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  • Aus für "Rock am Ring" in der Eifel: Die teure Legende soll umziehen

    Rheinland-Pfalz. Money - nach 29 Jahren ist am kommenden Pfingstmontag "Rock am Ring" am Nürburgring Geschichte. Und am Ende war alles nur eine Frage des Geldes. Keine "faire Verteilung" beklagt die eine, pures Streben nach "Gewinnmaximierung" die andere Seite. Und jeder glaubt nun, man könne so einen Festivalmythos einfach irgendwie in die Zukunft retten.

    Rheinland-Pfalz - Nach 29 Jahren ist am kommenden Pfingstmontag Rock am Ring am Nürburgring Geschichte: "Das Festival wird nicht mehr in der Eifel stattfinden", sagte der Veranstalter Marek Lieberberg unserer Zeitung. Der Grund: Die neue Betreibergesellschaft hat den Vertrag mit Lieberbergs Agentur gekündigt.

    Der seit 1. April amtierende Geschäftsführer der neuen Capricorn Nürburgring GmbH, Carsten Schumacher, begründete die Kündigung des Vertrages mit den bisherigen Konditionen, die aus Sicht des Nürburgrings keine faire Verteilung der Gewinne gewährleistet hätten. Die Partnerschaft auf dem Papier sei in der Realität nicht gelebt worden.

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    Marek Lieberberg bedauert, dass "die neuen Herren am Ring" nur "an Gewinnmaximierung interessiert" gewesen seien. Auf das bisher vereinbarte Drittel des Ertrags hätten sie einen Aufschlag von 25 Prozent verlangt. Der alte Vertrag mit diesen Konditionen wurde nach Schumachers Angaben bereits im Januar 2014 wegen der EU-rechtlichen Anforderungen gekündigt. Eine nähere Prüfung des Vertragswerks habe dann ergeben, dass die Konditionen "keinesfalls" so bleiben konnten. Rock am Ring sei eine der Veranstaltungen, bei denen der Partner "überproportional verdient" habe.

    Unversöhnlicher Streit ums Geld

    Marek Lieberberg erklärt hingegen seine Kalkulation für das Festival am Nürburgring mit den seiner Meinung nach dort anfallenden höheren Kosten als bei anderen Festivals: "Allein schon wegen der besonderen topografischen Situation - also der Lage des Festivalortes oder etwa der Einrichtung des Zeltplatzes - sind die Kosten für die Veranstaltung um etwa 2,5 bis 3 Millionen Euro höher als beim Schwesterfestival Rock im Park in Nürnberg."

    Zum endgültigen Bruch kam es nach Schumachers Angaben am Freitag, weil Lieberberg eine Änderung des Vertrages für den Ring abgelehnt habe.

    Doch damit soll nicht Schluss sein mit Rockfestivals am Ring. Schon am Dienstag will man in einer Pressekonferenz einen neuen und laut Schumacher erfahrenen Partner präsentieren, der bessere Konditionen anbieten soll. "Wir haben jetzt einen Partner gefunden, dem an Fairness gelegen ist", sagte der Geschäftsführer.

    Auch bei dem neuen Festival am Ring sollen hochkarätige und namhafte Rockstars auftreten. Das Festival braucht auf jeden Fall einen neuen Namen, denn der eingängige Titel Rock am Ring gehört Marek Lieberberg. Der will Rock am Ring auch auf jeden Fall weiterführen - zur gleichen Jahreszeit, nur eben nicht am Nürburgring. Wo genau es weitergehen soll, ist noch unbekannt - laut Lieberberg stehen sechs Alternativen zur Diskussion, eine davon in Rheinland-Pfalz, fünf in anderen Bundesländern. Auf jeden Fall in der Auswahl ist der Lausitzring in Brandenburg.

    Entsetzen in der Region

    In der Region rund um den Nürburgring sorgte das Aus für das Festival für Entsetzen. "Jetzt haben wir den Schlamassel", sagte Nürburgs Bürgermeister Reinhold Schüssler. Er rechnet damit, dass noch weitere Veranstaltungen abgezogen werden. Auch die Gewerbetreibenden und Geschäftsleute rund um den Ring sind geschockt, denn das Mammutfestival wird in seiner Wirtschaftskraft gleichgesetzt mit dem 24-Stunden-Rennen. Für das am kommenden Freitag startende letzte Rock-am-Ring-Festival werden mehr als 70 000 Besucher erwartet, es gibt noch Festival- und Tageskarten. Seinen Besucherrekord hatte Rock am Ring im vergangenen Jahr mit 87.000 Besuchern erreicht.

    Vergangenes Jahr kamen zu "Rock am Ring" 85.000 Besucher und 80 Bands in die Eifel. Foto: DPA
    Vergangenes Jahr kamen zu "Rock am Ring" 85.000 Besucher und 80 Bands in die Eifel.
    Foto: DPA

    Die Landesregierung bedauerte das Aus für Rock am Ring. Regierungssprecherin Monika Fuhr wies darauf hin, der neue Ring-Besitzer Capricorn habe immer erklärt, es sei Ziel des Unternehmens, "den Nürburgring und die Region positiv weiterzuentwickeln". Die Regierung gehe nun davon aus, dass Capricorn ein alternatives und tragfähiges Konzept entwickele, "mit dem die Kündigung von Rock am Ring kompensiert werden kann". Innenminister Roger Lewentz (SPD) sagte in einer ersten Reaktion: "Das irritiert." cli/cla/mr/ame/jl/dpa

    Weitere Reaktionen zum überraschenden Aus von "Rock am Ring" in der Eifel lesen Sie hier

    Endet Streit um Namen Rock am Ring mit Vergleich? Konzertagentur: Trotz Klagemisserfolg möglicher FinanzanspruchNoch sind es Spekulationen: Kehrt der Rock an den Ring zurück? Was wird aus Rock am Ring in Mendig? Missklänge bei Rock am Ring weitere Links
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