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  • Experten: Zweifel an der Sicherheit der Hochmoselbrücke

    Rheinland-Pfalz. Beim Bau der Hochmoselbrücke sind die möglichen Risiken nach Ansicht der Experten noch nicht ausreichend untersucht worden. "Für mich ist die Planung nicht vollständig, weil wir zu wenig wissen", kritisiert der Direktor des Landesamtes für Geologie und Bergbau, Harald Ehses (53).

    So sieht die Hochmoselbrücke fertig aus.
    So sieht die Hochmoselbrücke fertig aus.
    Foto: dpa

    Er könne mit den bisherigen Informationen nicht bewerten, ob der Bau der Hochmoselbrücke zu risikoreich sei oder nicht, sagt er. Hier das Interview im Wortlaut.

    Ist das Bauen von Brücken in Rheinland-Pfalz mit seinen tiefen Flusstälern schwieriger als in anderen Teilen Deutschlands?

    Ja, wir haben hier teils einen sehr komplizierten Baugrund, den man bei einem solchen Bau immer miteinbeziehen muss. Problemzonen sind das rheinhessische Umland, das Nordpfälzer Bergland und die Bereiche der stark eingeschnittenen Flüsse, zum Beispiel der Mittelrhein und die Mosel und da vor allem das Mittelmoselgebiet.

    Genau dort wird nun die Hochmoselbrücke gebaut, die derzeit größte Brückenbaustelle Deutschlands.

    Richtig. Man hat vor allem an der Mittelmosel eine sehr inhomogene Erdschicht. Die ist nicht über Hunderte Meter gleich, sondern sie ändert sich teilweise innerhalb von zehn Metern von kompaktem bis zu total zerrüttetem Gestein. Man muss also sehr intensiv untersuchen, wie die Erdschicht vor Ort ist, und man muss die hydrogeologischen Verhältnisse des Untergrundes sehr genau kennen. Einfach formuliert: Man muss wissen, welche Wasserverhältnisse es rund um die Baustelle gibt, damit man Wasser als gefährliches Gleitmittel beim Bau in Rutschgebieten ausschließen kann.

    Wurde das beim Bau der Hochmoselbrücke getan?

    Ich meine, dass das Baugrundrisiko bislang noch nicht so ausreichend beschrieben worden ist, dass ich eine Betrachtung der schwierigsten Verhältnisse, die eintreten könnten, guten Gewissens abschätzen kann. Genau das ist aber bei einem solchen Bau absolut notwendig. Man muss wissen, was passiert, wenn man auf ungünstige Verhältnisse stößt, wie das an der Mittelmosel der Fall sein kann.

    Die Ingenieure sagen: Das Risiko ist tragbar, obwohl das Landesamt für Geologie den Boden in Rheinland-Pfalz ja eigentlich am besten kennen sollte, oder?

    Das tun wir auch. Und bislang fehlen uns noch Informationen.

    Welche Informationen sind das?

    Etwa ein hydrogeologisches Gutachten, das wir seit Langem fordern und das wir schlichtweg brauchen, um das Risiko ausreichend und vollständig beschreiben zu können.

    Der Bau der Hochmoselbrücke hat bereits begonnen. Sind das nicht Dinge, die man macht, bevor man loslegt?

    Ich sage lediglich: Für mich ist die Planung nicht vollständig, weil wir zu wenig wissen. Meinen Auftrag als Landesamt kann ich mit den vorliegenden Informationen nicht vollständig erledigen. Somit kann ich auch nicht bewerten, ob der Bau der Hochmoselbrücke ein zu großes Risiko darstellt oder nicht.

    Haben Sie gestaunt, als Sie hörten, dass ausgerechnet zwischen Ürzig und Rachtig diese gewaltige Brücke gebaut werden soll?

    Ich war zumindest verwundert, dass die Baugrundprobleme dort noch nicht so in die Planung eingeflossen sind, wie man das bei einem derartig großen Projekt erwarten sollte.

    Ist es jetzt nicht eh zu spät, um ein solches Wassergutachten aufsetzen zu lassen?

    Keineswegs. Ein wenig ist das wie mit einer Krankheit: Nur wenn Sie wissen, was Sie bekämpfen wollen, können Sie richtig dagegen vorgehen. Wissen Sie es nicht, haben Sie nachher ein größeres Problem.

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