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  • Piraten-Spitzenkandidat zweifelt an eigener Partei

    Rheinland-Pfalz. Zwei Monate vor der Bundestagswahl am 22. September wissen viele Menschen noch nicht, wen sie wählen sollen. Der Spitzenkandidat der Piratenpartei in Rheinland-Pfalz weiß nicht einmal, ob er in seiner Partei noch richtig ist. Prinzipien gehen vor Prozente, sagt Vincent Thenhart.

    Foto: privat

    Von unserem Redakteur Lars Wienand

    Er ist 20 Jahre alt, voller Ideale und hält wenig von Diplomatie. Er schreibt unverstellt, was er denkt. Am Sonntag setzte der Generalsekretär und Spitzenkandidat der Piraten im Kurznachrichtendienst Twitter folgende Mitteilung ab: "Nach knapp vier Jahren neigt sich dann auch die Ära Piratenpartei dem Ende zu."

    Vor vier Jahren ist Thenhart eingetreten, im November wurde er zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt.

    Fast einen ganzen Tag lang ließ er die Aussage ohne Einordnung, die Reaktionen gingen von ungläubigem Staunen über Vermutungen, das sei ironisch gemeint, bis zu einer "Panik"-Erklärung von Claudia Frick, Nummer zwei auf der Liste. Thenhart nimmt von seiner Aussage nichts zurück. "Der Tweet war darauf bezogen, ob ich und die Piratenpartei noch zusammenpassen", erklärte er unserer Zeitung. "An vielen Stellen passt der aktuelle Kurs der Piratenpartei nicht mehr mit dem meinen überein."

    Der Abgleich zwischen eigener Person und Partei dürfe nicht vernachlässigt werden, da sonst am Ende die Ideale über Bord gingen. "Und ich bin offensichtlich gerade in der Phase, wo ich mich frage, ob ich die Piratenpartei ehrlich im Wahlkampf vertreten kann. Diese Ehrlichkeit ist meiner Meinung nach Pflicht für jeden Piraten."

    Thenharts Tweet wird viel Wirbel auslösen - und daran haben dann die Anteil, die wollten, dass er Dinge lieber im kleinen Kreis löst. "Mir sind ehrliche und menschliche Politiker und Parteimitglieder lieber als jede blöde Außenwirkung und irgendwelche Prozente bei einer Wahl", sagt Thenhart. Seine größte Sorge angesichts der Berichterstattung, die er auslöst: "Dass es die Leute nur noch mehr drängt, alles in sich hineinzufressen, um die heilige Außenwirkung nicht zu schädigen."

    Er war zuvor ermahnt und gebeten worden, sich zu mäßigen, nachdem er einen Streit mit dem Verantwortlichen des Piratenshops sehr offen und sehr deutlich ausgetragen hatte. Von Thenhart fielen die Begriffe "selbstverliebter Lügner" und "Du laberst so einen Bullshit". Das müsse aber öffentlich disktutiert werden, erklärte er . Es gehe ja nicht um Personen, sondern um Geld der Partei.

    Die für diesen Bereich im Vorstand zuständige Bundesschatzmeisterin schaltete sich ein, bat Thenhart, "ihr bitte unverzüglich eine Mail mit seinen Vorwürfen senden". Es gab auch ein Telefonat. Thenharts nächste Kurznachricht: Jetzt habe "die Twitterpolizei" des Bundesvorstands wieder zugeschlagen. Dann schrieb er jenen Tweet, dass sich die Ära Piratenpartei für ihn dem Ende neigt.

    Eine direkte Reaktion sei der Tweet nicht gewesen, er beziehe sich auf viele Dinge, die letztlich ein Fass irgendwann zum Überlaufen bringen. Die "blöden Plakate" spielten da nur eine Nebenrolle, sagt der Spitzenkandidat. Am Dienstag wurden sie offenbar auch geliefert.

    Mit der Kritik zu dem Thema stand er aber nicht allein da. Auch die NRW-Koordinatorin für die Bundestagswahl ärgerte sich öffentlich über die "Scheiß-Orga". Ein anderer Pirat* behauptet, die Piratenpartei habe eine hohe fünfstellige Summe zu viel bezahlt. 150 000 Plakate für die Landesverbände sind bestellt, mehr als 10 000 für Rheinland-Pfalz, 700 für Thenhardts Wahlkreis. Vielerorts darf bereits plakatiert werden.

    Politik machen die Piraten aber auch: Am Dienstag riefen sie zur Teilnahme an der zentralen rheinland-pfälzischen Demo gegen das US-Spähprogramm "Prism" am Samstag in Trier auf. Es wäre keine Überraschung, wenn auch Thenhart dabei ist.

    *In einer früheren Version war an dieser Stelle zu lesen, dass es sich um einen "Kandidaten aus Sachsen-Anhalt" gehandelt haben. Das war ein Fehler. Der andere Betrag erklärt sich auch mit anderen Materialien. 

    Autor:
    Lars Wienand
    (Mail, )

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