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    MarienstattAbtei Marienstatt: Zu Besuch beim "Jüngsten Gericht"

    „Und nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim ,Jüngsten Gericht’“, so beendet Chorleiterin Veronika Zilles ihre Einführung in Dieterich Buxtehudes gleichnamiges Oratorium. In Vorfreude auf die dramatischen Ereignisse am Jüngsten Tag hat sich das Mittelschiff der Abteibasilika gut gefüllt. Im Chorraum haben die Sänger des Kammerchores Marienstatt Aufstellung genommen. Das Orchester Capella Confluentes ist vor den Altarstufen platziert. Auf der Orgelempore erklingt die „göttliche Stimme“, verkörpert vom international renommierten Bassisten Franz-Josef Selig, begleitet von Franziska Becker (Orgel). Selig hat sich zwischen Wien (Staatsoper, „Zauberflöte“) und New York (Metropolitan Opera, „Fliegender Holländer“) Zeit genommen, um mit dem Chor unter der Leitung seiner befreundeten Studienkollegin Zilles zu musizieren.

    Das Instrumentalensemble, renommierte Sänger und das souveräne Dirigat von Veronika Zilles sorgten für ein „Jüngstes Gericht“, das ein wahres Konzerterlebnis war. Foto: Röder-Moldenhauer
    Das Instrumentalensemble, renommierte Sänger und das souveräne Dirigat von Veronika Zilles sorgten für ein „Jüngstes Gericht“, das ein wahres Konzerterlebnis war.
    Foto: Röder-Moldenhauer

    Und das tun sie jetzt mit großer Intensität, sodass sich die Stimmungen unmittelbar auf das Publikum übertragen. „Wacht, wacht, wacht“, wiederholt der Chor und warnt eindringlich vor den „drei Rebellen: Geilheit, Geiz und stolzer Pracht“. Starke Worte werden da benutzt. Bild- und klanggewaltig spielt sich ein Drama in drei Akten ab, welches getragen ist von der barocken Spannung zwischen Lebenslust und Todesgewissheit, die der Komponist Dieterich Buxtehude aus Lübeck so meisterhaft in Musik zu setzen verstand. So massenhaft strömten die Menschen zu seinen Abendmusiken, in deren Rahmen 1683 auch das Oratorium aufgeführt wurde, dass Polizeischutz nötig war. Georg Friedrich Händel nahm bei ihm Unterricht, Johann Sebastian Bach reiste 400 Kilometer zu Fuß von Arnstadt an, um ihn zu hören.

    Sensationelles ist auch in Marienstatt zu hören. Franz-Josef Selig warnt mit Prophetenwort die drei allegorischen Gestalten des ersten Aktes: Geiz, Hoffart und Leichtfertigkeit. Im Sopran glänzen Johanna Ihrig, Clara Buhrmann und Susanne Hehl-Saridakis. Buhrmann und Ihrig studieren an der Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig, und die Elevinnen legen für ihre Alma Mater alle Ehre ein. Wunderbar klar artikuliert ist ihr Vortrag und ausdrucksstark empfunden die Stimmungen, vor allem im dritten Akt, wo die gute beziehungsweise die böse Seele sich angesichts des drohenden Gerichtes in einem Wechselbad der Gefühle befinden.

    Die gute Seele (Ihrig) jubelt in Erwartung des himmlischen Erbteils in den höchsten Tönen. In die getröstete Herzensruhe, „Süßer Jesu, du meine Ruh“, begleitet vom ruhigen Continuo von Theorbe, Orgel und Fagott, mischt sich bisweilen Überheblichkeit bis zur Schadenfreude – „Aber nun sie wie die Säue, halten ihren Bauch für Gott“–, und in den Preisungen der asketischen Jesusnachfolge schwingt auch Melancholie bis zum Ressentiment mit.

    Die böse Seele (Buhrmann) rühmt sich ihrer Lebenslust, ihres Reichtums und kluger Vorratshaltung. Angesichts des göttlichen Memento Mori. „Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir Fordern“, macht sich Bangigkeit, gesteigert bis zur Panik, breit. Diese Gefühlsumbrüche stellen auch den Chor in den zusammenfassenden Passagen vor musikalische Herausforderungen, die der beeindruckende Klangkörper meistert.

    Halt und Fassung geben dem Konzert das Instrumentalensemble, das sich Originalinstrumenten der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat, und dazu das souveräne Dirigat von Veronika Zilles. Am Ende ist das Publikum berührt und bewegt und zeigt große Resonanz auf ein konzertantes Erlebnis.

    Von unserem Mitarbeiter Matthias Budde

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