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  • Kennzeichnungen: Verbraucher wollen Klartext bei Lebensmitteln

    Rheinland-Pfalz. Worauf achten die Menschen beim Kauf von Lebensmitteln, und welche Informationen wünschen sie sich auf der Verpackung? Diesen Fragen ist das rheinland-pfälzische Ministerium für Verbraucherschutz mit den Verbraucherzentralen in einer gemeinsamen Erhebung nachgegangen.

    Von unserer Redakteurin Nicole Mieding

    "Lebensmittelkennzeichnung - zwischen Wunsch und Wirklichkeit" heißt sie, und ihr Ergebnis lässt sich kurz zusammenfassen: Die Lücke, die zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft, ist groß.

    1018 Bürger haben sich an der Umfrage beteiligt, die im Juli mit einer Straßenaktion begann und bis September Befragungen im Internet sowie in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale (VZ) beinhaltet. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, wie die Organisatoren betonen. Doch sie liefern Hinweise darauf, wo die Verbraucher der Schuh drückt.

    Detektivischer Spürsinn gefragt

    Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), Preis und regionale Herkunft sind Verbrauchern besonders wichtig, ergab die Umfrage. Informationen dazu muss sich der Konsument auf der Verpackung aber oft recht mühsam zusammensuchen - sofern es sie überhaupt gibt. Für das MHD etwa ist kein verbindlicher Ort vorgeschrieben. Und mit dem beliebten Prädikat "regional" wird allerhand Schindluder getrieben. "Mehr Realität, weniger Romantik" forderte daher Ulrike von der Lühe, die Vorsitzende der VZ Rheinland-Pfalz, anlässlich der Präsentation der Umfrageergebnisse in Mainz. "Hauptinformationsquelle für verpackte Lebensmittel ist nun mal die Verpackung", betont sie.

    Dürften Verbraucher das Etikett selbst gestalten, wären Produktbezeichnung, Name, Mengenangabe und MHD auf der Schauseite - nicht zu verwechseln mit der Zutatenliste - auf den ersten Blick erkennbar. Auch zu Herkunft, gentechnischen Veränderungen, vorhandenen Allergenen oder vegetarischen oder veganen Lebensmitteln wünschen sie sich klare Angaben. Die Angaben, die vorhanden sind, halten sie für schlecht lesbar (53 Prozent der Befragten), 50 Prozent fühlen sich durch die Kennzeichnung oder Aufmachung getäuscht. Zu einer Beschwerde führt das in den meisten Fällen aber nicht. Die Kunden kaufen das Produkt schlicht nicht mehr.

    Eine Erkenntnis, die die Lebensmittelindustrie für sich zu nutzen weiß. Sie wehrt sich gegen weitere Auflagen durch die Politik und argumentiert, dass sich der Markt im Zweifelsfall selbst reguliert. "Die Kennzeichnung entscheidet lediglich beim Erstkauf", erläutert Stephan Becker-Sonnenschein, der die Geschäfte des Vereins Lebensmittelwirtschaft führt. "Zu Hause wird nicht mehr weiter geprüft, sondern gekostet - wenn's schmeckt, kommt das Produkt auf die Wiedereinkaufsliste."

    Ob detaillierte Angaben zu mehr Klarheit führen, stellt auch Hans Mathias Kepplinger, Professor für Empirische Kommunikationsforschung an der Universität Mainz, infrage. "Verbraucher wollen zwar alles wissen. Aber je länger der Beipackzettel ist, desto weniger wird er gelesen und oft auch nicht verstanden", weiß er. Zudem warnt Kepplinger vor einer Skandalisierung durch Einzelfallbeispiele - sie entsprächen oft nicht der statistischen Häufigkeit, könnten jedoch ganze Märkte zerstören. Das große Informationsbedürfnis steht also offenbar dem Wunsch nach Einfachheit und Transparenz bei der Kennzeichnung entgegen.

    „Das Etikett wird nicht ausreichen“ - OQ-Codes angeregt

    "Nicht alle Käufer wollen alles. Mal liegt ihr Augenmerk auf enthaltenen Allergenen, mal auf Kalorien, mal auf dem Preis oder den Produktionsbedingungen", erläuterte Axel Preuß, der das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit leitet. Sein Plädoyer daher: Sämtliche Informationen müssen jedermann zugänglich sein, aber "das Etikett wird dafür nicht ausreichen." Preuß ruft die Lebensmittelindustrie dazu auf, nach alternativen Wegen zur Informationsvermittlung zu suchen. Er regt etwa Infoterminals in Supermärkten an oder die Weiterentwicklung von QR-Codes, die jeden, der ein Smartphone besitzt, durch Einscannen auf direktem Weg zu den Produktinformationen im Internet lotsen. So ließen sich die oft verwirrenden Angaben auf dem Etikett deutlich reduzieren, sagt er.

    Auch der rheinland-pfälzische Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff (SPD) rechnet damit, dass ausführliche Produktangaben ins Internet ausgelagert werden müssen, weil "nicht jede Verpackung die Größe eines Waschmittelkartons hat". Die Erhebung der VZ ergab allerdings, dass mehr als 80 Prozent der Befragten ihre Informationen über Lebensmittel der Verpackung entnehmen - weniger als die Hälfte informiert sich im Internet. "Sollte uns der Spagat zwischen Vereinfachung der Angaben und höchstmöglicher Transparenz auf der Verpackung gelingen, gliche das einer Quadratur des Kreises", sagte der Minister. Einen Lichtblick immerhin gibt es: Von Dezember an gilt die neue, europaweite Lebensmittelinformationsverordnung. Dadurch wird sich die Kennzeichnung von Lebensmitteln in einigen Punkten verbessern. Viele ungünstige Regelungen bleiben aus Sicht der VZ jedoch bestehen. So schreibt die Verordnung nun eine Minimalschriftgröße für die Angaben vor - für viele Käufer ist sie jedoch zu klein. Bei Tiefkühlprodukten muss künftig das Einfrierdatum angegeben, Allergene müssen in der Zutatenliste deutlich hervorgehoben werden.

    Der Begriff "regional" bleibt diffus

    Für lose Ware gilt all dies jedoch nicht. Für andere Fleischsorten als Rind ist von April 2015 an eine Herkunftsangabe Pflicht - bei verpacktem Fleisch. Für verarbeitetes Fleisch gilt die Vorschrift nicht. Auch der Begriff "regional" ist nach wie vor nicht klar geregelt. Dennoch: "Die Regelung ist ein wichtiger Schritt, weil erstmals Wünsche von Verbrauchern eingeflossen sind. Aber es bleibt noch viel zu tun", sagte Waltraud Fesser, Referentin für Lebensmittel und Ernährung der VZ in Mainz. Und Aufklärung hin oder her: Ob eine Ware im Einkaufskorb landet, entscheidet letztlich noch immer der Preis.

    Mehr zur aktuellen Erhebung unter www.vz-rlp.de

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    Prozesse in Koblenz: Hartmut Wagner berichtet aus dem Gerichtssaal. Er freut sich über Anregungen, Tipps oder Kritik per Mail.