinge könnten geteilt werden: Da die Erkrankten vor allem in der Chemophase ein extrem reduziertes Immunsystem haben, könnte eine gemeinsam von allen bezahlte Reinigungskraft bei der Hausarbeit helfen. Das Einkaufen könnten die Patienten entweder selbst organisieren, oder ihre Angehörigen könnten es untereinander aufteilen.

    Friederike Kaup hat klare Vorstellungen, die sie bereits bei verschiedenen Institutionen wie der Deutschen Krebsgesellschaft vorgestellt hat: Das Haus oder die Wohnung müsste behindertengerecht sein und Gästezimmer für Angehörige haben. Ein Gemeinschaftsraum und mindestens zwei Bäder sind nötig, "da man während der Therapie eine unglaubliche Langsamkeit an den Tag legt."

    So wichtig für Betroffene eine solche WG sein kann, so schwierig ist die Finanzierung. Doch die Initiatorin ist zuversichtlich, dass wenigstens ein Teil durch Mieten getragen werden kann und der Rest durch Institutionen wie die Krebshilfe oder auch das Stiftungsklinikum und durch Spenden von Ehemaligen, Interessierten und anderen aufgefangen werden könnte. Auch mit einer geplanten Radtour durch Deutschland hofft Friederike Kaup auf finanzielle Unterstützung. Der Anfang ist jedenfalls gemacht. Am Montag, 20. Mai, soll der "Verein zur Förderung junger erwachsener Krebspatienten" um 18.30 Uhr in der Kapelle des Stiftungsklinikums (11. Stock) gegründet werden.

    Wer den Verein unterstützen möchte oder weitere Infos zu dem Projekt sucht, kann Friederike Kaup per E-Mail an friederike.kaup@gmail.com kontaktieren. Viele Informationen gibt es auch auf der Internetseite www.dreirad-zum-meer.de

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